Phthalate in Lebensmitteln: Experten warnen vor Weichmachern in Verpackungen

Abgepackte Lebensmittel aus Discountern und anderen Supermärkten sind zum Teil erheblich mit Weichmachern belastet, berichtet der NDR. In einer Untersuchung für die Sendung „Der große Küchen-Check“ entdeckten die Tester in 40 Prozent der getesteten Lebensmittel den Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP). Weichmacher können gesundheitsgefährdend sein und zur Unfruchtbarkeit führen.

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Gefährliche Phthalate in Schinken, Käse und Butter gefunden

Egal ob Kochschinken, Schnittkäse oder Butter – in Supermärkten werden frische Nahrungsmittel meistens in Kunstoff-Verpackungen verkauft. Die Vorteile für die Verbraucher scheinen auf der Hand zu liegen. In Plastik eingeschweißt halten die Lebensmittel länger, sie sind leicht zu transportieren und oft sind sie im Preis günstiger als frisch aufgeschnittene Ware von der Wurst- oder Käsetheke.

Doch die Verpackungen dieser Lebensmittel können gesundheitsgefährdend sein, ergab jetzt ein Test des NDR. In 7 von 19 untersuchten Lebensmitteln haben die Tester den Weichmacher DEHP gefunden. Experten sagen, dass Weichmacher unter anderem Diabetes, Asthma und Atemwegskrankheiten auslösen können. DEHP ist der mit Abstand am häufigsten verwendete Weichmacher und gilt sogar als fruchtschädigend. Daher wird DEHP von der europäischen Kunstoff-Industrie in Kinderspielzeug so gut wie gar nicht mehr verwendet.

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Weichmacher aus Verpackung gehen auf Lebensmittel über

Die Tester stellten die Frage, ob in Nahrungsmittel-Verpackungen DEHP enthalten ist und ob der Weichmacher womöglich auf die Lebensmittel übergeht. Hierzu musste eine sechsköpfige Familie sich eine Woche lang nur von Lebensmitteln ernähren, die entweder lose oder in Glas verpackt gekauft wurden. Nahrungsmittel, die mit Plastik in Berührung gekommen waren, wurden während der Testwoche aus der Küche verbannt. Selbst Kunstoffdichtungen in Schraubverschlüssen von Glasflaschen waren tabu.

Der Plastikverzicht stellte die Familie vor einige Herausforderungen – auch finanziell: Ernährung ohne Plastik ist deutlich teurer als abgepackte Nahrung, so ein Ergebnis der Untersuchung.

Nach einer Woche wurden von den Familienmitgliedern Urinproben genommen. Das Ergebnis: Im Vergleich zu den Messungen vor der Testphase sind die Phtalat-Werte bei den getesten Familien-Mitgliedern deutlich gesunken. Ein klares Indiz dafür, dass DEHP in Lebensmittel-Verpackungen tatsächlich auch in verpackten Nahrungsmittel vorhanden ist.

Phthalate können zu Unfruchtbarkeit bei Männern führen

Besonders problematisch: Phthalate werden für Unfruchtbarkeit bei Männern verantwortlich gemacht. Laut einer aktuellen Studie ist die Hälfte aller jungen Männer zwischen 18 und 23 Jahren in Deutschland nur noch eingeschränkt fruchtbar. Eine Folge der DEHP-Belastung in Nahrungsmitteln?

Seit 2006 darf DEHP in Kunststoffen, die in Kontakt mit Lebensmittel kommen, eigentlich nicht verwendet werden. Doch viele Hersteller halten sich nicht an das Verbot, wie die NDR-Tester herausfanden.

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Produkte von Géramont, Saint Albray, Bertolli und Kerrygold betroffen

Unter anderem folgende Produkte aus der Stichprobe sind mit DEHP belastet. Der Weichkäse von Géramont dabei am wenigsten, der von Saint Albray am meisten:

  • Géramont Weichkäse mit 80 Mikrogramm pro Kilogramm
  • Bertolli Pesto mit 240 µg pro Kilogramm
  • Kerrygold Butter mit 520 µg pro Kilogramm
  • Saint Albray mit 910 µg pro Kilogramm

Die Tester räumen zwar ein, dass jedes der Ergebnisse unter den vorgeschriebenen Grenzwerten liegt – doch das Umweltbundesamt ist beunruhigt. Grenzwerte gehen schließlich immer davon aus, dass man nur eine bestimmte Menge von diesen Lebensmitteln isst, sagt Marike Kolossa vom Umweltbundesamt. Doch das sind nur theoretische Werte – in der Praxis könne dies ganz anders aussehen, so die Expertin. Außerdem warnt Kolossa: „Wir finden diese Stoffe in allen Menschen in Deutschland, und einige sind so hoch belastet, dass wir Entwicklungsschäden und gesundheitliche Schäden befürchten müssen.“

Einige Unternehmen wollen reagieren

Auf die Vorwürfe reagieren die betroffenen Unternehmen laut NDR abwiegelnd bis besorgt. So will der Hersteller von Bertolli Pesto alle Möglichkeiten prüfen, um die Ursache für den DEHP-Wert auszumachen. Der Produzent von Kerrygold Butter will den NDR-Test zum Anlass nehmen, um den kompletten Produktionsprozess zu überprüfen. Der Hersteller von Géramont und Saint Albray teilt indes mit, dass er die Normen des Lebensmittelrechts erfülle.

 

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