Goldener Windbeutel 2012: Hipp Kindertee bekommt Preis für frechste Werbelüge

Die Kindertees von Hipp erhalten in diesem Jahr den „Goldenen Windbeutel“. Die gezuckerten Pulvertees für Kleinkinder sind nach Meinung von über 44.000 Verbrauchern die dreisteste Werbelüge 2012. Der „Goldene Windbeutel“ wird einmal im Jahr von der Verbraucherorganisation Foodwatch verliehen, Verbraucher können im Internet abstimmen. Der so „geehrte“ Hersteller Hipp hat bereits angekündigt, die Produktion der gezuckerten Kindertees einzustellen. Auch im Rennen waren ‚alkoholfreies‘ Bier, das sehr wohl Alkohol enthält oder ‚fettarmes‘ Hackfleisch, das lediglich mit Wasser gestreckt wurde. Laut Medienberichten reagieren die Nahrungs-Konzerne zunehmend nervös auf die zweifelhafte Auszeichnung „Goldener Windbeutel“, den Foodwatch für die unverschämteste Werbelüge vergibt.

Werbung

Goldener Windbeutel geht an gezuckerte Kindertees von Hipp

Jedes Jahr im Frühjahr lassen die Verbraucherschützer von Foodwatch die Verbraucher darüber abstimmen, wer den „Goldenen Windbeutel“ verdient hat. Eine Auszeichnung, mit der Foodwatch die dreisteste Werbelüge der Nahrungsmittelindustrie brandmarkt. Fünf Kandidaten standen in diesem Jahr zur Auswahl: Sie alle warben mit Versprechen, die nach Recherchen von Foodwatch nicht erfüllt werden.

Den Negativpreis hat in diesem Jahr die Firma Hipp abgeräumt. Der sonst so vorbildliche Kinderlebensmittelkonzern bekam den „Goldenen Windbeutel“ für zwei seiner Instant-Früchtetees für Kinder. Laut Foodwatch basieren die Teegetränke für Kleinkinder auf Zuckergranulat. 200 ml des Getränks enthielten laut Foodwatch umgerechnet zweieinhalb Stücke Würfelzucker. Die Verbraucherschützer fügen hinzu: „verantwortliches Marketing sieht anders aus.“ Immerhin: Die Firma Hipp reagierte umgehend und stoppt die Produktion der umstrittenen Kindertees.

Werbung

Dreiste Werbelügen: Fünf weitere Produkte waren im Rennen

Die Discounterkette Netto wirbt für ihr abgepacktes „Viva Vital Hackfleisch“ mit dem Aufdruck „30 Prozent weniger fett“. Foodwatch sieht darin eine Werbelüge, weil der geringere Fettgehalt lediglich dadurch erreicht werde, weil das Produkt 30 Prozent weniger Fleisch enthält und stattdessen mit Weizen und Wasser gestreckt wird. Gleichzeitig sei der Preis gegenüber herkömmlichem Hackfleisch 30 Prozent höher.

Auch das Clausthaler Classic von Radeberger war mit im Rennen. Das Bier enthält Foodwatch zufolge 0,45 Vol.-Prozent Alkohol. In anderen Ländern sei es daher als „alkoholarmes“ Bier gekennzeichnet. In Deutschland steht auf dem Etikett hingegen „alkoholfrei“. Ein Grund für Foodwatch, Clausthaler Classic für den „Goldenen Windbeutel“ zu nominieren. Allerdings enthalten fast alle „alkoholfreien“ Biere in Deutschland bis zu 0,5 Prozent Alkohol.

[sam id=“13″ codes=“true“]Die Margarine „Becel pro-activ“ aus dem Hause Unilever enthält hochkonzentrierte Pflanzensterine, die den Cholesterinspiegel senken. Laut Hersteller gebe es bei der Margarine „aus wissenschaftlicher Sicht keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen. Foodwatch sieht das anders: Pflanzensterine stehen laut Foodwatch im Verdacht, das Risiko für Herzkrankheiten zu erhöhen. Die Verbraucherschützer haben Unilever sogar bereits deswegen verklagt und fordern eine Rezept- und Apothekenpflicht für die Margarine.

Auch die Firma Teekanne soll laut Foodwatch bei ihren Werbeaussagen schummeln. Der Tee „Landlust Mirabelle & Birne“ wird mit der Aussage „wie aus dem eigenen Garten“ beworben. Die Verbraucherschützer sehen darin aber in Wirklichkeit einen industriellen Früchtetee, der teuer verkauft werde. Die auf der Packung abgebildeten Mirabellen seien im Teebeutel überhaupt nich zu finden, so Foodwatch.

Hersteller reagieren verschnupft – Kontakt mit Foodwatch wird gemieden

Die Produzenten der nominierten Produkte reagieren auf die Online-Abstimmung zunehmend nervös, heißt in der Online-Ausgabe des Spiegels. Schließlich hätten die Veröffentlichungen von Foodwatch für Umsatzeinbußen bei den betroffenen Nahrungsmitteln gesorgt. Einige Preisträger hätten sogar Besserung gelobt, beispielsweise, indem Sie die Werbeaussage oder sogar die Rezeptur der gekürten Produkte änderten. Öffentlich zeigen sich die betroffenen Unternehmen jedoch zugeknöpft und scheuen die Auseinandersetzung mit dem unbeliebten Preis.

Werbung

Am liebsten würde Foodwatch den „Goldenen Windbeutel“ direkt den Herstellern übergeben, aber die Produzenten zeigten sich in der Vergangenheit demgegenüber verschlossen. Daher melden die Verbraucherschützer jedes Jahr eine Demonstration am Firmensitz der jeweiligen Firma an. Die Hersteller versuchen dies zu verhindern. So etwa im vergangenen Jahr, als der Wursthersteller Stockmeyer mit den „Ferdi Fuchs Mini-Würstchen“ nominiert war. Laut Spiegel online habe die Firma vorsorglich per Fax angekündigt, den Preis nicht entgegen nehmen zu wollen. Stellungnahmen wurden abgelehnt. Foodwatch rechnet auch in diesem Jahr nicht damit, den „Goldenen Windbeutel“ persönlich übergeben zu können.

Check Also

Sicheres Fahrradschloss

Fahrradschlösser-Test: Stiftung Warentest findet nur vier gute

Fahrradschlösser sind wichtig. Sie sollten sicher sein und nicht einfach geknackt werden können. Doch leider …

2 Kommentare

  1. Die Tatsache, dass Hipp sofort reagiert ist spannend. Hipp besitzt auch eine Social Media Präsenz während sich andere Unternehmen dem verschließen. Diesen ist scheinbar bewusst, dass Sie „dreist“ sind..

  2. Ich finde das positiv, daß die von Hipp da so schnell drauf reagieren. Besser wäre es natürlich gewesen, sie wären mit dem Zuckerzeugs gar nicht erst auf den Markt gekommen… es ist ja nun mal nicht gerade so, als ob das was Neues wäre, daß Zucker nicht gut ist für Kleinkinder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.