Angst vor dem Eurocrash: Ersparnisse auf Fremd-Währungskonto sichern?

Der Euro ist in der Krise. Viele Anleger denken daher darüber nach, ihr Geld in einer fremden Währung anzulegen: Schweizer Franken, norwegische Kronen oder gar US-Dollar und britische Pfund stehen derzeit bei den Anlegern hoch im Kurs. Doch lohnt sich ein Fremdwährungskonto überhaupt? Und sind die Ersparnisse im Fall eines Euro-Crash dann wirklich sicher? So viel scheint sicher: Wer in eine stabile Währung investiert, kann derzeit nur mit mageren Zinsen rechnen. Außerdem ist das Spiel mit der Fremdwährung durchaus riskant.

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Seitdem der Eurokurs auf Talfahrt ist, flüchten Anleger mit ihren Ersparnissen in fremde Währungen. Sie erhoffen sich durch die Anlage in stärkeren ausländischen Währungen höhere Gewinne und eine Absicherung, falls der Euro sich nicht erholen sollte. Die Angst vor Inflation und Zusammenbruch der Währung ist gerade in Deutschland ein heikles Thema. Schließlich ist die Erinnerung an Hyperinflation und Währungsreform vor bzw. nach dem II. Weltkrieg immer noch präsent. Damals verloren viele Sparer einen Großteil ihres Vermögens. Erst die D-Mark schaffte neues Vertrauen bei den Verbrauchern – die Deutschen wurden zu Sparweltmeistern. Der Euro hingegen gilt mittlerweile als Wackelwährung. Viele Sparer denken daher darüber nach, ihr Geld besser in Schweizer Franken zu investieren. Der Franken gilt vielen mittlerweile als „Ersatz-D-Mark“.

Mit Währungskonto vom schwachen Euro profitieren

Ein Fremdwährungskonto ist im Grunde ein Tagesgeldkonto, das in einer ausländischen Währung geführt wird. Der Kontoinhaber kann also jederzeit auf sein Geld zugreifen, ähnlich wie beim Tagesgeld. Dazu muss man sein Geld nicht etwa ins Ausland bringen. Zahlreiche Banken haben hierzulande Währungskonten im Angebot. Unter den Filialbanken zählen hierzu beispielsweise Deutsche Bank, Commerzbank oder HypoVereinsbank. Auch Direktbanken beiten ihren Kunden Fremdwährungskonten an. Darunter etwa Comdirect, Cortal Consors oder DAB Bank. Doch aufgepasst: Die Zinsen bei Währungskonten sind meist nicht üppig. Und: Je nach Bank und Währung unterscheiden sie sich deutlich.

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Je höher die Zinsen, desto höher das Risiko

Eigentlich sollte spätestens seit der letzten Finanzkrise jeder verstanden haben, dass hohe Gewinnversprechen immer auch das Risiko bergen, sein Geld zu verlieren. Das gilt auch für Geldanlagen in fremden Währungen. Beispiel: Südafrikanischer Rand (ZAR). Aktuell erscheint es recht profitabel, sein Geld in Rand anzulegen – schließlich gibt es dafür momentan bis zu drei Prozent Zinsen. Allerdings ist damit auch ein hohes Wechselkursrisiko verbunden. Denn der Kurs der südafrikanischen Währung schwankt mitunter recht stark – schließlich ist das Land stark von Rohstoffexporten abhängig. Sollte der Rand an Wert verlieren, bleibt von dem Zinsgewinn unter Umständen kaum etwas übrig. Dennoch sehen einige Experten Chancen darin, in Währungen von Schwellenländern zu investieren: So legte der Thailändische Baht (THB) in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Euro ordentlich zu. Ebenfalls positiv ist die Kursentwicklung des Südkoreanischen Won (KRW) verlaufen.

Kaum Zinsen bei stabilen Währungen

Bei stabilen Währungen wiederum gibt es bei Fremdwährungskonten in der Regel gar keine Verzinsung. Hierzu zählen etwa der Schweizer Franken (CHF), der US-Dollar (USD) oder das britische Pfund (GBP). Wer in diesen Währungen einen Zinssatz von 0,25 Prozent bekommt, kann fast schon von Glück sprechen. In den Ländern selbst herrschen meist deutlich höhere Zinssätze vor, allerdings ist es selbst im europäischen Ausland mit einigem Aufwand verbunden, als Nicht-Einwohner ein Konto zu eröffnen. Experten wie Sabine Münster von der Comdirect Bank raten ohnehin dazu, bei Anlagen in Fremdwährungen nicht auf Zinssätze zu setzen, sondern auf Kursgewinne. Besonders gefragt seien derzeit neben den Klassikern Schweizer Franken, US-Dollar und britisches Pfund auch die norwegische Krone. Analysten wie Martin Güth von der LBBW empfehlen aktuell die schwedische Krone, die norwegische Krone sowie den polnischen Zloty. Als besonders solide gelten dabei jedoch die skandinavischen Länder.

Fremdwährungskonto nur für erfahrene Anleger

Für Anlagen in Fremdwährungen gilt: So lange es dem Euro schlecht geht und ausländische Währungen aufgewertet werden, verdient man mit der Fremdwährung. Wenn der Euro hingegen aufgewertet wird, verliert der Anleger, der in Franken, Dollar oder Pfund investiert hat. Gerade aktuell wird deutlich, wie sehr Währungsanlagen hohen Kursschwankungen unterliegen können. Daher sollten nur erfahrene und risikobereite Anleger in Fremdwährungskonten investieren. Zwar ist die Kontoführung meist kostenlos, aber beim Verkauf der Devisen können Kosten anfallen – so etwa eine Gebühr für den Umtausch. Darüber hinaus werden bei Gewinnen noch 25 Prozent Abgeltungssteuer sowie möglicherweise Solizuschlag und Kirchensteuer hinzu.

Einlagensicherung gilt nur für Konten in EU-Währungen

Wenn die Bank zahlungsunfähig werden sollte,  greift die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von bis zu 100 000 Euro pro Kunde. Geschützt werden allerdings nur Konten in EU-Währungen, Schweizer Franken, norwegische Krone oder US-Dollar fallen also nicht darunter. Darüber hinaus sichern die Banken die Einlagen in EU- sowie Nicht-EU-Währungen durch weitere Sicherungsfonds. Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken besteht aus 180 Mitgliedern und deckt die Vermögen ab, die über die gesetzliche Mindestsumme hinausgehen (ab 1,5 Millionen Euro pro Kopf). Ein Haftungsverbund der deutschen Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen bietet einen hundertprozentigen Einlagenschutz. Das gilt ebenso für die deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Spar- und Darlehenskassen, PSD-Banken sowie SpardaBanken.

 

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