Tod durch Vitamin-Pillen? Wissenschaftler halten Nahrungsergänzungsmittel für gefährlich

Vitamin-Präparate haben gerade im Winter Hochkonjunktur. Schließlich lernt jedes Kind bereits in der Schule, dass Vitamine gesund sind und vor Erkältungen schützen. Daher liegt vor allem in der Erkältungszeit der Griff zur Vitaminpille ziemlich nah. Doch Experten raten davon ab und warnen: Vitaminpillen sind für gesunde Menschen nicht nur nutzlos, sie können sogar schädlich sein, so die Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. Die Autoren des SPIEGEL-Artikels berufen sich unter anderem auf eine Studien-Auswertung des Schweizer Medizinprofessors Peter Jüni. Jüni ist der Meinung, dass Vitaminpräparate „“für mehrere tausend Todesfälle pro Jahr“ in Deutschland verantwortlich sind, so das Blatt in seiner Internet-Ausgabe Spiegel Online.

„Vitamine schützen nicht vor Krebs“

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt die These, dass die gesundheitsfördernde Wirkung von Vitamin-Pillen überschätzt wird: „Die ursprüngliche Annahme, dass die antioxidative Wirkung der Vitamine vor Krebs schütze, hat sich als haltlos herausgestellt“, sagt Diana Rubin, Leiterin der Abteilung Ernährungsrisiken beim BfR. Gesunde Menschen, so das Institut, sollten auf Vitamine in Pillenform verzichten, heißt es auf der Internetseite des Instituts.

Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, teilt die Auffassung, dass Vitaminpräparate sogar gesundheitsgefährdend sein können. Er fordert mehr Aufklärung über die Gefahren von Vitamin-Präparaten; Ärzte und Apotheker seien nicht auf dem aktuellen Stand der Forschung. Lauterbach fordert Gesundheitsminister Daniel Bahr dazu auf, die Bevölkerung vor den gefährlichen Präparaten zu warnen anstatt Rücksicht auf eine kleine Lobbygruppe zu nehmen, so der SPIEGEL.

Jürgen Windeler, Leiter des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) im Gesundheitswesen, fordert sogar Warnhinweise auf den Verpackungen von Vitamin-Präparaten: „Das Schadenspotential bei langfristiger Einnahme kann man nicht mehr ignorieren“, sagt der Professor für medizinische Biometrie gegenüber dem Nachrichtenmagazin. Der oberste Arzneimittelprüfer hat 2010 die Nachfolge des Pharmalobby-Kritikers Peter Sawicki übernommen. In der Erkältungszeit, so das Institut auf seiner Homepage, schütze Händwaschen wesentlich effektiver vor Erkältungen als die Einnahme von Vitaminen.

Studie: Vitaminpräparate sind nutzlos

Eine Studie zur Wirksamkeit von Vitamin-Pillen bestätigte die Thesen der Experten bereits im vergangenen Dezember. Über einen Zeitraum von sechs Jahren wurden dabei mehr als 8.000 Probanden untersucht: Die Hälfte der Studienteilnehmer bekam über diesen Zeitraum echte Vitamin-Präparate, die andere Hälfte bekam Placebos.

Am Ende des Studienzeitraums gab es keinerlei signifikante Unterschiede beim Gesundheitszustand der Teilnehmer: Krebs oder Herzkrankheiten kamen bei beiden Gruppen ähnlich häufig vor. Auch das Wohlbefinden war bei beiden Testgruppen weitgehend gleich.

Kritiker: „Konzerne verdienen Millionen mit Vitamin-Pillen“

Catherine Collins, Ernährungswissenschaftlerin am St. Georges Krankenhaus in London, glaubt zu wissen, wer am ehesten auf den Pillen-Wahn hereinfällt: Gesunde Erwachsene, die glauben, dass sie mit teuren Pillen tödlichen Krankheiten vorbeugen können. Die Furcht vor Alzheimer, Herzinfarkt und Schlaganfällen locke gesunde Menschen in die Apotheken und Drogerien – und spülten so Millionen in die Kassen der Vitamin-Konzerne.
Dabei kann die Einnahme von Vitamin-Pillen sogar lebensbedrohlich sein: Nach Ansicht von Experten können beispielsweise Präparate mit Vitamin E, Beta-Carotin, Selen und Zink das Hautkrebs-Risiko um ein Vielfaches erhöhen.

