praxisgebuehr-pillen-geld

Demnächst 5 Euro Praxisgebühr pro Arztbesuch?

In der schwarz-gelben Koalition wird derzeit über eine veränderte Praxisgebühr für Verbraucher nachgedacht. Anstatt der 10 Euro pro Quartal, sollen ab Frühjahr 2012 bis zu 5 Euro pro Arztbesuch fällig werden. So meldete zumindest die BILD-Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe. Hintergrund ist, dass wir in den Augen unserer Regierung nach wie vor zuviel zum Arzt gehen. Die bisherige Praxisgebühr spült zwar jedes 2,8 Milliarden Euro in die Kassen, funktioniert aber nicht als Steuerinstrument für weniger Arztbesuche. Vom neuen Modell erhoffen sich Gesundheits-Ökonomen den gewünschten Effekt. Kritiker sind skeptisch.

Werbung

Müssen wir bald für jeden Arztbesuch zahlen?

Nach Informationen der BILD-Zeitung scheint Bundesumweltminister Daniel Bahr (FDP) tatsächlich eine Änderung des momentanen Praxisgebühren-Modells vorzubereiten. Bereits ab Frühjahr könnten dann alle Kassenpatienten gezwungen werden, bis zu 5 Euro pro Arztbesuch aus eigener Tasche zu bezahlen. Wir Deutsche gehen im Schnitt 18 Mal im Jahr zum Arzt. Das treibt die Gesundheitskosten in die Höhe. Dennoch dementierte das Bundesgesundheitsministerium umgehend die Berichterstattung. Es werde zwar, wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben, die aktuelle Praxisgebühr diskutiert werden. Wie eine künftige Gebühr aussehen werde, das sei zum momentanen Zeitpunkt aber noch unklar.

Gesundheitsökonomen begrüßen neues Modell

Die Pläne bekommen Rückendeckung von vielen Gesundheitsökonomen. Die bisherige Praxisgebühr von 10 Euro im Quartal werde als zusätzlicher Krankenkassenbeitrag begriffen. Die Menschen haben sich daran gewöhnt die 10 Euro einmal im Quartal zu zahlen. Dafür gehen sie aber weiterhin genauso oft zum Arzt wie früher. Die Praxisgebühr hat damit ihre ursprüngliche Wirkung verfehlt und dient derzeit nur noch als Geldeinnahmequelle. Eine neue Praxisgebühr von 5 Euro pro Besuch, würde den gewünschten Effekt schnell herbeiführen.

Werbung

Verlierer wären Alte und chronisch Kranke

Rechnet man mal aus Patientensicht, so ergibt sich ein deutlich pesimistischeres Bild. Werden derzeit bei den durchschnittlichen 18 Arztbesuchen im Jahr gerade einmal 20 Euro fällig, so müssten künftig 90 Euro bezahlt werden. Das Gesundheitssystem würde danach 9,8 Milliarden Euro mehr einnehmen als bisher. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die meisten Kassen ohnehin Überschüsse erwirtschaften. Die Folge wären mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Ausbau der Krankenkassenverwaltungen, die Boni der Top-Manager der Kassen würden steigen und weitere Projekte, wie Sponsoring u.ä., die am reinen Patientenauftrag vorbeigehen könnten wieder finanziert werden.

Und wenn aus den durchschnittlichen 18 Besuchen im Jahr 9 würden, wovon selbst die optimistischsten Experten aus Koalitionskreisen nicht ausgehen, wäre immer noch ein sattes Plus bei den Kassen zu verzeichnen. Dies würde eventuell die einzahlenden Arbeitnehmer entlasten, sofern die Kassenbeiträge gesenkt würden, nicht jedoch die, die von der neuen Praxisgebühr am meisten betroffen wären, nämlich die Alten und chronisch Kranken.

Werbung

Check Also

Sicheres Fahrradschloss

Fahrradschlösser-Test: Stiftung Warentest findet nur vier gute

Fahrradschlösser sind wichtig. Sie sollten sicher sein und nicht einfach geknackt werden können. Doch leider …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.