Gefährliche Brustimplantate: Ministerium sieht Kassen in der Pflicht

Der Druck auf die deutschen Krankenkassen nimmt zu. Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass in Großbritannien der staatliche Gesundheitsdienst NHS den betroffenen Patientinnen die Entfernung der gefährlichen Brustimplantete bezahlt, fordert nun auch das Bundesgesundheitsministerium die deutschen Krankenkassen auf, ihren Standpunkt zu ändern. Bisher wollen diese nämlich nicht für die Kosten aufkommen, da die Gesundheitsgefahr nicht eindeutig nachgewiesen sei. Die Lösung könnte ein Kompromiss sein: Den Großteil der Behandlungskosten würden dann die Kassen übernehmen, allerdings mit einer noch nicht näher definierten Selbstbeteiligung, so Gesundheitsexperten.

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Kassen sollen für Entfernung der Brustimplantate aufkommen

Im Skandal um minderwertige Brustimplantate sieht das Bundesgesundheitsministerium die Krankenkassen in der Plicht, den betroffenen Patientinnen die Kosten für eine Operation zur Entfernung der gefährlichen Implantate zu erstatten. Unter Umständen müssten sich aber die Patientinnen an den Kosten beteiligen. In welcher Höhe und in welcher Form das vonstatten gehen könnte, darüber gibt es bisher keine Informationen.

Die jetzige Reaktion des Bundesgesundheitsministeriums geht auf eine Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zurück. Dieses hatte am Freitag die betroffenen Frauen dazu aufgerufen, sich die aus Franreich stammenden Implantate herausoperieren zu lassen. Frankreich und Tschechien haben zuvor ebenfalls bereits betroffene Frauen in ihren Ländern zu einer Operation aufgerufen.

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Wie viele Frauen in Deutschland ein gefährliches Implantat der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) haben, ist unklar. Bislang wurden in Deutschland 19 Fälle von gerissenen Implantaten bekannt, aber im Gegensatz zu Frankreich keine Krebserkrankungen. Ein Zusammenhang zwischen den Implantaten und einer Krebserkrankung wird vermutet, kann aber wissenschaftlich noch nicht endgültig belegt werden. Dennoch geht von den PIP-Implantaten eine Gesundheitsgefahr aus, so das BfArM.

Bei Gesundheitsgefahr müssten Kassen zahlen

Bei seiner Forderung, die Kassen müssten für die Entfernung der PIP-Brustimplantate aufkommen, stützt sich das Bundesgesundheitsministerium auf die Bewertung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Wenn tatsächlich eine Gesundheitsgefahr vorliegt, müssten die Kassen tatsächlich für eine Operation zur Entfernung der Implantate zahlen. Allerdings könnten die Kassen in diesem Fall prüfen, ob eine Patientin im konkreten Einzelfall an den Kosten zu beteiligen ist. Das Bundessozialgesetz lässt individuelle Entscheidungen zu. Zumindest in den Fällen, in denen die PIP-Implantate innerhalb einer reinen Schönheits-OP eingesetzt wurden. Weltweit sind Schätzungen zufolge etwa 500.000 Frauen betroffen.

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