Alle Jahre wieder: Weihnachtsgeschenke umtauschen – aber richtig!

An Heiligabend setzt man bei der Bescherung noch ein freundliches Lächeln auf und bedankt sich höflich, aber spätestens am ersten Werktag nach Weihnachten wird klar: Das neue Hemd von der Liebsten ist zu groß, die CD vom Cousin steht bereits in doppelter Ausführung im Regal und die Krawatte von der Schwiegermutter ist schlichtweg scheußlich! Also ab ins Geschäft und umtauschen – schließlich werben viele Läden gerade in der Vorweihnachtszeit mit vollmundigen Umtausch-Versprechen. Doch nach den Feiertagen folgt an der Kasse so manches Mal das böse Erwachen. Denn ums Umtausch-Recht kursieren beim Verbraucher einige hartnäckige Mythen. Hier die Top 5 der Umtausch-Mythen, auf die viele Verbraucher immer wieder hereinfallen.

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Umtausch-Mythos Nummer 5: Es gibt ein gesetzliches Rückgaberecht innerhalb von 14 Tagen

Wer im Geschäft etwas einkauft, geht mit dem Verkäufer einen Vertrag ein. Dieser Vertrag gilt, sobald Sie für die Ware gezahlt haben und der Artikel sich in Ihrem Besitz befindet. Stellen Sie sich vor, der Verkäufer klingelt drei Tage später an Ihre Haustür und fordert den verkauften Artikel zurück, weil er ihn mittlerweile anderweitig mit mehr Gewinn verkaufen könnte. Sie würden einem solchen Händler wahrscheinlich den Vogel zeigen und die Tür zuknallen.

Genauso wenig, wie ein Verkäufer das Recht hat, bezahlte Ware zurück zu fordern, haben Sie als Käufer das Recht, bezahlte Ware zurück zu geben. Wenn Sie einen Kaufvertrag eingegangen sind, können Sie nicht ohne Weiteres vom Vertrag zurücktreten. Es sei denn, der Käufer ist im Grundschulalter und hat ohne Erlaubnis der Eltern beispielsweise eine teure Spielekonsole gekauft.

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Oder aber die Ware ist fehlerhaft: Dann hat man das Recht, den Verkäufer die Ware reparieren zu lassen. Wenn das reparierte Gerät ebenfalls nicht funktioniert, kann man ein neues Gerät fordern. Wenn auch das fehlerhaft ist, kann man schließlich nach § 323 BGB vom Kaufvertrag zurücktreten und den Kaufpreis zurückfordern.

Dennoch zeigen sich vor allem in der Weihnachtszeit viele Händler kulant und tauschen ungewollte Weihnachtsgeschenke gegen andere Ware oder einen Gutschein um. Viele größere Ladenketten werben sogar explizit mit einem Umtauschrecht. In diesem Fall ist man als Kunde auf der sicheren Seite – allerdings sollte der Schenker bereits beim Einkauf nach den genauen Umtauschmodalitäten fragen. Denn die können durchaus variieren.

Umtausch-Mythos Nummer 4: Umtausch nur mit Kassenzettel und in Originalverpackung

Wenn Sie ein Weihnachtsgeschenk im Laden nur deshalb zurückgeben möchten, weil es Ihnen nicht gefällt, kann es durchaus ratsam sein, das mit Kassenbon und Verpackung zu machen. Denn ein Umtausch wegen Nichtgefallen ist in der Regel nur aufgrund der Kulanz des Verkäufers möglich. Und der wird meistens auf Kassenbeleg und Originalverpackung bestehen.

Anders verhält es sich, wenn beispielsweise der neue Tablet-PC einfach nicht funktioniert. Bei Reklamationen muss der Verkäufer die Ware auch ohne Kassenzettel zurücknehmen und den Fehler beseitigen – solange man den Kauf anderweitig belegen kann: Wer mit Karte bezahlt hat, kann beispielsweise den Kontoauszug oder die Kartenabrechnung der Bank vorlegen. Wer gemeinsam mit einem Freund eingekauft hat, kann diesen als Zeugen anführen.

Ebenso unnötig wie der Kassenzettel ist bei Reklamationen die Originalverpackung. Der Himmel weiß, wie viele leere Verpackungs-Kartons in deutschen Kellern und Dachböden herumstehen, weil viele Verbraucher denken: „Im Garantiefall muss ich die Ware im Originalkarton abgeben.“ Tatsache ist: Wer im Rahmen der Garantie oder Gewährleistung defekte Ware zurückgibt, braucht die Originalverpackung nicht. Der Händler bzw. Hersteller muss die defekte Ware reparieren unabhängig davon, ob in Originalverpackung oder nicht. Schaffen Sie also Platz im Keller und auf dem Dachboden – für Reklamationen brauchen Sie die Kartons jedenfalls nicht.

