Kein Sixpack mit L-Carnitin: Carnitin-Präparate wirkungslos

Carnitin-Präparate werden als die Fatburner schlechthin vermarktet. In Fitness-Studios und Internet-Apotheken sind sie momentan der Renner. Einige Internet-Apotheken verschicken sogar gratis Probe-Packungen, um die Kunden auf den Geschmack zu bringen. Fett verbrennen wie im Schlaf? Hört sich zu gut an, um wahr zu sein! Und tatsächlich: L-Carnitin in Pulver- oder Kapselform bringt keine Vorteile bei Muskelaufbau und Fettverbrennung, berichtet jetzt das Online-Magazin stern.de.

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Fettverbrennung ankurbeln mit Carnitin

Über Weihnachten haben sich viele Verbraucher einen kleinen Winterbauch angefuttert und versuchen jetzt, den Speck möglichst schnell wieder los zu werden. Da kommt ein vermeintliches Wundermittel, das den Stoffwechsel anheizen soll, wie gerufen: L-Carnitin heißt das Zauberwort. Und es verspricht, in Kombination mit ein bisschen Sport, die Fettpolster schnell schmelzen zu lassen.

L-Carnitin wird vom Körper aus zwei Aminosäuren gebildet und ist in der Tat für den Fettstoffwechsel durchaus nützlich. Es kommt außerdem vor allem in rotem Fleisch vor (Lamm und Schaf) und fördert bei einer ausgewogenen Ernährung den Muskelaufbau beim Menschen.

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Nahrungsergänzungsmittel ohne Wirkung

Was über die normale Nahrungsaufnahme funktioniert, müsste doch noch besser in konzentrierter Form als Nahrungsergänzungsmittel funktionieren. Das dachten sich offenbar ein paar schlaue Köpfe in der Nahrungsergänzungsmittel-Industrie, und bieten L-Carinitin seitdem als als Lifestyle-Pille an.
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Da L-Carnitin – ähnlich wie Vitamin-Präparate – nicht dem Arzneimittelgesetz sondern dem Nahrungsmittelgesetz unterliegt, ist es aus gesetzlicher Sicht überhaupt nicht notwendig, dass das Präparat sein Wirk-Versprechen auch erfüllt. Es kann frei verkauft werden, solange es nicht erwiesenermaßen schadet.

Bislang gibt es jedoch keine ernst zu nehmende Studie, die belegt, dass L-Carnitin als Nahrungsergänzungsmittel, also als Pulver oder in Kapselform, den gewünschten Effekt beim Training oder beim Abnehmen verstärkt, so stern.de.

Die Biochemie unseres Körpers sei wesentlich komplizierter als die Industrie uns glauben lässt, so Experten: Bevor Fettsäuren verbrannt werden, muss das Fett aus den Fettpolstern erst einmal in Fettsäuren zerlegt werden. Das passiert mithilfe des fettspaltenden Enzyms Lipase: Diesem ist es aber ganz gleich, wie viel L-Carnitin im Körper ist. Zwar erhöhen L-Carnitin-Präparate bei Menschen die Carnitin-Konzentration im Blut. Aber diese Extraportion kommt Studien zufolge gar nicht in den Muskelzellen an.

Geldverbrennung statt Fettverbrennung

Es gibt zwar einige kleine Untersuchungen an Diät-Kandidaten, bei denen das L-Carnitin augenscheinlich die Fettverbrennung anregte. Aber diese Studien hatten Mängel in ihrer Methodik: So wussten sowohl Ärzte als auch Patienten genau, welcher Studienteilnehmer L-Canitin geschluckt hatte und wer sich nur kalorienarm ernährt hatte, ohne das Präparat zu nehmen.

Aus wissenschaftlicher Sicht sind solche Bedingungen nicht repräsentativ. Der Effekt einer mutmaßlich wirksamen Pille wird in so angelegten Studien nämlich stark überschätzt. Präziser sind sogenannte Blindstudien, bei denen weder Teilnehmer noch Wissenschaftler wissen, wer den Wirkstoff bekommt. Und in genau diesen Studien zeigten L-Carnitin-Mittel überhaupt keine Vorteile. Daher raten die Verbraucherzentrale Hamburg und die Stiftung Warentest davon ab, L-Carnitin-Produkte einzunehmen.

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Immerhin: Carnitin-Präparate sind nicht schädlich

Bei aller Kritik an L-Carnitin-Mittel: Der Wirkstoff scheint harmlos zu sein. Vereinzelt traten zwar Durchfallerkrankungen auf, aber bisher wurden keine schweren Nebenwirkungen vermeldet. Der Körper scheidet überschüssiges L-Carnitin einfach mit dem Urin aus. Das bedeutet allerdings auch, dass man das Geld für die Präparate auch direkt in die Toilette werfen könnte.

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2 Kommentare

  1. Überrascht das wirklich jemanden? Nach all den Jahrzehntelangen Bombardements mit Tipps zum perfektn Körper sollte sich doch eigentlich herumgesprochen haben, daß gute Ernährung und Sport der einzige Weg dahin sind. Aber wir lassen uns ja gern belügen.

  2. Diese Studie ist richtig, jene ist falsch. Dieser Experte weiß es besser als der andere. Über derlei Artikel kann ich mittlerweile nur noch den Kopf schütteln.

    Und: Wer meint, dass die Verbraucherzentralen sowie Stiftung Warentest unabhängig sind, tja, der glaubt auch noch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann…

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