Dispobremse-Dispozinsen-Test

Dispozinsen-Test: Wann kommt endlich die Dispo-Bremse?

Der aktuelle Dispozinsen-Test der Zeitschrift Finanztest verleiht der Forderung nach einer Dispo-Bremse eine fundierte Grundlage. Seit Monaten leihen sich die deutschen Banken von der EZB Geld zu einem Spottpreis. Doch anstatt diesen Zinsvorteil an die Verbraucher weiterzugeben, verdienen die Banken mit Dispozinsen ordentlich Geld. Für die Überziehung des Girokontos verlangen deutsche Banken im Schnitt 11,31 Prozent, sagt die Stiftung Warentest. Und Dispozinsen von mehr als 13 Prozent sind keine Seltenheit, so der Test. Vor allem Bankkunden, die den Girokonten-Wechsel scheuen und bei ihrer regionalen Bank oder Sparkasse bleiben, werden für ihre Treue mit hohen Dispozinsen bestraft. Sind sie also selbst schuld?

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Für die Banken ist die Wechselträgheit der Verbraucher ein lukratives Geschäft: Schätzungsweise 390 Millionen Euro verdienen die Kreditinstitute jährlich mit Dispozinsen, so die Experten der Stiftung Warentest. Die Zeche zahlen die Bankkunden, die oft genug den Zinssätzen ihrer Banken ausgeliefert sind. Der Ruf einiger Oppositions-Politiker nach einer Dispo-Bremse erhält durch den aktuellen Dispozinsvergleich zusätzlich Futter. Doch Verbraucherschützer bezweifeln, dass sich die Banken in ihre eigene Zinspolitik reinreden lassen. Jüngste Statements der Bundesregierung machen deutlich: Mit Schwarz-Gelb wird es eine Dispo-Bremse nicht geben. Dabei wäre sie dringend nötig.

Hohe Dispozinsen trotz EZB-Niedrigzinsen

Eigentlich geht es den Banken im Jahr 2013 wieder ziemlich gut. Dank verschiedener Rettungspakete aus Steuergeld und Garantien der Bundesregierung ist die Kreditwirtschaft in Deutschland wieder obenauf. Von Finanzkrise keine Spur. Dumm nur, dass ausgerechnet diejenigen diesen Aufschwung finanzieren, die von der aktuellen Niedrigzins-Phase nichts haben: Die Kleinsparer und Kleinverdiener bekommen lächerliche Guthabenszinsen für ihre mickrigen Ersparnisse, während Verbraucher mit mittleren und höheren Einkommen in Wohneigentum und ihre Schäfchen mittels günstiger Immobilienkredite ihre Schäfchen ins Trockene bringen.

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Dass die deutsche Wirtschaft floriert, während sich der restliche Euro-Raum nur langsam von der Rezession erholt, hängt auch mit der hohen Binnen-Nachfrage in Deutschland zusammen. Die Deutschen konsumieren lieber als ihr Geld zu Niedrigzinsen auf die hohe Kante zu legen. Und auch Kleinverdiener haben an der Konsumlust Geschmack gefunden: Egal ob Flachbildfernseher, Smartphone oder Tablet-PC – der Dispokredit macht’s möglich, für kurze Zeit über seine Verhältnisse zu leben. Doch der Preis dafür ist hoch.

Kleinverdiener durch hohe Dispozinsen besonders betroffen

Wer nur über ein geringes Einkommen verfügt, ist besonders gefährdet, durch einen Dispokredit in die Schuldenfalle zu geraten. Vorbei die Zeiten, als eine Null auf dem Girokonto Grund zur Sorge war – schließlich wird ein Guthaben ja nur miserabel verzinst. Viele Banken nutzen diese Situation aus, indem sie übertrieben hohe Dispozinsen verlangen und somit ihre Kunden zu Dispo-Sklaven machen. Dabei ist eines klar: Wer sein Konto permanent im Minus hält, verschenkt unnötig Geld.

Kleinkredit statt Dispo

Schon bei einem Dispokredit von 2.000 Euro fallen bei einem Zinssatz von 13 Prozent jährlich mehr als 260,- Euro Dispozinsen an. Dabei könnten Verbraucher viel Geld sparen, wenn sie ihren Dispokredit mit einem Privatdarlehen zurückzahlen würden und in Zukunft die Finger vom Dispokredit ließen. So bieten viele Banken Privatdarlehen schon zu Zinssätzen zwischen 5 und 6 Prozent an, wie beispielsweise die Deutsche Kreditbank DKB. Gleicht man so den Dispokredit von 2.000 Euro mittels Privatdarlehen aus, kann man leicht mehr als 160,- Euro im Jahr sparen. Vorausgesetzt, man lässt sich nicht erneut vom Dispo verführen.

Politik droht mit Dispo-Bremse

Auch die Politik steht in der Verantwortung, ihre Bürger vor Überschuldung zu schützen. Denn Dispozinsen von mehr als 13 Prozent können in der aktuellen Niedrigzinsphase durchaus als Wucher bezeichnet werden. In Wahlkampf-Zeiten kommen aus den beiden großen politischen Lagern mehr oder weniger deutliche Forderungen nach einer Dispo-Bremse, um die Maßlosigkeit vieler Banken einzudämmen. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück droht den Banken mit der Festlegung einer Zinsobergrenze während Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) immerhin faire und transparente Zinskonditionen fordert. Und einige Banken haben mittlerweile reagiert und ihre Dispozinsen an Referenzwerte gekoppelt. Doch das ist längst nicht die Regel. 80 Prozent der Verbraucher sind der Meinung, dass die Dispozinsen unangemessen hoch sind und die Stiftung Warentest spricht gar von Dispo-Abzocke. Den hohlen Phrasen aus dem Wahlkampf sollten endlich Taten folgen – schließlich haben die Verbraucher die Sanierung der Banken lange genug mitfinanziert.

Der aktuelle Dispozinsen-Test erscheint in der aktuellen Ausgabe (09/2013) der Zeitschrift Finanztest oder ist gegen Gebühr online abrufbar unter www.test.de. Die Dispokonditionen (Stand 1.7.2013) aller untersuchten Kreditinstitute finden Sie unter www.test.de/dispo.

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