ARD und ZDF kündigen Kabelverträge: Kabel-TV bald ohne Eins Plus und ZDFneo?

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und Arte haben den Kabelnetzbetreibern Unitymedia und Kabeldeutschland die Einspeise-Verträge gekündigt. Wenn sich die Fernsehanstalten und die Kabelbetreiber bis zum Jahresende nicht einigen, werden die öffentlich-rechtlichen Spartenkanäle wie etwa Eins Plus oder ZDFneo wohl aus den Kabelnetzen verschwinden.

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ARD und ZDF wollen Ausgaben senken

Bereits Mitte Juni berichtete die Online-Ausgabe des Hamburger Abendblattes von Plänen der öffentlich-rechtlichen Sender, ihre Verträge mit den großen Kabelnetzbetreibern zu kündigen. ARD und ZDF hätten angekündigt, die Einspeisegebühren ins Kabelnetz, die immerhin 60 Millionen Euro jährlich betragen, nicht mehr zahlen zu wollen. Nach Informationen von Welt online sind die Kündigungen der Einspeise-Verträge nun von den Kabelnetzbetreibern bestätigt worden. Sowohl Kabel Deutschland als auch der Anbieter Unitymedia sowie dessen Tochterunternehmen Kabel BW haben dem Bericht zufolge Kündigungsschreiben von ARD, ZDF und Arte erhalten.

Keine Spartenkanäle mehr im Kabelnetz?

Zunächst die gute Nachricht: Selbst wenn ARD und ZDF keine Einspeise-Gebühren mehr an die Kabelnetze zahlen sollten, ist die Versorgung der Kabelkunden mit ARD und ZDF gesetzlich garantiert. Laut Gesetz sind die Kabelbetreiber nämlich verpflichtet, ARD und ZDF in ihr Netz einzuspeisen. Experten nennen das den Must-Carry-Status von ARD und ZDF. Auch für den jeweiligen Regionalsender der ARD gelte demnach der Must-Carry-Status. Nach Ansicht der Kabelnetzbetreiber gilt das aber nicht für die Einspeisung der digitalen Spartenkanäle der öffentlich-rechtlichen Sender. Die hochauflösenden HD-Kanäle von ARD und ZDF sowie deren Spartenkanäle wie etwa Eins Plus, ZDFneo oder ZDFinfo könnten also schon bald aus dem Kabelnetz verschwinden. Wenn es zu keiner Einigung im Streit über die Einspeisegebühren bis zum Jahresende geben sollte, sehen die Zuschauer ab dem 1.1.2013 bei Eins Plus, ZDFneo und ZDFinfo schwarz.

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[sam id=“30″ codes=“true“]Warum wollen ARD und ZDF keine Einspeisegebühren im Kabelnetz zahlen?

Bisher zahlten die öffentlich-rechtlichen Sender für die Einspeisung ihrer fast 20 Kanäle jährlich rund 60 Millionen Euro an die Kabelnetzbetreiber. Ab 2013 wollen ARD und ZDF diese Gebühren sparen. ZDF-Intendant Thomas Bellut sieht die Einspeisegebühr laut Medienberichten als historisch überholt an. Nach Ansicht des ZDF-Intendanten sei es nicht mehr zu rechtfertigen, dass Gebühren an Unternehmen gezahlt würden, die mit der Vermarktung des Programms gutes Geld verdienten. Tatsächlich zahlen etwa in den USA die Fernsehsender keinerlei Einspeisegebühren. Im Gegenteil: Dort zahlen die Kabelnetzbetreiber den Sendern Geld, um deren Programm in ihrem Netz anbieten zu können. Die deutsche Sonderregelung geht auf die 80er Jahre zurück, als die Bundesregierung den Ausbau des Kabelnetzes beschleunigen wollte. ARD und ZDF sehen diese Praxis jedoch als überholt an.

Kabelnetzbetreiber kritisieren Kündigungen von ARD und ZDF

Die großen Betreiber des deutschen Kabelnetzes kündigen harten Widerstand gegen das Vorgehen der Öffentlich-Rechtlichen an: Unitymedia-Chef Lutz Schüler sagte gegenüber Welt online, dass die Kabelanbieter die Sender von ARD und ZDF nicht übertragen müssten, wenn diese keine Kapazitäten bei den Netzbetreibern buchen. Dies gelte insbesondere für die kleinen Spartensender der ARD. Zugleich kritisierte Schüler, dass ARD und ZDF jährlich 274 Millionen Euro für den Betrieb des digitalen terrestrischen Fernsehens DVB-T ausgeben, welches nur von vier Prozent der Zuschauer genutzt werde.

Experten befürchten steigende Kabelgebühren

Der Streit zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und den Kabelbetreibern könnte nach Ansicht von Experten zu einer Verteuerung des Kabelfernsehens in Deutschland führen. Immerhin sind die Kabelgebühren im Vergleich zu anderen europäischen Ländern recht moderat. So zahlt man im europäischen Ausland zwischen 21,90 Euro (Österreich) und bis zu 50,99 Euro (Spanien) monatlich für den Kabelanschluss. In Deutschland liegen die Kabelgebühren zwischen 8,22 Euro pro Haushalt in großen Wohnanlagen und 18,90 Euro in Einfamilienhäusern, so das Hamburger Abendblatt. Wenn die Privatsender es den Öffentlich-Rechtlichen nachmachen sollten, müssten die Kabelbetreiber ihre höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben, was wiederum zu höheren Kabelgebühren führen könnte.

Allerdings hält sich der Spielraum der Kabelbetreiber für etwaige Preiserhöhungen im Rahmen. Inzwischen ist die Zahl der Konkurrenten zu groß, die keinerlei Einspeisegebühr verlangen und dennoch konkurrenzfähig sind. Neben dem digitalen Antennen- und Satellitenfernsehen sind das in erster Linie Anbieter von IPTV (Internet-Fernsehen) wie beispielsweise die Deutsche Telekom oder Vodafone. Zudem gibt es auch regionale Kabelgesellschaften, die von den Sendern keine Einspeisegebühr verlangen. Im Norden Deutschlands sind das beispielsweise die Norderstedter Wilhelm Tel und ihre Hamburger Tochter Willy Tel.

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