Bezahlen per Funk: Heute bundesweiter Start für alle Kunden der Sparkasse

Kunden der Sparkassen können ab heute bargeldlos per Funk bezahlen. Das funktioniert über einen in der Sparkassen-Karte eingebauten Chip, der automatisch im Supermarkt oder an der Tankstelle bezahlt. Dies allerdings vorerst nur bei Beträgen bis zu 20 Euro. Bei höheren Rechnungen muss der Kunde weiterhin aktiv zustimmen. Wenn es nach dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband geht, dann sollen demnächst alle Banken folgen. Die heutige Einführung setzt den Handel und die übrige Bankenwirtschaft unter Druck, die neue und schnelle Bezahlmethode flächendeckend einzusetzen. Der Haken bei der Nummer: Der gläserne Kunde wird noch gläserner. Und es gibt erste Zweifel, ob das neue bargeldlose Bezahlen per Funk überhaupt sicher ist.

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Neues System soll Zahlvorgänge enorm beschleunigen

Das neue Bezahlsystem funktioniert denkbar einfach: Ab heute können Sparkassen-Kunden per Chip auf ihrer Girocard (ehemals EC-Karte) bezahlen: ohne Unterschrift und PIN-Nummer, quasi im Vorbeigehen. Dies allerdings nur, wenn ihre Karte bereits ausgetauscht wurde und über die neue Funk-Technologie verfügt. Alles anderen müssen erst einmal noch warten, bis ihre Sparkasse die Karte austauscht.

Die Karte muss nur kurz auf ein Lesegerät gehalten werden und schon ist der Einkauf bezahlt. Viele kennen das Prinzip schon von der Betriebs-Mensa oder von anderen Mitarbeiterkarten. Auch die Gastro-Kette „Vapiano“ nutzt bereits ein ähnliches Verfahren. Das System ist außerdem bereits in Nordrhein-Westfalen im öffentlichen Nahverkahr im Einsatz. Kunden des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr können sich zum Beispiel in den Metropolen Düsseldorf, Essen und Dortmund bereits am schnellen Bezahlsystem erfreuen. Der Höchstbetrag beim neuen Sparkassen-Bezahlsystem liegt vorerst bei 20 Euro.

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Heute ist der bundesweite Start des „Bezahlens per Funk“. In den nächsten Wochen und Monaten werden dann alle der rund 45 Millionen Sparkassen-Karten ausgetauscht. Bis Ende des Jahres wird bereits mehr als ein Drittel ausgetauscht sein – gut 16 Millionen laut Schätzungen des Branchenverbands der deutschen Sparkassen. Bereits ab Mitte April startete  im Großraum Hannover-Braunschweig-Wolfsburg ein großangelegter Feldversuch.

Wie sicher ist das Bezahlen per Funk?

Beim Bezahlen mit dem Funkchip reicht es den Geldbeutel zu zücken. Man muss die Karte nicht einmal herausnehmen. Genau darin, sehen Computer-Experten ein Sicherheitsproblem. Hacker könnten einfach quasi im Vorbeigehen Geld abbuchen, ohne dass es der Karteninhaber merkt. Auch wenn nur im besten Fall nur 20 Euro abgebucht werden könnten, öffne dies Betrügern geradezu die Türen zu den Konten der Betroffenen. Auch bei einem Diebstahl der Karte, könnten Betrüger ohne dass es vom Kassenpersonal kontrolliert würde, bezahlen, so die Kritiker weiter.

Die Sparkassen wehren sich gegen derlei Vorwürfe. „Der Abstand zu einem Gerät muss sehr gering sein“, so Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband gegenüber merkur-online. Ist der Geldbeutel weiter vom Lesegerät entfernt als 20 Zentimeter, funktioniere er bereits nicht mehr.  Den Vorwurf, Betrüger könnten bei einem Diebstahl der Karte ohne Kontrolle einkaufen, relativiert Roth: „Das ist individuell wie bei Bargeld. Der eine fühlt sich sicher, wenn er zehn Euro in der Tasche hat, der andere braucht immer 100“.  Beim Bezahlen mit dem Funkchip bleibt es jedem selbst überlassen, wie viel Guthaben er auf seine Chipkarte lädt.

[sam id=“41″ codes=“true“]Geldkarte wird bisher kaum genutzt – neues System soll für Durchbruch sorgen

Für den Sparkassen-Verband geht es auch um einen weiteren Versuch, der in Deutschland unpopulären Geldkarte mit dem goldenen Chip endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Die bisherigen Funktionen der Geldkarte haben sich nicht durchgesetzt, so dass viele Privatbanken ihre Girokarten wieder umgestellt haben und nunmehr gänzlich ohne Chip auskommen.

Die neuen Geldkarten werden daher noch einmal aufgerüstet. Und zwar mit der Near-Field-Communication-Funktechnik (NFC), zu deutsch Nah-Bereich-Datenaustausch. „Nah“ bedeutet hierbei extrem nah. Die Geldkarte kann zwar im Portemonnaie verbleiben. Das Portemonnaie muss jedoch aus der Hosentasche geholt und kurz auf ein Lesegerät gelegt werden, das den fälligen Betrag dann abbucht. Für die Kunden entstehen dabei keine Kosten. Es werden sowohl die Karten nach und nach kostenlos ausgetauscht und auch der schnelle, automatische Bezahlvorgang wird nicht mit Zusatzkosten verbunden sein.

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Kritiker sehen Konsumverstärkung und mangelnden Datenschutz

Des einen Freud ist des anderen Leid. Dieser Spruch passt auch auf das neue Bezahlsystem. Neben der vermeintlich mangelhaften Sicherheit ist Hauptkritikpunkt, dass der gläserne Kunde künftig noch gläserner wird. Zwar macht das neue Bezahlsystem im Vergleich zum bisherigen Karten-Bezahl-System via PIN und Unterschrift datenschutz-technisch keinen Unterschied. Setzt sich das neue, sehr einfache System aber durch, könnten mehr und mehr Kunden auf den Geschmack kommen.

Auch höhere Ausgaben bei Kunden monieren die Kritiker. Bei Feldversuchen in den Fußballstadien der Bundesligisten „Bayer 05 Leverkusen“ und „Mainz 05“ kam heraus, dass Kunden deutlich mehr konsumierten, weil das Bezahlen schneller ging und Schlangen nahezu ausblieben. Für den Handel verlockend – aus Verbrauchersicht zumindest bedenklich.

Sparkassen-Verband beschwichtigt: Es ändert sich nichts beim Datenschutz

Der Deutsche Sparkassen- und Giro-Verband hingegen beteuert, dass sich aus Sicht des Datenschutzes gar nichts ändert, zumindest nicht im Vergleich zu den herkömmlichen Bezahlverfahren via Karte. Es würden auch weiterhin keine Kundeninformationen, wie zum Beispiel Name, Adresse oder Kontostand an den Handel weitergegeben. Das neue Funk-System sei damit genauso sicher wie die bisherigen bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der neue Versuch der Sparkassen, ihrer unpopulären Chip-Geldkarte endlich zum Durchbruch zu verhelfen, von Erfolg gekrönt ist. Das umständliche Aufladen der Chipkarte an Terminals in den Banken oder im Handel soll nämlich nach ersten Informationen bestehen bleiben. Eine Direktabbuchung vom Girokonto wird es auch mit dem neuen System nicht geben. Wer aber vor dem Bezahlen noch seine Karte aufladen muss (Auflade-Limit: 200 Euro), könnte recht schnell die Lust verlieren, zumal man sich dann wahrscheinlich in kürzere, dafür aber in gleich zwei Schlangen anstellen muss.

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