Testsieger-Konten? Banken tricksen mit Test-Urteilen

Der Wettbewerb unter den Banken ist groß. Kein Wunder, dass sich die Geldinstitute in ihrer Werbung immer wieder mit Testsiegeln schmücken. Denn gute Testurteile gehören für viele Verbraucher zu den wichtigsten Entscheidungskriterien für die Eröffnung eines Kontos. Doch bei der Werbung mit Testurteilen wird in der Banken-Branche oft geschummelt, so die Verbraucherzentrale NRW. Die Verbraucherschützer untersuchten in einer Stichprobe Werbung und Online-Auftritte von 15 Geldinstituten. Das Ergebnis: Viele Test-Siegel erweisen sich als irritierend oder sogar irreführend, so die Verbraucherzentrale.

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Banken werben gerne mit Test-Siegeln und Auszeichnungen, um neue Kunden zu gewinnen. Superlative wie Testsieger, fairste Bank oder sogar beste Bank der Welt machen sich da besonders gut. Doch was steckt hinter den angeblichen Testsiegeln wirklich? Die Ergebnisse der Verbraucherschützer sind ernüchternd. Zum Teil sind die Testurteile sehr alt. Und in manchen Fällen wurde einfach ein fremdes Testsiegel genutzt.

Fast jede zweite Bank wirbt mit irreführenden Auszeichnungen

Als ein Beispiel nennt die Verbraucherzentrale die Werbung für das „kostenlose Girokonto“ der Comdirect-Bank auf der Startseite von t-online.de. Direkt unter dieser Werbung warb die Norisbank mit ihrem „wirklich kostenlosen Girokonto“. Beide Banken warben mit Auszeichnungen: Die Comdirect mit dem Titel „Deutschlands beste Bank, Gesamtsieger 2012“, die Norisbank mit dem Siegel „Top-Online-Girokonto 2011“. Den Wert dieser Auszeichnungen für Verbraucher schätzen die Verbraucherschützer als zweifelhaft ein.  Denn während Comdirect sich auf die Zeitschrift Euro berief, stützte sich die Norisbank auf das Konkurrenzblatt Focus Money. Für beide Girokonten-Anbieter hatte es laut Verbraucherzentrale in den Tests aber trotz „Gesamtsieger“- und „Top“-Siegel nicht einmal zum vierten Platz in der Kategorie „Girokonto“ gereicht. Ähnliche Irritationen fanden die Tester auch bei anderen Filial- und Onlinebanken.

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Gute Test-Note macht längst keinen Testsieger aus

Auf ihren Webseiten präsentieren die Geldinstitute ihre Auszeichnungen wie Trophäen. Bei einigen Banken findet man gleich Dutzende Testurteile auf der Webseite. Die Postbank hat hierfür eigens ein Archiv eingerichtet, wo sich sogar Auszeichnungen aus dem Jahr 2004 finden. Doch bei vielen Auszeichnungen und Testurteilen handelt es sich um Blendwerk, sagen die Verbraucherschützer. Was gerne als „Top-“ oder „Sieger“-Auszeichnung verkauft wird, reicht bei genauerer Betrachtung eher zu einem „Unter-ferner-liefen“, so die Tester der Verbraucherzentrale.

Als weiteres Beispiel nennen die Verbraucherschützer die Hanseatic Bank. Diese habe mit der Note „1,9“ für ihr Tagesgeldkonto geworben. Was der Verbraucher nicht erfuhr: Im Vergleichstest reichte es bei dem Tagesgeldkonto lediglich für den elften Platz, sagt die Verbraucherzentrale NRW. Ein weiteres Beispiel: Das „Top“-Siegel, mit dem die Postbank für einen Gehaltskonto-Check 2011 geworben habe, reichte laut Stichprobe gerade einmal für den siebten Platz. Und selbst über diesen siebten Platz staunen die Verbraucherschützer: Denn beim erwähnten Test des Senders n-tv sollten Guthaben- und Dispozinsen eigentlich besonders stark gewichtet werden. Doch gerade in diesen Kategorien schnitt die Postbank im Vergleich mit den 23 anderen Banken eher unterdurchschnittlich ab: schlappe null Prozent Zins aufs Guthaben, dafür aber satte 13,47 Prozent beim Dispozins sind keine guten Werte, so das Urteil der Verbraucherschützer.