Und Frauen, die täglich eine Vitamintablette zu sich nehmen, hätten ein bis zu 20 Prozent höheres Brustkrebs-Risiko.

Bereits im vergangenen November riet die Zeitschrift Ökotest zur Zurückhaltung bei der Einnahme von Zink-Präparaten (Verbraucher-Papst berichtete).

Nach Ansicht der Tester sei eine ausgewogene Ernährung bei gesunden Menschen völlig ausreichend sei. Von den insgesamt 25 getesteten Zink-Präparaten kam keines über die Note ‚befriedigend‘.

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3 Kommentare

  1. Peter Müller

    Pressemitteilung vom 24.01.2012
    Stellungnahme des NEM Verbandes zu Spiegel-Artikel „Vitamin €“, Der Spiegel 3/2012

    In der Ausgabe des Spiegels 3/2012 findet sich der Artikel „Vitamin €“, der einseitig und
    undifferenziert den Eindruck vermittelt, dass sämtliche Vitaminpräparate ohne Nutzen für
    die Verbraucher sind und im Gegenteil sogar gesundheitsschädlich.

    1. Der Artikel bezieht sich auf publizierte Studien, die nicht etwa neu sind, sondern
    teilweise schon Jahrzehnte alt, wie eine Studie aus dem Jahr 1994, die Risiken für
    Raucher durch die Einnahme von Vitamin E und Beta-Carotin andeutete. Es wird
    nun der Eindruck erweckt, dass die Vitamine A und Beta-Carotin generell für
    Raucher schädlich sind. Mit keinem Wort wird darauf eingegangen, dass die
    Bewertung von Beta-Carotin-Präparaten differenziert zu betrachten ist. Die
    angeblich das Risiko von allen Beta-Carotin-Produkten zeigenden Studien wurden
    nur an langjährigen extremen Rauchern und Asbestarbeitern durchgeführt.
    In der ATBC-Studie erhielten 29.133 Männer (50 – 69 Jahre bei Studienbeginn), die
    im Mittel seit 36 Jahren durchschnittlich 20 Zigaretten am Tag geraucht hatten,
    über 5 – 8 Jahre täglich 20 mg ß-Carotin sowie 50 mg Tocopherylacetat oder
    Placebo. Bei den Personen handelte es sich um Menschen mit drastisch erhöhtem
    Krebsrisiko. Andere antioxidativ bedeutsamen Nährstoffe wurden nicht zugeführt.
    Soweit in der Studie Lungenkrebsinzidenz und –mortalität als erhöht festgestellt
    wurden, muss davon ausgegangen werden, dass ein erheblicher Teil der Personen
    aufgrund des langjährigen Extremrauchens bzw. der Asbestbelastung bereits
    Krebszellen im Frühstadium in sich trug. Es ist daher davon auszugehen, dass die
    Krebserkrankungen wahrscheinlich nur vorzeitig erkannt worden sind. Eine
    Kausalität zwischen dem beschleunigten Wachstum der Krebszellen und dem
    zugeführten ß-Carotin ist dagegen nicht belegt.
    Auch in der Caret-Studie erhielten 18.314 starke Raucher (24 – 28 Zigaretten am
    Tag) und Asbest-exponierte Arbeiter über 5 Jahre täglich entweder 30 mg ß-
    Carotin plus 25.000 i.E. Vitamin A (= 7,5 mg) oder Placebo. Im Gesamtkollektiv war
    das Lungenkrebsrisiko um 28 % erhöht. Auch hier kann dies jedoch auf das
    erhöhte Risiko bei Rauchern und Asbestarbeitern zurückgeführt werden. Zum
    Beispiel konnte festgestellt werden, dass das Risiko bei ehemaligen Rauchern nicht
    erhöht war. Auch hier gilt wieder, dass die extrem hohe Gabe von Vitamin A das
    erhöhte Lungenkrebsrisiko schlüssig erklärt, da hochdosiertes Vitamin A für
    wachsende Zellen als Wachstumsfaktor bekannt ist. Ein Beleg für eine
    entsprechende Wirkung von hochdosiertem ß-Carotin oder Vitamin A in
    lebensmitteltypischen Dosierungen liegt dagegen nicht vor. Diese Wertung wird
    auch vom wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU (Scientific Committee)
    geteilt.
    Weder die ATBC-Studie, noch die Caret-Studie belegen die gesundheitliche
    Bedenklichkeit einer Zufuhr von ß-Carotin-Präparaten. Beide Studien wurden mit
    hochgefährdeten Risikogruppen durchgeführt. Es handelte sich um langjährige,
    starke Raucher mit einem Zigarettenkonsum von über 20 Zigaretten pro Tag und