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Umtausch-Mythos Nummer 3: Bei Online-Einkäufen zahlt der Verkäufer immer das Porto für die Rücksendung

Wer Weihnachtsgeschenke online einkauft, hat im Vergleich zu Ladenkäufern einen Vorteil: Bei Online-Käufen wie beispielsweise bei amazon.de gilt das Fernabsatzrecht. Bei Kaufverträgen übers Internet, am Telefon oder auch an der Haustür sieht der Gesetzgeber nach § 312 BGB ein 14-Tägiges Widerrufsrecht vor. Das heißt: Sie können ohne Angabe von Gründen innerhalb der Frist vom Kaufvertrag zurücktreten – ausgenommen sind bereits entsiegelte Datenträger, verderbliche Lebensmittel oder Sonderanfertigungen.

Bei der Rücksendung stellt sich allerdings die Frage: Wer zahlt für das Rücksende-Porto? Hier hat der Gesetzgeber klare Richtlinien erlassen: Liegt der Warenwert über 40 Euro, muss der Verkäufer die Rücksendekosten tragen. Wenn der Warenwert unter 40 Euro liegt, hängt es von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Händlers ab, ob und in welcher Höhe Sie das Rückporto bezahlen müssen. Wenn keine konkreten Rücksendegebühren in den AGB festgelegt sind, trägt der Verkäufer das Rückporto. Wenn die Rücksendekosten in den AGB definiert sind, müssen Sie bei einem Warenwert unter 40 Euro in den sauren Apfel beißen, und die Rücksendung entsprechend selbst bezahlen.

Umtausch-Mythos Nummer 2: Benutzte Ware wird nicht umgetauscht

Bei der Rücksendung von Online-Einkäufen hört man es von einigen Händlern immer wieder: Kein Widerruf möglich, weil Ware benutzt!
Fakt ist: Wer mit einer übers Internet bestellten Kamera Fotos macht oder ein Kleidungsstück aus der Online-Boutique anprobiert, macht lediglich von seinem Recht Gebrauch, die Ware zu prüfen. Was ein Kunde in der Ankleidekabine darf, das darf auch ein Online-Kunde: Nämlich prüfen, ob das Kleid passt. Oder im Falle der Digicam: Im Laden kann ich in der Ausstellung ebenfalls testen, ob das Gerät meinen Anforderungen entspricht.

Insofern muss ein Online-Händler dem Kunden lt. Gesetz die Möglichkeit geben, die Ware innerhalb der Widerspruchsfrist zu prüfen. Wer allerdings mit dem Kleid erst auf eine Party geht und es dann zurückschickt, dürfte Schwierigkeiten bekommen. In solchen Fällen kann der Händler einen Wertersatz fordern, für den der Käufer aufkommen muss.

Für Furore sorgte übrigens ein BGH-Urteil zu diesem Thema aus dem Jahr 2010: Ein Kunde hatte für 1.265 Euro ein Wasserbett übers Internet gekauft, zuhause mit Wasser aufgefüllt und ausprobiert. Er war von dem Bett nicht überzeugt und wollte von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen. Der Internet-Shop behauptete, das Bett sei nach der Befüllung mit Wasser nicht mehr zu verkaufen und bot dem Käufer lediglich 258,- Euro als Restwert des Wasserbetts an. Schließlich landete der Rechtsstreit vor dem BGH: Dieser verdonnerte den Online-Shop schließlich zur Rücknahme des Wasserbetts gegen den vollen Kaufpreis.

Umtausch-Mythos Nummer 1: Reduzierte Waren sind immer vom Umtausch ausgeschlossen

Während des Schlussverkaufs liest man es in vielen Geschäften immer wieder: „Kein Umtausch von reduzierter Ware“
Tatsächlich können Geschäfte heruntergesetzte Artikel von ihrem freiwilligen Umtauschrecht ausschließen. Schließlich hat der Kunde ja keinen gesetzlichen Anspruch auf die Rückgabe von einwandfreien Produkten.

Anders verhält es sich aber, wenn die Ware sich zuhause als fehlerhaft entpuppt. In diesem Fall kann man die Ware selbstverständlich reklamieren – denn egal, ob reduziert oder nicht: Ist der gekaufte Artikel defekt, muss der Händler nachbessern oder ersetzen. Und da heruntergesetzte Produkte oft Restposten sind, stehen die Chancen nicht schlecht, dass man am Ende den Einkaufspreis zurückbekommt.

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