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Telefonieren per Facebook Messenger: Kommt endlich die VoIP-Revolution?

Telefonieren über Facebook Messenger. Smartphone-Besitzer bekommen dieser Tage eine Aktualisierung ihrer Facebook-Messenger-App angeboten. Mit der neuen App-Version kann man zwar noch nicht telefonieren, aber immerhin Sprachnachrichten austauschen. Doch die Telefonfunktion für den Facebook Messenger wird bereits beim aktuellen Update angekündigt. In den kommenden Wochen soll es soweit sein.

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Noch ein VoIP-Dienst fürs Smartphone? In Zeiten von unzähligen mobilen Messengern wie Yahoo Messenger, Skype, Google Talk oder Viber klingt das so, als würde der Social-Media-Gigant mit seinem Facebook Messenger viel zu spät einem Trend hinterherlaufen. Doch einige Experten sind sich sicher: Die Telefon-Funktion beim Facebook Messenger wird den Mobilfunkmarkt mit seinen unzähligen Tarifoptionen ordentlich durcheinander bringen.

Noch ein VoIP-Messenger – was ist an Facebook Messenger anders?

Die Telefonfunktion im Facebook Messenger wird nach dem gleichen Prinzip funktionieren wie bei anderen VoIP-Diensten für Smartphones auch. Anstatt eine Telefonnummer zu wählen wählt man den gewünschten Kontakt aus seiner Kontaktliste. Die Datenpakete mit gesprochener Sprache werden dann per W-Lan (Wifi) oder 3G-Verbindung ausgetauscht. Je nach Tarif kann man so ordentlich Gebühren für Handygespräche sparen. Denn selbst für Smartphone-Besitzer ohne Datenflatrate kann die VoIP-Telefonie mit dem Smartphone deutlich billiger sein als zum Sprachtarif des Netzbetreibers. Aber dazu später.

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Das Problem an den vielzähligen Anbietern von VoIP fürs Handy war bisher: Sie sind nicht untereinander kompatibel. Der Viber-Messenger versteht sich nicht mit Skype oder Yahoo oder umgekehrt. Zwar funktioniert auch der Facebook Messenger nur mit anderen Facebook-Usern – doch davon gibt es jede Menge. Fast eine halbe Milliarde Menschen weltweit nutzen mittlerweile die mobile Version von Facebook. In der Heimat von Facebook, den USA sind es mehr als 100 Millionen Menschen, in Großbritannien mehr als 20 Millionen, in Deutschland sind es immerhin mehr als 12 Millionen Nutzer, Tendenz steigend.

Bei diesen überwältigenden Zahlen können die kleineren VoIP-Dienste wie Viber gegenüber Facebook Messenger einpacken. Zwar hat Viber mittlerweile weltweit 50 Millionen User, doch diese scheinen den Viber-Dienst nur selten zu nutzen: Im Durchschnitt 3 Gespräche pro Monat macht ein Viber-Nutzer tatsächlich über die App. Das VoIP-Potenzial dürfte bei der Verbreitungsdichte von Facebook also deutlich höher sein. Es gibt schließlich 20 mal mehr mobile Facebook-User als Viber-Nutzer.

Was die Anzahl der User angeht, kann allenfalls der VoIP-Pionier Skype mithalten. Dieser wurde jüngst vom Softwaregiganten Microsoft gekauft und soll den Messengerdienst MSN ablösen. Doch der Facebook Messenger hat gegenüber Skype einen entscheidenden Vorteil: Wer per Skype telefonieren möchte, muss den Usernamen des Freundes kennen oder zumindest wissen, mit welcher Email-Adresse derjenige bei Skype angemeldet ist. Beim Facebook Messenger entfällt diese Suche. Denn als Facebook-Nutzer hat man seine gesamten Kontakte in der Facebook Messenger App, sobald man diese auf dem Smartphone installiert. Das lästige Suchen nach dem Usernamen des Anzurufenden entfällt somit bei Facebook.

Warum sich mobile VoIP-Telefonie bisher so langsam entwickelt

Die Global Player im Smartphone-Bereich Apple und Google taten sich in der Vergangenheit sichtlich schwer, mobiles VoIP massentauglich zu machen. Von Skype abgesehen, lassen Funktionalität und Sprachqualität von VoIP-Diensten auf Smartphones immer noch zu wünschen übrig. Experten vermuten als Grund hierfür ausgerechnet die Nähe dieser Global Player zu den Mobilfunkkonzernen. Bereits die Einführung des SMS-Killers iMessage durch Apple dürfte bei den Mobilfunkanbietern für lange Gesichter gesorgt haben. Eine ähnlich praktikable und zuverlässige Verbreitung der Inteternet-Telefonie per Smartphone käme wohl einer Kriegserklärung gleich.  Es ist durchaus wahrscheinlich, dass dieser Aspekt eine Rolle spielt, wenn zwischen Handyherstellern und Mobilfunkanbietern (Exklusiv-)Verträge ausgehandelt werden. Denn die Mobilfunkbetreiber scheuen mobiles VoIP wie der Teufel das Weihwasser. Kein Wunder: Schließlich ist mit Gesprächen, die per Minute abgerechnet werden, viel mehr Geld zu verdienen als mit einer reinen Datenflatrate, über die VoIP möglich ist.

Der große Vorteil von Facebook ist hierbei: Der Konzern von Mark Zuckerberg ist mit Mobilfunkanbietern nicht verflochten und muss daher keine Rücksicht auf eventuelle Befindlichkeiten der Tarifanbieter nehmen. Daher könnte die Plattform-unabhängige Facebook-App der Internet-Telefonie per Smartphone endlich zum Durchbruch verhelfen.

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Für wen lohnt sich mobiles VoIP?

Auch wenn in den AGB vieler Mobilfunkbetreiber VoIP-Gespräche verboten sind, kann man sich die Genehmigung zum Voipen erkaufen: Bei der Telekom kostet das je nach Tarif bis zu 9,95 Euro im Monat, bei Vodafone 5 Euro und beinhaltet lediglich die Erlaubnis, VoIP-Dienste zu nutzen, Datenpakete sind darin noch nicht enthalten. Dennoch sind VoIP-Gespräche eigentlich immer billiger als Gespräche, die per Minute abgerechnet werden. Das hat die Zeitschrift Focus in ihrem Test zum mobilen VoIP vor einigen Monaten herausgefunden. Ein 30-minütiges Gespräch in den untersuchten Sprachtarifen war im Test immer erheblich teurer als ein halbstündiges Gespräch im Datentarif. Selbst beim Billiganbieter Congstar lag das 30-minütige VoIP-Gespräch mit einem Preis von maximal 19 Cent deutlich unter dem Gespräch mit Minutenabrechnung, das auf 2,70 Euro kommt. Wer allerdings bei seinem Anbieter eine Telefonflatrate hat, für den dürfte VoIP allenfalls im Ausland sinnvoll sein – und auch dann nur im W-Lan bzw. WiFi-Netz.

 

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