Kinder in der Abofalle: Verbraucherschützer warnen vor Online-Abzocke

Viele Webseiten für Kinder entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Abzock-Fallen, meldet spiegel.de. In einer Untersuchung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV) wurden insgesamt 52 Internetseiten für Kinder unter die Lupe genommen. Darunter auch renommierte Seiten wie kika.de, wasistwas.de und kindercampus.de. Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Seiten hatten die Verbraucherschützer Bedenken in Sachen Datenschutz oder sie fanden fragwürdige Mischungen aus redaktionellen Inhalten und Werbung. Gegen insgesamt 29 betroffene Seiten wurden Unterlassungsverfahren eingereicht.

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Sie sind als harmlose Ratespiele getarnt und wollen nur eins: an die Daten und das Taschengeld der Kinder kommen. Laut VZBV werden Online-Spiele von Unternehmen auf Kinderwebsites platziert, um die jungen und arglosen Neukunden auf kommerzielle Internetseiten zu locken. Das ergab eine Verbraucher-Studie, die in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL erschienen ist. Demnach verstecken die betroffenen Firmen sogar Handy-Abofallen hinter harmlos wirkenden Online-Quiz-Spielen. Landen die jungen User erst einmal auf der Zielseite, werden sie nach der Handynummer gefragt und stecken prompt in einer Abofalle. „Es ist schon erschreckend, wie hemmungslos manche Anbieter die Unerfahrenheit von Kindern für Geschäfte ausnutzen“, so VZBV-Vorstand Gerd Billen.

Online-Geschäfte mit Minderjährigen

Verbraucherschützer fordern schon seit längerem von den Unternehmen, auf Lockangebote für Kinder zu verzichten und Werbung „mit Augenmaß“ einzusetzen, so Billen. Denn die das Geschäft mit der Kinderabzocke im Internet ist nicht neu. Bereits seit Jahren beobachten Verbraucherorganisationen, dass zunehmend junge Zielgruppen ins Visier der Abofallen-Betreiber geraten. Vermeintlich attraktive Angebote wie Gratis-Referate zu allerlei Themen oder Lösungsbücher für Mathematikaufgaben enden oft genug in teuren Abofallen. Dabei sind Kinder unter 7 Jahren überhaupt nicht geschäftsfähig. Kinder ab dem siebten Lebensjahr sind nur bedingt geschäftsfähig. Das heißt: Verträge, insbesondere Abonnements, dürfen eigentlich nur mit Zustimmung der Eltern abgeschlossen werden. Eigentlich! Denn der § 110 des BGB (Taschengeldparagraph) sieht auch wirksame Vertragsabschlüsse mit Minderjährigen vor, solange diese sich im Rahmen des zur Verfügung stehenden Taschengeldes bewegen. Das kann auch für Online-Einkäufe gelten, wenn das Kind etwa über ein eigenes Taschengeldkonto verfügt. Ein CD-Kauf für 20 Euro ist also durchaus drin, eine Digitalkamera für 300 Euro eher nicht. Ob ein Jahresabo in Höhe von 99,- Euro noch mit dem Taschengeld-Paragraphen abgedeckt ist, ist mehr als fraglich. Bevor Eltern eine solche Rechnung bezahlen, sollten sie sich vorher im Zweifel rechtlichen Rat z.B. bei der Verbraucherzentrale holen.

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Problem: Kinder geben bei Online-Kauf falsches Alter an

Viele Online-Händler haben das Problem des Taschengeldparagraphen erkannt und verkaufen prinzipiell nur an Volljährige. Doch was tun, wenn der Nachwuchs bei der Bestellung einfach ein falsches Alter angegeben hat? Bei Kaufverträgen übers Internet gilt das Fernabsatzrecht. Das bedeutet: In der Regel gilt ein 14-tägiges Rückgaberecht für Produkte, die am Telefon, an der Haustür oder eben auch im Internet gekauft worden sind. Ist diese Frist verstrichen, kann man sich darauf berufen, dass der Vertragsabschluss des Nachwuchses unwirksam ist. Schließlich hat das Kind nur vorgetäuscht, volljährig zu sein. In diesen Fällen kann man nach Meinung vieler Rechtsexperten die Ware gegen Erstattung des Kaufpreises zurückschicken. Allerdings besteht die Gefahr, dass der Online-Händler unter Umständen rechtliche Schritte gegen den Nachwuchs einleitet. Daher sollten Eltern ihre Kinder rechtzeitig darüber aufklären, welche Risiken im Internet lauern. Die Angabe der Postadresse, der Handynummer oder gar der Bankverbindung im Internet sollte, wenn überhaupt, nur in Absprache mit den Eltern erfolgen. Schließlich lauern überall im Netz schwarze Schafe, die es auf das Taschengeld der Kinder abgesehen haben.

 

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Ein Kommentar

  1. Allerdings gibt es auch anti Virenprogramme, die Einstellungen erlauben, sodass Kinder nur auf bestimmte Seiten zugreifen Dürfen. Für die Eltern ist das natürlich eine unglaubliche Mehrarbeit, herauszufinden, welcher Seite sie vertrauen können und welcher nicht.

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