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Sparkassen-Kunden bezahlen bald per Funk

Sparkassen-Kunden bezahlen bald per Funk

Kunden der Sparkassen werden schon bald wie von Geisterhand bezahlen können. Der Clou: Der Chip in der Bankkarte bezahlt im Supermarkt. Ab August soll es für viele Verbraucher soweit sein. Und wenn es nach dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband geht, werden alle deutschen Sparkassen am neuen System teilnehmen. Das würde bedeuten, dass die neue Bezahlmethode von jetzt auf gleich von Millionen Deutschen genutzt werden könnte. Das setzt den Handel und die übrige Bankenwirtschaft unter Druck, die neue und schnelle Bezahlmethode flächendeckend einzusetzen. Der Haken bei der Nummer: Der gläserne Kunde wird noch gläserner.

Neues System wird Zahlvorgänge enorm beschleunigen

Das neue Bezahlsystem funktioniert denkbar einfach: Ab August können Sparkassen-Kunden per Chip auf ihrer Girocard (ehemals EC-Karte) bezahlen: ohne Unterschrift und PIN-Nummer, quasi im Vorbeigehen. Die Karte muss nur kurz auf ein Lesegerät gehalten werden und schon ist der Einkauf bezahlt. Viele kennen das Prinzip schon von der Betriebs-Mensa oder von anderen Mitarbeiterkarten. Auch die Gastro-Kette “Vapiano” nutzt bereits ein ähnliches Verfahren. Das System ist außerdem bereits in Nordrhein-Westfalen im öffentlichen Nahverkahr im Einsatz. Kunden des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr können sich zum Beispiel in den Metropolen Düsseldorf, Essen und Dortmund bereits am schnellen Bezahlsystem erfreuen. Der Höchstbetrag beim neuen Sparkassen-Bezahlsystem liegt vorerst bei 20 Euro.

Der bundesweite Start des “Bezahlens per Funk” ist für August vorgesehen. Nach und nach werden dann alle der rund 45 Millionen Sparkassen-Karten ausgetauscht. Bis Ende des Jahres wird bereits mehr als ein Drittel ausgetauscht sein – gut 16 Millionen laut Schätzungen des Branchenverbands der deutschen Sparkassen. Bereits ab Mitte April startet  im Großraum Hannover-Braunschweig-Wolfsburg ein großangelegter Feldversuch. Die Niedersachsen werden sozusagen die Versuchskaninchen für das neue Bezahlsystem sein.

Geldkarte wird bisher kaum genutzt – neues System verspricht Durchbruch

Für den Sparkassen-Verband geht es auch um einen weiteren Versuch, der in Deutschland unpopulären Geldkarte mit dem goldenen Chip endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Die bisherigen Funktionen der Geldkarte haben sich nicht durchgesetzt, so dass viele Privatbanken ihre Girokarten wieder umgestellt haben und nunmehr gänzlich ohne Chip auskommen.

Die neuen Geldkarten werden daher noch einmal aufgerüstet. Und zwar mit der Near-Field-Communication-Funktechnik (NFC), zu deutsch Nah-Bereich-Datenaustausch. “Nah” bedeutet hierbei extrem nah. Die Geldkarte kann zwar im Portemonnaie verbleiben. Das Portemonnaie muss jedoch aus der Hosentasche geholt und kurz auf ein Lesegerät gelegt werden, das den fälligen Betrag dann abbucht. Für die Kunden entstehen dabei keine Kosten. Es werden sowohl die Karten nach und nach kostenlos ausgetauscht und auch der schnelle, automatische Bezahlvorgang wird nicht mit Zusatzkosten verbunden sein.

Als erste Großunternehmen werden die Tankstellenkette Esso, der Bücher-Filialist Thalia, die Süßwarenanbieter Hussel, sowie die Modegeschäfte der Appelrath-Cüpper-Gruppe das neue Bezahlsystem anbieten. Der Sparkassen- und Giroverband geht davon aus, dass auch Discounter, Drogeriemarktketten und die Automatenwirtschaft bis zum bundesweiten Start im August nachziehen werden. Immerhin hätte das neues System für Kunden als auch für den Handel selbst einen deutlichen Vorteil: Kürzere Warteschlangen.

Kritiker sehen Konsumverstärkung und mangelnden Datenschutz

Des einen Freud ist des anderen Leid. Dieser Spruch passt auch auf das neue Bezahlsystem. Hauptkritikpunkt ist, dass der gläserne Kunde künftig noch gläserner wird. Zwar macht das neue Bezahlsystem im Vergleich zum bisherigen Karten-Bezahl-System via PIN und Unterschrift datenschutz-technisch keinen Unterschied. Setzt sich das neue, sehr einfache System aber durch, könnten mehr und mehr Kunden auf den Geschmack kommen.

Auch höhere Ausgaben bei Kunden monieren die Kritiker. Bei Feldversuchen in den Fußballstadien der Bundesligisten “Bayer 05 Leverkusen” und “Mainz 05″ kam heraus, dass Kunden deutlich mehr konsumierten, weil das Bezahlen schneller ging und Schlangen nahezu ausblieben. Für den Handel verlockend – aus Verbrauchersicht zumindest bedenklich.

Sparkassen-Verband beschwichtigt: Es ändert sich nichts beim Datenschutz

Der Deutsche Sparkassen- und Giro-Verband hingegen beteuert, dass sich aus Sicht des Datenschutzes gar nichts ändert, zumindest nicht im Vergleich zu den herkömmlichen Bezahlverfahren via Karte. Es würden auch weiterhin keine Kundeninformationen, wie zum Beispiel Name, Adresse oder Kontostand an den Handel weitergegeben. Das neue Funk-System sei damit genauso sicher wie die bisherigen bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der neue Versuch der Sparkassen, ihrer unpopulären Chip-Geldkarte endlich zum Durchbruch zu verhelfen, von Erfolg gekrönt ist. Das umständliche Aufladen der Chipkarte an Terminals in den Banken oder im Handel soll nämlich nach ersten Informationen bestehen bleiben. Eine Direktabbuchung vom Girokonto wird es auch mit dem neuen System nicht geben. Wer aber vor dem Bezahlen noch seine Karte aufladen muss (Auflade-Limit: 200 Euro), könnte recht schnell die Lust verlieren, zumal man sich dann wahrscheinlich in kürzere, dafür aber in gleich zwei Schlangen anstellen muss.

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