Nach dem Erfolg von HKX: Privatbahn Train4you 2012 in den Startlöchern

Vor sechs Wochen startete die private HKX-Bahn mit der Jungfernfahrt von Hamburg nach Köln ihren Regelbetrieb. Die Befürchtungen ob der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des DB-Konkurrenten erwiesen sich als unbegründet. Nach gut einem Monat zog der private Bahnbetreiber Bilanz – und die kann sich durchaus sehen lassen. Kein Wunder, dass schon der nächste Privatbahn-Betreiber MSM sich für den Wettbewerb rüstet. Mit dem Train4you will die Kölner MSM-Gruppe ab Herbst 2012 ebenfalls die beliebte Strecke Köln-Hamburg bedienen. Außerdem ist eine Verbindung von Köln nach Berlin geplant.

Werbung

Die Deutsche Bahn (DB) hat einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen: Der Hamburg-Köln-Express (HKX) startete vor anderthalb Monaten als preisgünstige Alternative zur DB. Einige Kunden waren anfangs skeptisch: Wird die neue Privatbahn pünktlich sein? Wie zuverlässig sind die Lokomotiven? Und was, wenn sie einfach unterwegs liegen bleiben? Schließlich sind die HKX-Züge nicht gerade die modernsten.

Hamburg-Köln-Express zieht positive Bilanz

Bislang haben sich die Unkenrufe mancher Passagiere nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: HKX-Chefin Eva Kreienkamp zeigt sich nach einer ersten Bilanz sehr zufrieden. Die Nachfrage sei sehr groß, vor allem bei Reisenden, die Zugfahrten bislang vermieden haben, so die Vorsitzende der HKX-Geschäftsführung. So gesehen wäre der HKX nicht etwa ein Konkurrent für die Bahn, sondern würde die Anzahl von Zugreisenden insgesamt erhöhen. Das Ziel von HKX sei es, Autofahrer und Flugreisende auf die Schiene zu bringen, so Kreienkamp. Die Auslastung der Züge habe sich zwischen 70 und 80 Prozent eingependelt.

Werbung

Die HKX-Chefin betont in ihrer Bilanz die hohe Zuverlässigkeit des Hamburg-Köln-Express. Auf den ersten 55.000 Kilometern habe es weder größere betrieblich bedingte Störungen noch Zugausfälle gegeben. Für die Passagiere besonders erfreulich: Die Pünktlichkeit lag bei mehr als 98 Prozent im Fernverkehr, wenn nur Verspätungen von mehr als 15 Minuten gewertet werden. In Sachen Pünktlichkeit kann HKX also locker mit der DB mithalten. Das nächste Ziel sei es, die Passagiere der ersten Wochen als Stammkunden zu gewinnen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob das mit der Preispolitik der HKX-Bahn tatsächlich gelingt.

HKX-Tickets werden künftig teurer

Die HKX-Bahn hat von Beginn an kein Hehl daraus gemacht, dass es bei den 20-Euro-Tickets von Hamburg nach Köln um Einführungspreise handelt. Kein Wunder: Dauerhaft würde sich ein solch niedriger Ticketpreis wohl kaum in größerem Umfang anbieten lassen. Und so kündigt Eva Kreienkamp an, dass die Ticketpreise in den kommenden Monaten im Durchschnitt etwas steigen werden. Das Preisprinzip von HKX bleibt aber weitgehend erhalten. Ähnlich wie bei Billigfliegern sind HKX-Fahrten an weniger ausgelasteten Wochentagen günstiger als etwa am Wochenende. Außerdem hängt der Ticketpreis vom Zeitpunkt der Buchung ab. Wer lange im Voraus bucht, hat Chancen auf ein günstigeres Ticket als Spontanreisende. Der niedrigste Preis von 5 Cent pro Kilometer soll weiterhin erhalten bleiben.

Pro Bahn begrüßt private Konkurrenz auf der Schiene

Die neue Privatbahn hat offenbar auch positive Auswirkungen auf die Kunden der Deutschen Bahn. So stellt Stefan Barkleit vom Fahrgastverband Pro Bahn fest, dass die DB auf der Strecke Köln-Hamburg jetzt brandneue Intercity-Züge einsetzt. Barkleit vermutet darin eine direkte Reaktion auf die neue Konkurrenz und freut sich über die positiven Effekte auch für DB-Reisende. Dass private Konkurrenten dazu führen, dass auch die DB ihr Angebot verbessert, hätten schon Erfahrungen in der Vergangenheit gezeigt: Als die Bahn im Nah- und Regionalverkehr direkte Mitbewerber bekam, wurde schlagartig auch deren Service spürbar besser, so der Fahrgastverband.

Weitere Privatbahn Train4you will im Herbst 2012 starten

Die Deutsche Bahn wird sich künftig auf noch mehr Konkurrenz im Fernverkehr einstellen müssen. Die Kölner MSM-Gruppe hat angekündigt, noch in diesem Herbst ebenfalls den regelmäßigen Betrieb von Fernverbindungen zu starten. Bislang bot das Unternehmen Event-Zugreisen wie etwa zum Münchner Oktoberfest an. Geht es nach dem Willen der Betreiber, sollen schon bald die ersten regelmäßigen Züge von Köln nach Hamburg und von Köln nach Berlin starten. Der Ticketpreis soll Medienberichten zufolge bei 19,90 Euro starten und je nach Auslastung und Nachfrage nach oben variieren – ähnlich wie bei HKX.

Das Konzept von Train4you: In Köln startet ein langer Zug, der in Nordrhein-Westfalen an zahlreichen Bahnhöfen hält und am Hauptbahnhof Hannover in zwei Teile geteilt wird. Ein Zugteil fährt von Hannover nach Hamburg weiter, der andere nach Berlin. Geplant sind mehrere Verbindungen am Tag. Momentan scheinen sich die Planungen für das Projekt Train4you allerdings etwas in die Länge zu ziehen. Nachdem lange Zeit der Frühherbst 2012 als Starttermin angekündigt wurde, ist derzeit vom Spätherbst 2012 die Rede. Womöglich sorgen auch im Falle von Train4you die Gespräche mit der Deutschen Bahn für Verzögerungen im Zeitplan, so die Vermutung.

Werbung

Das wäre nichts außergewöhnliches. Schließlich hatte auch die HKX-Bahn unter anderem den Verhandlungsmarathon mit der Deutschen Bahn unterschätzt. Ursprünglich hätte der Hamburg-Köln-Express bereits im Jahr 2011 starten sollen. Gründe für die Verzögerung waren unter anderem Verhandlungen über Trassengebühren und Zuglängen-Absprachen.

Check Also

Sicheres Fahrradschloss

Fahrradschlösser-Test: Stiftung Warentest findet nur vier gute

Fahrradschlösser sind wichtig. Sie sollten sicher sein und nicht einfach geknackt werden können. Doch leider …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.