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Energiearmut in Deutschland: 600.000 Haushalte ohne Strom

Immer mehr Verbraucher in Deutschland können sich Strom und Gas nicht mehr leisten, meldet die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Schätzungsweise 600.000 Haushalte in Deutschland bekommen jedes Jahr den Strom abgedreht, so die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Verbraucherschützer. „Früher war Energiearmut ein Randphänomen, doch mittlerweile ist es für viele ein Alltagsproblem geworden“, so Klaus Müller von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber der Welt am Sonntag. Und noch schlimmer: Mittlerweile haben zwischen 10 und 15 Prozent der Bevölkerung Schwierigkeiten, ihre Strom- und Gasrechnungen zu bezahlen.

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Trotz Wirtschaftsboom steigt die Energiearmut

Energiearmut war bis vor Kurzem ein Begriff, der in erster Linie ein Phänomen in der Dritten Welt beschreibt: Der fehlende oder stark eingeschränkte Zugang zu Energie wie etwa elektrischem Strom. Seitdem die Stromkosten in Deutschland so extrem steigen wie selten zuvor, muss die Definition des Wortes Energiearmut jedoch ausgeweitet werden: Immer häufiger haben Menschen auch hierzulande keinen Zugang zu Energie – weil sie es sich schlichtweg nicht leisten können.

2005 lag der Strompreis im Durchschnitt bei 18,2 Cent pro Kilowattstunde. Mittlerweile sind es je nach Anbieter rund 26 Cent. Bei einem Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden können so mehr als 1000 Euro Stromkosten jährlich anfallen. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Auch im Jahr 2012 erhöhen die Stromversorger ihre Preise kontinuierlich weiter.

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So meldet das Verbraucherportal Toptarif, dass rund 420 Grundversorger seit Januar ihre Strompreise im Schnitt um 3,5 Prozent erhöht haben. Das sind je nach Haushaltsgröße und Region Mehrkosten von mehr als 150 Euro im Jahr. In den kommenden Monaten wollen 30 weitere Stromanbieter ihre Preise um fast 5 Prozent erhöhen. Wird Strom bald zum Luxusgut in Deutschland? Gerade in niedrigen Einkommensschichten „schlagen die steigenden Stromkosten voll durch“, sagt Ulrike Mascher vom Sozialverband VdK gegenüber dem Handelsblatt und kritisiert die Bundesregierung. Diese habe „die soziale Dimension der Energiewende nicht im Blick“.

Ist die Energiewende schuld an steigenden Stromkosten?

[sam id=“4″ codes=“true“]Entgegen der landläufigen Meinung ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht der Hauptgrund für die steigenden Energiepreise. Seit Inkrafttreten des EEG im Jahr 2000 ist die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien deutlich geringer gestiegen als der Strompreis. So lag die EEG-Umlage bis 2010 bei 2 Cent, seitdem ist die Umlage allerdings auf knapp 3,6 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Auch die Abschaltung von acht Atomkraftwerken kann nach Ansicht von Experten nicht der Grund für die steigenden Energiekosten sein: Schließlich seien trotz der AKW-Abschaltungen die Beschaffungskosten für Strom gesunken. Stattdessen sehen Energieexperten den Hauptgrund für die steigenden Stromkosten in den erhöhten Gebühren für die Netznutzung.

Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit hohem Stromverbrauch von neuen Befreiungsregelungen: So sind viele dieser energie-intesiven Unternehmen teilweise oder sogar ganz von der Ökostrom-Umlage oder Netzentgelten befreit. Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag wirft der Regierung Klientelpolitik auf Kosten der Bevölkerung vor: „Schwarz-Gelb hat stromintensive Betrieben bei den Netzentgelten massiv entlastet – dieser Einnahmeausfall treibt die Kosten für Verbraucher und Mittelstand in die Höhe“ sagte Künast der Welt am Sonntag. Die daraus resultierenden sozialen Schieflagen seien ihrer Meinung nach bewusst organisiert.

Was können Verbraucher gegen steigende Energiekosten tun?

Laut Bundesregierung könnten die deutschen Verbraucher Energiekosten in Milliardenhöhe sparen, wenn sie allein schon den Stromanbieter wechseln. Immer noch erhalten die meisten Haushalte in Deutschland vom regionalen Grundversorger – dabei ist dieser oft längst nicht der günstigste Stromanbieter. In einigen Regionen ist der Grundtarif der Stadtwerke sogar teurer als Ökostrom! Auch beim Gasanbieter kann ordentlich gespart werden. Stromrechner und Gasrechner im Internet helfen dabei, den günstigsten Anbieter zu finden. Energieberater empfehlen, monatlich den Stromverbrauch zu überprüfen und zu notieren. So behält man den Überblick über den eigenen Stromverbrauch und kann sich rechtzeitig auf eine Nachzahlung vorbereiten.