Abmahnung wegen alter Testsiegel

Als weiteres Ärgernis sieht die Verbraucherzentrale die Werbung mit alten Auszeichnungen. Beinahe jedes zweite Siegel in der Stichprobe stammte aus dem Jahr 2010 oder war sogar älter. Auf solche Siegel sei in der schnelllebigen Bankenbranche aber kein Verlass. Zum Beispiel bei der VolkswagenBank. Diese bewarb mit dem Focus Money-Siegel „Beste Festgeld Bank (Anlagedauer 3 Monate)“ ihre aktuellen Konditionen. Für die Verbraucherzentrale eine dreiste Irreführung. Schließlich stamme der Sieg aus dem Jahre 2007. Das sei in der Werbung genauso wenig erkennbar gewesen wie die Höhe des VW-Bank-Zinses von 0,60 Prozent. Bei der Konkurrenz habe es indes deutlich mehr Zinsen gegeben. Daher schickte die Verbraucherzentrale der VWBank eine Abmahnung.

Im Kampf um neue Kunden schmückten sich einige der getesteten Banken sogar mit fremden Federn. Die Verbraucherzentrale monierte etwa die Auszeichnung „Beste Bank 2011“ bei der Commerzbank. Dabei war es nach Recherchen der Verbraucherschutz in diesem Fall die Tochter Commerzbank-Tochter Comdirect, die bei der ‚Euro‘-Aktion ausgezeichnet worden war. Das Prinzip funktioniert auch umgekehrt, wenn die Auszeichnung des Mutterhauses die Werbung der Tochterbank aufwerten soll. Das entdeckten die Tester der Verbraucherzentrale beispielsweise auf der Webseite der Mönchengladbacher Santander Consumer Bank: Das „Beste-Bank-der-Welt“-Siegel von Euromoney galt eigentlich der spanischen Muttergesellschaft Banco Santander. Nur wer genau hinschaute, konnte das erkennen, so die Tester.

Unüberschaubare Vielfalt und widersprüchliche Test-Ergebnisse

Die Verbraucherschützer sehen – ähnlich wie bei sportlichen Wettkämpfen – eine fast unüberschaubare Vielfalt an Disziplinen, für die sich Geldinstitute Medaillen umhängen: für „ausgezeichnete Mitarbeiterkommunikation“ (Commerzbank) oder „herausragendes Filialdesign“ (Deutsche Bank), für den „besten Online-Pressebereich „(Postbank) oder die „ausgezeichnete Computerisierung“ (Santander Consumer Bank). Einige Anbieter treiben es dabei auf die Spitze: Da locken nicht nur die ING-DiBa als „beliebteste Bank 2012“ (Euro) und die Bank of Scotland als „fairste Direktbank 2012“ (Focus Money). Das Attribut „Beste Bank 2012“ reklamieren zwei weitere Konkurrenten für sich: die GLS-Bank (Börse-Online) und comdirekt (Euro), heißt es in der Untersuchung der Verbraucherzentrale.

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Die Finanz-Magazine sind an der Flut der Auszeichnungen nicht ganz unschuldig. So hat Focus Money beispielsweise in diesem Jahr bereits 260 Geldinstitute zu „Siegern“ gekürt: und zwar beim City Contest 2012. Von Aurich bis Augsburg, von Meerbusch bis Mittweida, von der Volksbank bis zur Sparkasse dürfen sich nun massenweise Filial-Banken mit Auszeichnungen dekorieren. Die Verbraucherzentrale NRW sieht die inflationäre Anzahl der Auszeichnungen kritisch und hält sie aus Kundensicht für wenig hilfreich. Denn zum Teil widersprechen sich die Rankings deutlich. Als aktuelles Beispiel wird die Targobank erwähnt: Von Börse-Online wurde sie als „Beste überregionale Filialbank: Kategorie Sparanlagen“ gefeiert, während sie bei einer Euro-Umfrage auf dem letzten Platz landete. Ähnlich bei der Santander Consumer Bank: Während sie sich auf der Webseite mit dem „Beste Bank der Welt“-Siegel schmückt, landet sie beim Service-Vergleich von n-tv auf (dem letzten) Platz 24.

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