Barmer Pflegereport: Kurzzeitpflege wird schlechter

Seit fünf Jahren erscheint der Pflegereport der Barmer GEK bereits. Er soll die Pflegewirklichkeit in Deutschland abbilden. In diesem Jahr gibt es unter anderem Prognosen, wie schnell die Pflegebedürftigkeit ansteigt. Die gute Nachricht: Es ist zwar auch in Zukunft mit einer Zunahme der Zahl Pflegebedürftiger zu rechnen, jedoch schwächt sich das Tempo ab. Gleichzeitig werden im Pflegereport aber die erheblichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern deutlich.

Werbung

Kurzzeitpflege wird wichtiger aber immer schlechter

Wie der Pflegereport 2012 belegt, ist die Zahl der Kurzzeitpflegefälle deutlich stärker angestiegen als die Zahl der Langzeit-Pflegebedürftigen. Während sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den letzten 13 Jahren um rund 20 Prozent erhöhte, hat sich die Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege verdreifacht. Die Kurzzeitpflege gewinnt innerhalb des Pflegesektors damit an Bedeutung. Vor allem nach einem Krankenhausaufenthalt nimmt die Kurzzeitpflege zu. Während 1998 nur 12 Prozent der Fälle nach dem Krankenhaus in die Kurzzeitpflege gingen, waren es 2011 bereits 30 Prozent. Die Kurzzeitpflege wird außerdem bei der häuslichen Pflege häufiger in Ansprich genommen, um Angehörigen eine Auszeit, wie zum Beispiel einen Urlaub zu ermöglichen. Entsprechend ist die Nutzung in den Sommermonaten höher als im übrigen Jahr.

Leider geht die verstärkte Nutzung der Kurzzeitpflege laut dem Pflegereport einher mit einer immer schlechteren Zielerreichung. Erklärtes Ziel der  Kurzzeitpflege ist die Überwindung aktueller Krisen. Sie dient also zum Beispiel die Organisation der häuslichen Pflege nach einem Krankenhausaufenthalt oder der Erholung der pflegenden Angehörigen, um die häusliche Pflege langfristig sicherzustellen.

Werbung

Leider zeigen die Zahlen ein negatives Bild: Von 1998 bis 2011 ist nicht nur der Anteil der nach Kurzzeitpflege Verstorbenen von 11 Prozent auf 17 Prozent gestiegen, es hat sich im gleichen Zeitraum auch der Anteil der Pflegebedürftigen, die nach der Kurzzeitpflege vollstationäre Dauerpflege im Heim in Anspruch nehmen, von 18 Prozent auf 30 Prozent erhöht. Das sind aAlarmierende Zahlen für das deutsche Pflegesystem.

Männer verursachen nur die Hälfte der Pflegekosten

Schaut man auf die Verteilung der Gesamtlebenszeitkosten, so ergeben sich sehr starke Unterschiede was die Geschlechter angeht. Für pflegebedürftige Frauen ergeben sich durchschnittliche Pflegekosten in Höhe von insgesamt 84.000 Euro. Davon entfallen 39.000 Euro auf die Pflegeversicherung, und 45.000 Euro müssen privat getragen werden.

Für Männer sind die durchschnittlichen Pflegekosten mit insgesamt 42.000 Euro nur halb so hoch. Sie werden zu gleichen Teilen von der gesetzlichen Pflegeversicherung und privat getragen. Der Grund für den großen Unterschied liegt nach wie vor in der höheren Lebenserwartung der Frauen begründet. Damit einher geht eine längere Zeit in vollstationärer und kostenintensiver Pflege. Da sich die Lebenserwartung von Männern und Frauen aber immer weiter angleicht, dürften sich auch die Kosten bei den Männern in den nächsten Jahrzehnten langsam nach oben schrauben.

Teure Pflegeheime nur unwesentlich besser als günstige

Vergleicht man die Pflegenoten und die Preise der stationären Pflegeeinrichtungen, so kann ein eindeutiger und statistisch signifikanter Zusammenhang festgestellt werden: Ein höheres Entgelt geht mit einer besseren Note für die Pflegeeinrichtung
einher. Allerdings ist dieser Effekt sehr schwach.

Immerhin gilt dieser Zusammenhang für alle Bundesländer. Es lässt sich somit zwar sagen, dass ein höheres Entgelt die Chancen auf eine höhere Pflegequalität erhöht, jedoch sind die Effekte in der Pflege tatsächlich nur sehr gering. Dies liegt vor allem daran, dass die durchschnittlichen Noten der Pflegeeinrichtungen überwiegend „sehr gut“ ausfallen und diese sich bei niedrigeren Preisen eines Pflegeheims nur geringfügig verschlechtern.

Werbung

Check Also

Olivenöl-Test Stiftung Warentest

Olivenöl-Test 2017 der Stiftung Warentest

Der Testsieger im neuen Olivenöl-Test kommt von Aldi Nord. Die Stiftung Warentest hat insgesamt 24 …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.