Osterurlaub 2013 Reisemängel

Bahnbrechendes Urteil des BAG: Mehr Urlaub für Jüngere im Öffentlichen Dienst

Urlaubs-Anspruch öffentlicher Dienst: Derzeit wird in vielen Bundesländern im öffentlichen Dienst für mehr Lohn gestreikt. Unterdessen fiel heute in Erfurt vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) ein für jüngere Arbeitnehmer sensationelles Urteil. Während bisher der Urlaub nach Altersklassen gestaffelt war, gilt künftig für alle Beschäftigten im Öffentlichen Dienst die selbe Urlaubszeit. Jüngere Beschäftigte erhalten daher ab sofort bis zu vier Urlaubstage mehr pro Jahr.

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Öffentlicher Dienst: Bis zu vier Tage mehr Urlaub pro Jahr

Heute haben alle unter 40-jährigen Beschäftigten im öffentlichen Dienst Grund zum Jubeln: Sie bekommen bis zu vier Tage mehr Urlaub pro Jahr.Bislang war der Jahresurlaub nach Altersklassen gestaffelt. Unter 30-Jährige hatten in der Regel 26 Urlaubstage, bis zum 40. Lebensjahr gab es dann 29 Tage und alle, die älter sind als 40 bekommen bisher 30 Urlaubstage. Bisher wurde diese unterschiedliche Behandlung mit einem gesteigerten Erholungsbedürfnis der älteren Arbeitnehmer begründet.

Dieser Argumentation widersprach nun das Bundesarbeitsgericht in Erfurt (BAG) mit seinem heutigen bahnbrechenden Urteil. Nach Ansicht der Richter des BAG diskriminiert diese Staffelung des Jahresurlaub die jüngeren Arbeitnehmer. Es ist für das Gericht nicht nachvollziehbar, warum den über 30- und über 40-Jährigen ein gesteigertes Erholungsbedürfnis zugesprochen werde, während die unter 30-Jährigen mit deutlich weniger Jahresurlaub auskommen müssen. Grundlage des heutigen Urteil ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das seit August 2006 in Kraft ist und bislang vor allem ältere Menschen vor Diskriminierung schützte.

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Über 800.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst profitieren vom Urteil

Geklagt hatte eine 40-Jährige Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die seit 1988 dort arbeitet. Sie wollte vom Gericht festgestellt haben, dass ihr in den Jahren 2008 und 2009, also bereits vor ihrem 40 Geburtstag über den tariflich für unter 40-Jährige vorgesehenen Jahresurlaub von 29 Arbeitstagen ein weiterer Urlaubstag pro Jahr zugestanden hat. Dem gab das BAG nun statt.

Das Urteil gilt ab sofort. Von den insgesamt 2,7 Millionen im öffentlichen Dienst beschäftigten Arbeitnehmer in Deutschland, könnten weit über 800.000 vom heutigen Urteil profitieren. Laut Schätzungen der Gewerkschaft Ver.di sind derzeit sogar bis zu 850.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst unter 40 Jahre alt. Die Frage „Wieviel Urlaub steht mir eigentlich zu?“ dürfte sich künftig für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst erübrigt haben. Alle bekommen ab sofort 30 Tage Jahresurlaub, unabhängig vom Alter. Unter 30-Jährige profitieren am meisten, sie bekommen fortan bis zu vier Urlaubstage pro Jahr mehr. Über 30-Jährige immerhin noch einen Tage mehr. Lediglich für die über 40-Jährigen bleibt es bei den 30 Tagen Jahresurlaub.

Ob das Urteil auch rückwirkend gilt, ist noch unklar und ob es nur für den Tarifvertrag im Öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen oder auch für den der Länder gilt. Ebenfalls unklar ist, wenn auch wahrscheinlich, ob es für weitere Einrichtungen des öffentlichen Rechts gilt, wie beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

(Bundesarbeitsgericht BAG, Az: 9 AZR 529/10)

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16 Kommentare

  1. Schöne Sache! Ich bin zwar mit meinen 38 Lenzen eh fast an der Grenze zur 40, aber in denn nächsten beiden Jahren freue ich mich über den Tag mehr Urlaub!!!! Ich habe die alte Regelung eh nie verstanden.

  2. Gert Kleinert

    Ausgerechnet die ohnehin nicht fleißigen sollen jetzt noch mehr Urlaub haben??? Unglaublich!!! Wollte letzte Woche meinen Ausweis verlängern lassen. Geschlagene zwei Stunden saß ich da, während die Damen und Herren vom öffentlichen Dienst schön gemütlich dahingearbeitet haben, natürlich ständig mit Päuschen und Pläuschen, auch hin und wieder ein Kaffee durfte nicht fehlen…

  3. Gert2Kleinert

    Herr Kleinert gleich mal wieder das Pseudoklischee des Angestellten/Beamten angesprochen. Alle wieder über einen Kamm geschoren. Dieses Stammtischgesäusel von Ihnen ist nicht mehr auszuhalten.