    mehr über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren. Ferner wurden diese Studien
    über einen Zeitraum von 5 – 8 bzw. über 4 Jahre durchgeführt.
    Sowohl die ATBC-Studie, als auch die Caret-Studie wurden mit dem Studienziel
    durchgeführt zu bestätigen, dass durch Einnahme von ß-Carotin das
    Lungenkrebsrisiko gesenkt werden kann. Dieses Studienergebnis konnte jedoch
    nicht bestätigt werden. Einen weiteren wissenschaftlichen Beleg konnten jedoch
    diese Studien nicht begründen. Insbesondere ist nicht wissenschaftlich belegt, dass
    synthetisches ß-Carotin in hohen Konzentrationen bei starken Rauchern die
    Entstehung von Lungenkrebs verstärkt.
    Im übrigen liegen eine Vielzahl klinischer Studien vor, die die Unbedenklichkeit
    einer höher dosierten ß-Carotin-Supplementierung zeigen. In der Studie „Lack of
    effect of long-term supplementation with ß-carotene on the incidence of
    malignant neoplasms and cardiovascular disease” von Hennekens, Buhring at al.
    wurden bei einer Tagesdosierung von ß-Carotin über einen Zeitraum von 12
    Jahren keine negative gesundheitliche Auswirkung festgestellt. In dem Abstract
    heißt es hierzu:
    „Conclusions. In this trial among healthy man, 12 years of supplementation
    with ß-carotene produced neither benefit nor harm in terms of the incidence
    of malignant neoplasms, cardiovascular disease, or death from all causes.”
    Auch in dieser Studie waren Raucher als Probanden mitaufgenommen. Weder im
    Gesamtkollektiv, noch bei den beteiligten Rauchern wurde jedoch ein erhöhtes
    Lungenkrebsrisiko festgestellt.
    Das gleiche Ergebnis zeigte die klinische Studie von Lee et al. „ß-carotene
    supplementation and incidence of cancer and cardiovascular disease: the
    woman’s health study” aus dem Jahr 1999. Dort heißt es zusammenfassend:
    „Conclusion: Among apparently healthy women, there was no benefit or harm
    from ß-carotene supplementation for a limited period on the incidence of
    cancer or of cardiovascular disease.”
    Hier erfolgte eine Überprüfung über einen Zeitraum von im Schnitt 4,1 Jahren.
    In der klinischen Studie „A randomized, placebo-controlled, clinical trial of highdose
    supplementation with vitamine C and E, beta-carotene, and zinc for agerelated
    macular degeneration and vision loss. AREDS Report Nr. 8 “wird eine
    Supplementierung mit verschiedenen Vitaminen und 15 mg ß-Carotin empfohlen.
    Etwaige negative gesundheitliche Auswirkungen einer derartigen ß-Carotin-
    Dosierung wurden nicht festgestellt.
    In den großen Standardwerken der Ernährungsphysiologie wird ß-Carotin als
    Nährstoff ohne erkennbare Toxizität beschrieben (Ohlson, 1998). Auch nach der
    Übersichtsarbeit von Lachance (1998) zur Toxikologie der Mikronährstoffe ist eine
    langzeitige ß-Carotin-Zufuhr von mindestens bis 300 mg am Tag als sicher
    einzustufen.
    Auch in den jüngeren legislativen Maßnahmen der Europäischen Union im
    Lebensmittelrecht wurde ein angebliche Bedenklichkeit von ß-Carotin
    offensichtlich nicht zugrundegelegt. So hat der europäische Gesetzgeber in der
    Richtlinie 2001/15/EG vom 15. Februar 2001 die Zulässigkeit von ß-Carotin in allen
    Lebensmitteln zur besonderen (diätetischen) Ernährung ohne Mengenbegrenzung
    geregelt.
    Auch in der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung wird die Verwendung von ß-Carotin
    als Zusatzstoff in Anlage 1 in der zulässigen Höchstmenge für die Verwendung in
    Lebensmitteln nicht begrenzt. Auch dies spricht dafür, dass kein wissenschaftlicher
    Konsens für eine gesundheitliche Bedenklichkeit einer höheren Dosierung von ß-
    Carotin besteht, da sonst hier vom Gesetzgeber eine Höchstmenge vorgegeben
    worden wäre.
