Richtig abgesichert gegen Sturmschäden

Das Orkantief ‚Joachim‘ hat in vielen Landesteilen zu Verwüstungen und Schäden in Millionenhöhe geführt. Vor allem in Süddeutschland stürzten unzählige Bäume um, Hausdächer wurden abgedeckt und Fahrzeuge zerstört. Für viele Verbraucher stellt sich nach einem solchen Sturm die Frage: Wer kommt für den Schaden auf? Und auf welchen Kosten bleibe ich unter Umständen sitzen? Wie so oft gilt auch bei Sturmschäden: Wer rechtzeitig die richtigen Versicherungen abgeschlossen hat, kann auch in stürmischen Zeiten ruhiger schlafen.

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Wer zahlt für Schäden an Immobilien und Hausrat?

Für Sturmschäden am eigenen Haus oder der Eigentumswohnung kommt ab Windstärke 8 in der Regel die Wohngebäudeversicherung auf. Bei Hauseigentümern ist sie ein absolutes Muss, Eigentümer einen Wohnung sind in der Regel über die Wohngebäudeversicherung der Eigentümergemeinschaft abgesichert. Abgesichert sind Schäden durch Feuer, Sturm, Blitzeinschlag und Hagel sowie Leitungswasser. Bei Hochwasser gehen die Versicherungsnehmer leer aus – es sei denn, sie haben zusätzlich eine Elementarschadenversicherung. Diese ist allerdings verhältnismäßig teuer und kann nicht überall abgeschlossen werden. Typische Hochwassergebiete sind bei den meisten Versicherern ausgeschlossen.

Mieter sind bei Sturmschäden an der Wohnung auf ihren Vermieter angewiesen. Der ist zwar nicht gesetzlich dazu verpflichtet, eine Wohngebäudeversicherung abzuschließen, allerdings haben die meistern Vermieter eine solche Versicherung abgeschlossen. Die Mieter werden über die Nebenkosten meist an den Versicherungsbeiträgen beteiligt.

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Für Schäden am eigenen (beweglichen) Hausrat kommt die Hausratversicherung auf. Auch sie gehört zu den elementaren und wichtigsten Versicherungen, die jeder abschließen sollte. Schließlich kommt diese Versicherung auch bei Wohnungseinbrüchen und oft sogar bei Diebstahl auf Reisen im Hotelzimmer auf. Auch Ihre durch einen Blitzeinschlag beschädigten Elektrogeräte können Sie bei der Hausratversicherung geltend machen.

Wichtig hierbei: Erstellen Sie möglichst bald nach dem eingetroffenen Schaden eine Liste aller beschädigter und zerstörter Gegenstände. Und: Entsorgen Sie nicht ihr zerstörtes Mobiliar, da es eine Beweispflicht gibt. Wenn Sie keine Möglichkeit zur Lagerung der zerstörten Sachwerte haben, dann machen Sie unbedingt Fotos oder Videos vom beschädigten Inventar. Einkaufsbelege können die Erstattung beschleunigen, also möglichst aufbewahren!

Übrigens: Die Hausratversicherung kommt für den Neuwert der beschädigten und zerstörten Gegenstände auf. Achten Sie darauf, in Ihrer Auflistung nichts zu vergessen. Gerade in der Küche und im Kleiderschrank schlummert oft ein Vermögen.

Schäden am Auto

Die KFZ-Versicherung springt bei Sturmschäden wie beispielsweise herabfallenden Ästen oder umstürzenden Bäumen ebenfalls erst ab Windstärke 8. Das sind Windgeschwindigkeiten ab etwa 60 km/h.

Bei Schäden am eigenen PKW ist eine Teil- oder Vollkaskoversicherung hilfreich. Fällt beispielsweise ein entwurzelter Baum auf Ihr Fahrzeug, können Sie die Teilkasko in die Pflicht nehmen. Das gleiche gilt, wenn Ihr Auto bei einer Überflutung von Wassermassen mitgerissen wurde und es zu Wasserschäden am Fahrzeug kam. Wenn Sie während des Sturms oder kurz danach gegen einen umgestürzten Baum fahren, gilt das als Unfall und die Vollkasko springt ein, wenn man eine hat.

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Generell gilt: Die Vollkasko ist bei Sturmschäden am Auto die cleverste Variante. Lediglich der vereinbarte Selbstbehalt wird für den Versicherungsnehmer fällig. Auch eine Teilkaskoversicherung deckt einen großen Teil des Schadens. Wer nur eine KFZ-Haftpflicht hat, geht im Falle von Sturmschäden leider leer aus.

Unterwegs während des Sturms

Reisende haben bei Stürmen leider schlechte Karten. Wer wegen der Einstellung des Bahn- oder Flugverkehrs nicht weiterkommt, kann sich nicht auf seine kompletten Fahrgastrechte berufen. Zwar haben Flugreisende bei Stornierung oder Verspätungen ab 5 Stunden das Anrecht auf einen Ersatzflug bzw. die Rückzahlung des Ticketpreises – eine Entschädigung gibt es jedoch nicht – in diesen Fällen können sich die Airlines auf höhere Gewalt berufen.

Bahnreisende trifft es im Falle eines Sturms noch härter. Entschädigungen für verspätete Züge sind bei höherer Gewalt ebenfalls nicht vorgesehen. Wer von seiner Reise zurücktritt, weil er nicht stundenlang auf einen verspäteten Zug warten will, kann sein Bahnticket meist nur gegen die üblichen Gebühren umtauschen. Bei einigen Spartickets sogar überhaupt nicht.

Immerhin: Wer eine Reise in ein Sturmgebiet gebucht hat und vorher eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat, kann kostenlos von der Reise zurücktreten, so ein Urteil des BGH (Aktenzeichen: X ZR 147/01). Dabei reicht es schon, wenn der Sturm mit hoher Wahrscheinlichkeit am Urlaubsort eintreffen wird – selbst, wenn es noch keine konkreten Sturmschäden vor Ort gibt. Sinnvoll sei es nach Ansicht der Richter allerdings auch immer, dabei die Hinweise des Auswärtigen Amtes zu beachten. Ein Laie könne in den meisten Fällen kaum einschätzen, ob am Urlaubsort tatsächlich eine Gefahr für ihn droht.

Eine Reiserücktrittsversicherung kann auch dann in Anspruch genommen werden, wenn die Urlaubsreise aufgrund von Sturmschäden zuhause nicht zumutbar ist.

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