  4. Mit Sicherheit müsste den ab 60jährigen ein gesteigertes Erholungsbedürfnis zugestanden werden. Die jungen Leute werden das aber erst begreifen wie Vollarbeitszeit an die Substanz geht, wenn sie in diesem Alter sind. Gleichbehandlung um jeden Preis finde ich idiotisch.

  5. Krankenschwester

    Ich arbeite im öffentlichen Dienst, und es ist für die jungen Leute eine schöne Sache 4 Tage mehr Urlaub zu haben.
    Im prinzip muss man die jungen Leute in dieser Hinsicht unterstützen und auch zugestehen, denn man muss immer bedenken!!!!!

    z.B. Die jungen Leute werden in nicht all zu fernen Zukunft die älteren Leute pflegen und die, die sich jetzt über Gleichberechtigung beschwerden werden dankbar sein wenn sie vernünftig versorgt werden und sich gut aufgehoben fühlen!!!!!
    Durch die Schichtarbeit kommen auch die jungen Leute an ihre Belastungsgrenzen und dies geht auch in jungen Jahren an die Substanz und nicht nur in älteren Jahren!

  6. JungeAngestellte

    Sehr geehrte Frau Anita K., den jungen Beschäftigten nun noch diese 4 Tage zusätzlichen Urlaub zu neiden, finde ich nicht in Ordnung. Immerhin arbeiten wir auch ein paar Jährchen länger als die jetzige „ältere“ Generation und es kann doch nur förderlich sein diese Arbeitskraft durch Urlaub zu erhalten, denn die Renten wollen schließlich auch in Zukunft erarbeitet werden.

  7. Gilt das auch für Beamte?

  8. Krankenschwester

    Hallo Maria,
    wenn Du ein Beamter im öffentlichen Dienst bist, gilt dieser Beschluss auch für Dich.
    Lg Krankenschwester

  9. Gilt das auch für Mitarbeiter der Sparkassen?

  10. gilt das auch für azubis im öffentlichen dienst?

  11. Gut gemacht, nun haben wir über 40zig jährige nur noch 29 Tage Urlaub, weil zum Tarifabschluß der Urlaub für alle auf 29 Tage gesenkt wurde. War doch klar das es so kommt.

  12. @freisinger: Ganz so ist es nicht. Zunächst bleibt der Besitzstandsschutz; d.h. alle die bisher Anspruch auf 30 Tage hatten, behalten diese auch. Und: Unter Umständen geht der Abschluss so nicht durch, aus zwei Gründen: 1. hatte die Verhandlungskommision keinen Auftrag dieses Thema zu behandeln und 2. würde dieser Abschluss erneut eine Altersdiskrimminierung beinhalten. Lasst uns also erst mal einen (abgekühlten) Tee trinken, bevor wir so heisse Sachen schlucken.

  13. Wird der Urlaubsanspruch der Azubis jetzt zukünftig extra im TVAöD geregelt, oder bleibt es so wie gehabt, dass sie nach den Regeln des TVöD Urlaub bekommen?

  14. Über dieses Urteil bin ich sehr froh. Bin selbst 25 und seit 1,5 Jahren im Job. Dass man mit dem Alter aus irgendwelchen Gründen erhohlungsbedürftig ist, kann ich nachvollziehen. Warum aber jemand, der jünger ist, nicht genaus Erholung vom stressigen Arbeitsaltag benötigt, war für mich immer unverständlich. Besonders ist es für junge Arbeitnehmer aus meiner Sicht deshalb schwer, weil sie noch nicht auf so einen großen Erfahrungsschatz, wie die Älteren zurückgreifen können. Dinge, in denen man nicht geübt ist, die man erst neu lernen muss, sind sehr viel anstrengender.

  15. Ich arbeite nicht im öffentlichen Dienst, sondern als Angestellte.
    Nin ich ein anderer Mensch, als die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst?
    Ich habe nur 24 Tage Urlaub im Jahr und offensichtlich deutlich leistungsfähiger, denn demnach, wie hier geurteilt wurde, habe ich kein gesteigerten Erholungsbedürfnis!
    Wieso gibt es hier keine Gleichbehandlung?

  16. Ich finde das Gesetzt empörend, da wir 50+ nur noch 16 oder 18 Tage Urlaub bekommen und zwar der Teil der nicht bei BMW und Tarifvertragsarbeiten tätig ist!!!!

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