Bundesverwaltungsgericht bestätigt: Kirchenaustritt ganz oder gar nicht

Beim Kirchenaustritt akzeptiert die deutsche Bischofskonferenz keine halben Sachen. Wer keine Kirchensteuer mehr zahlen möchte, muss auch auf fast alle Rechte eines Kirchenmitglieds verzichten.  Der Kirchensteuer-Rebell Hartmut Zapp hat gegen diese Praxis gekämpft. Doch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied heute im Streitfall zwischen dem Freiburger Theologen Hartmut Zapp und dem Erzbistum Freiburg für die Kirche: Wer aus der Kirche austritt, kann von der Kommunion ausgeschlossen werden.

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Die Kirchenaustritte in Deutschland werden von Jahr zu Jahr mehr. Im Jahr 2011 traten rund 126.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Einige sind mit den Moralvorstellungen der Kirche nicht einverstanden, andere möchten sich schlichtweg die Kirchensteuer sparen. Die Kirchensteuer beschert den Kirchen Einnahmen in Milliardenhöhe. Daher sind die Austritte für die Kirchen vor allem auch ein finanzielles Problem.

Doch verliert man mit dem Kirchenaustritt auch das Recht auf Kommunion, kirchliche Trauung und Beerdigung? Der Theologe Hartmut Zapp hatte im Jahr 2007 seinen Austritt aus der „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ erklärt. Und betonte dabei, dass er sich der Glaubensgemeinschaft weiterhin zugehörig fühlt.

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Kirche akzeptiert keinen halben Kirchenaustritt

Die katholische Kirche sieht das anders: Ein Kirchenaustritt sei „eine willentliche und wissentliche Distanzierung von der Kirche“ und „eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft“, so die deutsche Bischofskonferenz. Wer austritt, verwirkt sämtliche Rechte. Das bedeutet im Einzelnen: Ausschluss von der Kommunion, Verweigerung der kirchlichen Trauung oder Beerdigung, keine Teilnahme in kirchlichen Gremien. Schließlich erkläre der Ausgetretene ja selbst, dass er mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wolle, so die Bischöfe. Immerhin sei die Verwirkung dieser Rechte nicht mit der Exkommunikation gleichzusetzen, so das Dekret der Bischöfe. Man kann etwa weiterhin Gottesdienste besuchen ohne die Kommunion zu empfangen.

Kirchensteuer-Rebell verliert Streit gegen Bistum

Hartmut Zapp ist dennoch anderer Meinung: Allein schon durch die Taufe sieht er sich als Mitglied der Kirche, unabhängig davon, ob das Finanzamt von ihm Kirchensteuer einzieht oder nicht. Als Theologe weiß er, dass es kirchenrechtlich keinen Austritt aus der Kirche gibt. Man könne sich höchstens von der Kirche lossagen, indem man zentrale Glaubenswahrheiten bestreitet. In Zapps Fall treffe das aber nicht zu. Der gläubige Katholik hat ums Prinzip gekämpft – und verloren.

 

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