    Unabhängig hiervon hat sich die Wirtschaft bereits im Jahr 2001 verpflichtet, in
    Getränken nicht mehr als 2 mg isoliertes ß-Carotin pro 100 ml einzusetzen.
    Nahrungsergänzungsmittel, deren Verzehrsempfehlung über 4,8 mg isoliertes ß-
    Carotin liegt, wurden entweder mit einem Hinweis gekennzeichnet, dass dieses
    Produkt für starke Raucher nicht geeignet ist oder mit einem Hinweis
    aufgenommen, dass die Anwendung zeitlich begrenzt sein sollte. Entsprechende
    Vorgaben gelten auch für zugelassene Arzneimittel. Wenn die empfohlene
    tägliche Einnahmemenge 20 mg ß-Carotin überschreitet, sollen starke Raucher,
    auf Personen, die mehr als 20 oder mehr Zigaretten am Tag rauchen, auf das
    Medikament verzichten. Bei Arzneimitteln, die zwischen 2 und 20 mg ß-Carotin pro
    Tagesdosis enthalten, ist auf dem Beipackzettel ein Warnhinweis anzubringen, dass
    das Arzneimittel von starken Rauchern mit einem Konsum von 20 und mehr
    Zigaretten am Tag nicht über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen
    werden sollte. In dem Spiegel-Artikel wird somit völlig irreführend der Eindruck
    erweckt, dass alle Vitamin-A- und ß-Carotin-Präparate unabhängig von ihrer
    Dosierung und Kennzeichnung für Raucher schädlich wären. Dies ist schlichtweg
    falsch.
    2. Auch die publizierte Studie, wonach Vitamin E das Prostatakrebsrisiko erhöhen soll,
    wird undifferenziert wiedergegeben. Die Studie wurde durchgeführt mit
    Tagesdosierungen von 400 I.E. (268 mg Vitamin E am Tag). Hierbei handelt es sich
    nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts vom 25.07.2007 (ZLR 2008,
    S. 80 ff.) um ein pharmakologisch wirkendes Arzneimittel, das ohne Zulassung durch
    das BfArM nicht verkehrsfähig ist. Entsprechende Dosierungen sind somit für
    angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland nicht
    zulässig und nicht erhältlich. Unabhängig hiervon ist festzustellen, dass die SWOG
    (South West Oncology Group) noch prüft, ob die Vitaminkonzentrationen im Blut vor
    Studienbeginn das Risiko im Sinne einer Überversorgung erklären kann. Es ist somit
    überhaupt nicht geklärt, welche Vitaminkonzentrationen die getesteten Probanden vor
    Beginn der Studie aufwiesen. Soweit in dem Spiegel-Artikel suggeriert wird, dass alle
    Vitamin-E-Präparate, die in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel oder
    angereicherte Lebensmittel vertrieben werden, Prostatakrebs hervorrufen können, ist
    dies durch die klinische Datenlage in keiner Weise begründet.
    3. Auch wird in dem Spiegel-Beitrag der Eindruck erweckt wird, dass bereits eine
    Vielzahl von angereicherten Vitaminen oder Mineralstoffen von den Verbrauchern
    konsumiert werden. Tatsächlich fanden sich im Jahr 2010 lediglich Anteile von 6 %
    angereicherten Lebensmitteln im Markt.
    4. Soweit in dem Spiegel-Artikel ferner suggeriert wird, dass die Lebensmittelindustrie
    den Verbrauchern suggeriere, dass über eine normale Ernährung nicht
    ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zugeführt werden, ist dies ebenfalls
    unzutreffend. Den Vertreibern von Nahrungsergänzungsmitteln ist gemäß § 4 Abs. 4
    NemV ausdrücklich untersagt, Nahrungsergänzungsmittel damit zu bewerben, dass
    im Allgemeinen die Zufuhr angemessener Nährstoffmengen bei einer
    ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung nicht möglich sei.
    Tatsächlich hat der Europäische Gesetzgeber jedoch bereits in Erwägungsgrund 3
    der Nahrungsergänzungsmittel-Richtlinie 2002/46/EG festgestellt, dass eine
    geeignete, abwechslungsreiche Ernährung in der Regel alle für eine normale
    Entwicklung und die Erhaltung einer guten Gesundheit erforderlichen Nährstoffe
    enthalten sollte. Aus Untersuchungen sei jedoch hervorgegangen, dass dieser
