Das ändert sich 2012 für Verbraucher: Ernährung

Das neue Jahr bringt für Verbraucher einige Änderungen mit sich – auch in Sachen Ernährung. Worauf Diabetiker und Allergiker sich einstellen sollten und was sich in der Nahrungsmittel-Produktion und in den Supermärkten sonst noch ändert, erfahren Sie in unserer Neujahrs-Serie: Das ändert sich 2012

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Keine irreführende Werbung für Functional Food

Lebensmittel, die von der Industrie als besonders gesundheitsfördernd angepriesen werden, gibt es massenweise: Probiotische Joghurts sollen die Verdauung ankurbeln, spezielle Brotaufstriche senken angeblich den Cholesterinspiegel und gewisse Fette können sogar Kinder schlauer machen – behauptet zumindest die Werbung. Ernährungsexperten prangern diese Werbeaussagen schon lange an, weil sich ihrer Meinung nach die gesundheitsfördernde Wirkung vieler dieser Produkte nur in der Theorie oder allenfalls im Laborversuch nachweisen lässt. Dies hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass bei mehr als 80 Prozent dieser Gesundheitsversprechen (Health Claims) ein wissenschaftlicher Nachweis nicht erbracht wurde.

Daher soll nach dem Willen der EU 2012 Schluss sein mit irreführenden Werbeaussagen zu solchen Lebensmitteln. Im Laufe der ersten Jahreshälfte eine verbindliche Liste mit erlaubten Werbeaussagen veröffentlicht werden. Health Claims, die nicht auf der Liste stehen, dürfen dann nach spätestens einem halben Jahr EU-weit nicht mehr benutzt werden.

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Diabetiker-Lebensmittel werden verboten

Diät-Schokolade, zuckerfreie Kekse und sogar Eiskrem mit Fruktose sollen Diabetikern das Naschen leichter machen – das meinte bislang jedenfalls die Nahrungsmittel-Industrie und hat sich für diese Zielgruppe eine breite und vor allem teure Palette an Diabetiker-Lebensmitteln ausgedacht. Doch die Diabetiker-Regale in den Supermärkten dürften sich im Herbst 2012 leeren.

Ab dem 9. Oktober 2012 dürfen nämlich keine Lebensmittel mehr in den Handel gebracht werden, die den Hinweis zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus tragen. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft gelten für Diabetiker die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wie für die allgemeine Bevölkerung auch. Die diätischen Lebensmittel, die vor dem 9. 10. 2012 in den Handel gekommen sind, dürfen aber noch über diese Frist hinaus abverkauft werden.

Einheitliche Kennzeichnung von Glutenfreien Lebensmitteln

Zöliakie wird mittlerweile als Volkskrankheit eingestuft. Die Betroffenen haben es aber immer noch schwer, auf eine Glutenfreie Ernährung umzusteigen, da viele Produkte gar nicht oder nur unzureichend gekennzeichnet sind. Für mehr Transparenz sorgt seit dem 1. 1. 2012 eine EU-Regelung, die eine einheitliche Kennzeichnung vorsieht.

Demnach dürfen Lebensmittel den Hinweis mit sehr niedrigem Glutengehalt nur dann tragen, wenn der Glutenanteil bei maximal 100 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel liegt. Als Glutenfrei dürfen nur Nahrungsmittel bezeichnet werden, bei denen der Glutenanteil bei maximal 20 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel liegt.

Europäisches Bio-Logo wird verbindlich

EU-Bio-Logo
Ab dem 1. Juli 2012 EU-weit verbindlich: Das Bio-Logo der Europäischen Union

Nach einer zweijährigen Einführungszeit wird am 1. Juli 2012 das europäische Logo für Bio-Lebensmittel verbindlich. Demnach müssen alle in der EU ökologisch hergestellten und abgepackten Lebensmittel das neue Logo tragen.

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Für das deutsche Bio-Siegel, das bereits seit über zehn Jahren in Deutschland Bio-Produkte kennzeichnet und mittlerweile bei vielen Verbrauchern bekannt und etabliert ist, ändert sich nichts. Das deutsche Bio-Siegel kann weiterhin neben dem Bio-Logo der Europäischen Union verwendet werden. Es ist anzunehmen, dass die meisten deutschen Bio-Hersteller diese Möglichkeit nutzen werden.

Süßstoff Stevia auf dem Vormarsch

Bereits im November 2011 wurde der alternative Süßstoff Stevia (Steviol-Glycosid, der bislang nur als Kosmetikzusatz verkauft wurde, in der EU als Lebensmittelzusatz (E 960) zugelassen (Verbraucher-Papst berichtete). Seitdem kündigen immer mehr Lebensmittel-Produzenten an, von traditionellen Süßstoffen auf Stevia umzustellen. In den kommenden Monaten werden aller Voraussicht nach die ersten kalorienreduzierten Softdrinks, aber auch Joghurts, Eis und Kakao mit dem neuen Süßstoff auf den Markt kommen.

Ein österreichischer Fruchtsafthersteller wird bereits im Januar Produkte mit Stevia auf den Markt bringen: zunächst ein Erfrischungsgetränk aus grünem Tee, das in Filialen der REWE group vertrieben werden soll. Den großen Durchbruch prophezeien Experten dem Süßstoff Stevia aber erst, wenn Großkonzerne wie Coca Cola es in ihren Limonaden einsetzen. Lt. EU-Verordnung dürfen maximal 30 Prozent des Zuckers mit Stevia ersetzt werden.

Kennzeichnung für Energy-Drinks

Sie sind süß, aufputschend und werden gerade von jungen Menschen gerne für alkoholische Mixgetränke verwendet: Energy-Drinks, die zum Teil sehr hohe Mengen an Taurin, Koffein und anderen belebenden Inhaltsstoffen haben. Per Rechtsverordnung sollen Anfang 2012 per Rechtsverordnung Höchstmengen dieser Inhaltsstoffe in Energy-Drinks festgelegt werden. Außerdem soll es erweiterte Kennzeichnungs-Anforderungen für ausgeschenkte Erfrischungsgetränke mit erhöhtem Koffeingehalt geben.

Dies soll die Zweite Verordnung zur Änderung der Fruchtsaftverordnung regeln. Sie soll schon bald in den Bundesrat gehen und nach dessen Zustimmung wahrscheinlich schon Anfang 2012 in Kraft treten.

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2 Kommentare

  1. „Den großen Durchbruch prophezeien Experten dem Süßstoff Stevia aber erst, wenn Großkonzerne wie Coca Cola es in ihren Limonaden einsetzen. Lt. EU-Verordnung dürfen maximal 30 Prozent des Zuckers mit Stevia ersetzt werden.“

    Coke Zero hat gar keinen 0,0% Zucker und damit dürfte 100% des momentan verwendeten Süßstoffes gegen Stevia ausgetauscht werden, oder sehe ich das falsch? Was soll diese blödsinnige 30%-Regel? Die gab es doch bisher nicht bei Süßstoffen.

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