Noch ein Fleisch-Skandal? Razzia im Fleischbetrieb Vion kurz vor Start der Grünen Woche

Wie sicher ist deutsches Fleisch für die Verbraucher? Diese Frage wird die Experten wohl noch einige Zeit beschäftigen. Nach den jüngsten Meldungen über Keimbelastung bei Hähnchenfleisch steht nun ein Fleischbetrieb in Nordrhein-Westfalen unter Betrugsverdacht: Ein Betrieb der Vion Food Group in Hilden bei Düsseldorf wurde jetzt von einem Großaufgebot der Polizei durchsucht. Der Verdacht der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft: In dem Fleischbetrieb soll in großem Stil ausländisches Rindfleisch umetikettiert worden sein. Das Unternehmen streitet diese Vorwürfe ab.

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150 Polizisten durchsuchten Fleisch-Händler und beschlagnahmten Beweismaterial

Nach den Horrormeldungen über keimbelastetes Geflügelfleisch sind viele Verbraucher ohnehin verunsichert. Und jetzt das: Bei einer nächtlichen Großrazzia in einem Fleisch-Zerlegebetrieb in Hilden bei Düsseldorf durchsuchten 150 Polizisten sowie Beamte des Zolls und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung die Geschäftsräume der Hildener Vion GmbH – eine Tochter der Vion Food Group, nach eigenen Angaben einer der führenden Nahrungsmittelkonzerne Europas.

Laut einem Bericht der Rheinischen Post weist das Unternehmen die Vorwürfe der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft von sich: „Die Vion-Geschäftsführung ist überrascht von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft und der vorgenommenen Durchsuchung eines Zerlegebetriebs in Hilden. Das Unternehmen unterstützt die Ermittlungen in vollem Umfang.“, zitiert das Blatt die Konzernsprecherin. Das Unternehmen habe keinen Anlass zur Annahme, dass sich die Vorwürfe bestätigen werden, heißt es in dem Bericht weiter. Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass nicht nach minderwertigem Fleisch oder gar Gammelfleisch gesucht wurde. Beschlagnahmt wurden in erster Linie Computerprogramme und Rechnungen, heißt es in der Online-Ausgabe der Westdeutschen Zeitung. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft Düsseldorf: Ausländisches Rindfleisch soll als deutsches Rindfleisch deklariert worden sein.

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Werden Lebensmittelskandale die Grüne Woche überschatten?

Ausgerechnet im Vorfeld der Grünen Woche, die am Donnerstag in Berlin feierlich eröffnet wird, scheinen sich die Verdachtsfälle und Nahrungsmittel-Skandale zu häufen. Für den Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) ein Grund mehr, einheitliche Lebensmittelkontrollen in Deutschland zu fordern. Die derzeitige Kontrollpraxis sei nicht ausreichend, so die Verbraucherschützer.
Zwei Tage vor dem Start der weltweit größten Verbrauchermesse für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau fordern die Verbraucherzentralen, es müsse  Schluss sein mit der „föderalen Kleinstaaterei“. Der Bund müsse notfalls selbst die Kontrollhoheit an sich ziehen, wenn sich die Bundesländer nicht auf ein einheitliches Verfahren einigen könnten. Auch die mangelnde personelle Ausstattung der Lebensmittelkontrollen wurde bemängelt. Derzeit stehen gerade einmal rund 2.500 Lebensmittelkontrolleure insgesamt 1,1 Millionen Lebensmittelbetrieben gegenüber, die sie überprüfen müssen.

Im vergangenen Jahr haben Meldungen über Dioxin in Eiern und Schweinefleisch viele Verbraucher daran zweifeln lassen, ob die Nahrungsmittel-Überwachung in Deutschland ihren Zweck erfüllt. In diesem Jahr sind es Schreckensmeldungen über Antibiotika in Fleisch aus der Massentierhaltung. Da wirkt ein Erlebnisbauernhof mit glücklichen Hühnern und Schweinen, wie er derzeit auf der Grünen Woche eingerichtet wird, fast zynisch: Laut einer NRW-Studie zur Geflügelhaltung im Land aus dem vergangenen November, erhalten Hähnchen in fast allen Mastbetrieben Antibiotika. Das NRW-Verbraucherministerium ist wegen der Zustände alarmiert. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie des Landes Niedersachsen in Bezug auf die Kalb- und Schweinezucht.

Obwohl das Problem seit Jahren bekannt sei, wie Verbraucherschützer erwähnen, reagiert Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner erst jetzt und fordert eine Änderung des Arzneimittelgesetzes sowie die Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Viehzucht (Verbraucher-Papst berichtete). Zudem möchte Aigner auf der Grünen Woche eine „Charta für Landwirtschaft und Verbraucher“ vorstellen. Schwerpunkt: die Förderung tiergerechter Haltungsverfahren.

Verbraucherschützer fordern mehr Lebensmittelkontrollen

Dem Vorsitzenden des VZBV, Gerd Billen ist das nicht genug: Er fordert ein Verbot von Antibiotika in der Tierzucht innerhalb von 10 Jahren. Außerdem sollten die Produzenten von Lebensmitteln noch mehr in die Verantwortung genommen werden: „Die Risiken dürfen nicht auf den Verbraucher abgewälzt werden“, so der Verbraucherschützer.

Ob sich der Verdacht im Falle des Hildener Fleischbetriebs bestätigt, wird sich wohl erst einige Zeit nach der Grünen Woche herausstellen. Die Auswertung der Beweismittel, so die Staatsanwaltschaft, werden wohl einige Wochen dauern. Dennoch bleibt für die Verbraucher der fade Beigeschmack, dass in Sachen Lebensmittelkontrolle noch längst nicht alles im grünen Bereich ist.

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