EU: Elektrogeräte dürfen nicht mehr in den Müll

Kaputte Fernseher, alte Handys, durchgebrannte Toaster. Bisher flog das alles in die Restmülltonne oder kam auf den Sperrmüll. Damit soll nun Schluss sein. Die EU will Elektrogeräte künftig besser recycelt wissen. Die geplanten Maßnahmen haben aber weniger mit Umweltschutz zu tun. Viel mehr geht es der EU um die kostbaren Rohstoffe, die in den Elektrogeräten stecken. Kupfer, Nickel, Silber, Gold, Palladium, Tantal – es gibt fast kein Edelmetall, das nicht im Elektroschrott zu finden ist. In Zeiten von zunehmender Rohstoffknappheit und hohen Rohstoffpreisen ist die Verschwendung von Edelmetallen nicht mehr hinzunehmen. Das Europaparlament hat daher heute eine neue Recyclingrichtlinie beschlossen.

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Jedes Jahr landet kiloweise Gold auf der Mülldeponie

Laut Berechnungen der EU stecken in einer Million Handys insgesamt 9 Tonnen Kupfer, 250 Kilo Silber und sogar 24 Kilo Gold. Dies auf der Mülldeponie zu lagern, macht ökonomisch wie ökologisch keinen Sinn. Künftig soll daher doppelt so viel Elektroschrott recycelt werden wie bisher. Statistisch gesehen produziert jeder Europäer 20 Kilogramm Elektroschrott pro Jahr, 4 Kilo davon sollten nach der bisherigen EU-Richtlinie wiederverwertet werden. Zu wenig, so die EU. Schweden schafft derzeit bereits eine sensationelle Recycling-Quote von 16 Kilo und selbst Deutschland noch 8,5 Kilo.

Die neue EU-Richtlinie ist etwas komplizierter. Es geht nicht mehr um Kilogramm pro Kopf, sondern um Prozent der verkauften Neugeräte. Damit sinkt die Recyclingquote für ärmere EU-Mitgliedstaaten, was gerecht erscheint. Die Recyclingquote steigt in zwei Schritten. Ab 2016 sollen 45 Prozent recycelt werden und ab 2019 sogar rund 65 Prozent der verkauften Neugeräte oder alternativ 85 Prozent der gesamten Elektroschrott-Abfallmenge.

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Recyceln soll für Verbraucher nicht komplizierter werden

Das Europaparlament hat heute die entsprechende Neufassung der Abfall-Richtlinie zu Elektroschrott mit großer Mehrheit beschlossen. Nach der formellen Bestätigung durch die Mitgliedsstaaten bleiben diesen nun 18 Monate Zeit, die neuen Regeln in nationales Recht umzusetzen. Sie gilt für nahezu alle elektrischen und elektronischen Geräte. Unter anderem Fernseher, Waschmaschinen, Kühlschränke, Computer, aber auch Kleingeräte wie Toaster, Brotschneidemaschinen, Bohrmaschinen, Staubsauger, Telefone, Handys und Stereoanlagen. Selbst Energiesparlampen und Taschenrechner mit Solarzellen müssen künftig recycelt werden. Ausnahmen gibt es nur für Großanlagen wie Fahrstühle und Rolltreppen.

Die neue Verordnung schreibt sogar vor, dass alte Elektrogeräte in großen Elektronikfachgeschäften wie Mediamarkt, Promarkt, Saturn etc. abgegeben werden können, auch ohne dass man ein neues Gerät dort kauft. Das gilt für alle Geschäfte, die mehr als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. Allerdings muss das Gerät kleiner als 25 Zentimeter sein, was gelinde gesagt eine Frechheit ist, da die meisten Elektrogeräte größer sind. Aber immerhin wird man Sondermüll wie die quecksilberhaltige Energiesparlampe, das Handy oder das Kofferradio auf diese Weise los.  Den großen Rest können wir Verbraucher auch weiterhin bei kommunalen Sammelstellen abgeben. So bequem wie bisher – ab in die Hausmülltonne oder auf den Sperrmüll – wird man seinen Elektroschrott dann allerdings nicht mehr los.

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Ein Kommentar

  1. Vor allem bei Handys lohnt sich das Sammeln, da diese voll sind mit wertvollen Rohstoffen – von Gold, Silber bis hin zu seltenen Erden.

    Wenn man sich auch die Abhängigkeit der Industrie von bestimmten Rohstoffen ansieht – insb. von seltenen Erden – ist das Sammeln auf jeden Fall sehr sinnvoll und nützlich.

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