Hier noch einige klassische Energiespar-Tipps, die jeder schon einmal gehört hat, aber immer wieder vergisst:

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  • Elektrogeräte nicht im Standby-Modus laufen lassen
  • Stromsparende Glühbirnen benutzen
  • Waschmaschine bei maximal 60° laufen lassen
  • Beim Kochen Resthitze der Herdplatte nutzen
  • Kühlschrank regelmäßig abtauen
  • Stoßlüften statt Kipplüftung
  • Heizung regelmäßig entlüften

Haben Sie originelle Tipps zum Energiesparen? Dann schreiben Sie uns und lassen Sie andere Leser von Ihren Ideen profitieren!

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3 Kommentare

  1. Hallo,

    […]Schätzungsweise 600.000 Haushalte[…] habt ihr Berlin auf das Bundesgebiet hochgerechnet? Das würde bei nur 40 mio Haushalten doch auffallen.
    Des weiteren ist das nicht das Problem der Energieanbieter, wenn die Regierung die Hartz 4 Sätze nicht entsprechend angleicht. Jeder muss seine Energierechnung bezahlen.
    Am Ende dürfen die „normalen“ Verbraucher wieder die Rechnung derer die nicht Zahlen mittragen.
    Über die steigenden Energiekosten sollte man sich nach der jüngsten Energiepolitik (nein, nicht nur der Atomausstieg) der Regierung nicht wundern. Die Gewinnspanne der Energieanbieter ist dadurch sicherlich nicht gestiegen.

  2. Wenn ich den Kommentar vor mir hier lese muss ich mich doch wirklich wundern:
    Seit mehr als 15 Jahren haben wir in Deutschland eine sozial-feindliche Politik, die mittlerweile zu einem regelrechten Sozialrassismus geführt hat, der auch aus dem Kommentar von arnesson herauslesbar ist. Todtraurig ist das. Die Konzerne haben sich eine goldene NAse verdient in dieser Zeit, insbesondere die Energiekonzerne, die auch noch auf ihrem Monopol sitzen und dennoch nicht einmal Scham bei der Tatsache empfinden, der Preistreiber Nummer Eins zu sein. Früher wurden diesbezüglich soziale Programme zum Ausgleich gestartet und es gab gesetziche Schutzmassnahmen, die zum Beispiel Mütter mit kleinen Babys oder Pflegefälle davor schützten, dass man ihnen einfach den Stromn abdrehen kann weil niemand sich zuständig fühlt für die Kosten, welche nur deshalb so hoch sind, weil sich wiederum keine Lobby für die Verbraucher einsetzt und seit Jahren das Klientel Energieriese bedient wird im Bundestag.
    Mittlerweile kommt auf Meldungen wie diese schon nur noch so eine Antwort wie oben der ähnlich, frei nach dem Motto : „Wer arm ist muss in irgendeiner Form selber schuld sein.“
    Das ist für ein reiches Land wie unseres wirklih erbärmlich, diese Einstellung macht mir eine Gänsehaut, ist doch das Mitgefühl mit anderen nicht nur christlich sondern auch noch das Einzige, das uns in positiver Art und Weise vom Tier unterscheidet.

    Wir sollten wieder zurück finden zu einem menschenwürdigen Umgang mit Menschen sonst wird es in nicht allzu ferner Zukunft hier Zustände geben die wir nur aus anderen Ländern kennen und die die hier am lautesten danach geschrieen haben, dass jeder doch für seinen eigenen Kram gradestehen soll werden sich wünschen, sie hätten noch einmal die Chance mit sozialem Engagement die Gesellschaft zu verbessern anstatt zuzusehen, wie weiter alle verrohen!!!

  3. Wie schnell doch in diesem Land das Wort Rassismus fällt, zeigt wer den Hals nicht voll bekommt. In kaum einem anderen Land wird so darauf geachtet, das niemand durch das Raster fällt. Wenn jemand entsprechende Zuwendungen bekommt, die der brav arbeitende Bürger jeden Monat mit schrecken in den Augen auf der Lohnsteuerabrechnung sieht, sollte man sich nicht beschweren. Vor allem wenn man gut neuen Stunden länger daheim gemütlich Strom verbrauchen kann.

    Sozial ist anders.

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