    Idealfall in der Gemeinschaft nicht auf alle Nährstoffe und alle
    Bevölkerungsgruppen zutrifft. Der Europäische Gesetzgeber selbst hat somit darauf
    verwiesen, dass für einzelne Nährstoffe und Bevölkerungsgruppen ein erhöhter
    Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen besteht.
    Wir verweisen ferner auf die Ergebnisse der nationalen Verzehrstudie NVS II,
    wonach z.B. für die Vitamine D, E, B1 und Folsäure ein erhöhter Bedarf der
    Bevölkerung festgestellt wird. Es mag unstreitig sein, dass bei Verzehr großer
    Mengen Obst und Gemüse nicht die weitere Zufuhr von Vitaminen und
    Mineralstoffen notwendig ist. Eine solche Ernährungsform entspricht jedoch nicht
    den in Deutschland üblichen Verzehrsmustern großer Teile der Bevölkerung.
    5. In den wiedergegebenen Zitaten von Herrn Jürgen Windler vom Institut für Qualität
    und Wirtschaftlichkeit und Gesundheitswesen (IQWIG) und Herrn Peter Jüni,
    Universität Bern, wird der Eindruck erweckt, dass die Hersteller nutzlose Präparate
    herstellen würden. So heißt es in dem Artikel:
    „Die meisten unabhängigen Wissenschaftler sind sich einig: abgesehen von
    Folsäure für Frauen im gebärfähigen Alter und Vitamin D für Babys und
    Altenheimbewohner haben Vitaminpräparate keinen Nutzen, sind also schlicht
    rausgeworfenes Geld.
    Mehr noch: der Studienfachmann Peter Jüni kommt nach Auswertung des
    Cochcrain-Berichts zu dem Ergebnis, dass in Deutschland die
    Vitaminpräparate hochgerechnet „für mehrere tauschend Todesfälle pro
    Jahr“ verantwortlich sein könnten.“.
    Hierbei wird jedoch mit keinem Wort darauf eingegangen, dass im Rahmen der
    Health-Claims-Verordnung 1924/2006/EG die Europäische Behörde für
    Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Sicherheit und den Nutzen von Vitaminen und
    Mineralstoffen intensiv überprüft hat.
    In diesem Zusammenhang hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
    (EFSA) in einer Presseerklärung vom 28. Juli 2009 erklärt:
    „Christian Larsen, der Vorsitzende des EFSA-Ausschusses für Zusatzstoffe und
    Nährstoffe führt aus „Millionen von Menschen in Europa verzehren regelmäßig
    Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich zu ihrer normalen Ernährung. Die Arbeit
    des Ausschusses soll helfen sicherzustellen, dass die Quellen von Vitaminen
    und Mineralstoffen, die in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden und
    in der Europäischen Union verkauft werden, sicher sind und effektiv die
    Nährstoffe in den Körper bringen können.“.
    In der europäischen Richtlinie 2002/46/EG und der nationalen
    Nahrungsergänzungsmittel-Verordnung sind die von der EFSA getesteten und für
    sicher befundenen Vitamine und Mineralstoffe aufgelistet.
    Die zuständige höchste europäische Gesundheitsbehörde hat somit die Sicherheit
    und den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitaminen und Mineralstoffen
    ausdrücklich bestätigt.
    Darüber hinaus hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit im Rahmen
    der so genannten Health-Claims-Verordnung 1924/2006/EG den Nutzen z.B. von
    Vitamin B6, Folsäure, Eisen, Magnesium, Zink und Kupfer ausdrücklich bestätigt. So
    heißt es z.B. in einer aktuellen Bewertung der EFSA, dass Vitamin B6 zu einem
    normalen Homocysteinstoffwechsel sowie zu einem normalen Energiestoffwechsel
    sowie zu normalen psychologischen Funktionen und zu einer Reduzierung von
    Müdigkeit und Erschöpfung sowie zu einer normalen Cysteinsynthese beiträgt. Für
    Folsäure hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ausdrücklich
    bestätigt, dass Folsäure z.B. zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zu
    einer normalen Zellteilung beiträgt und eine gesunde Schwangerschaft unterstützt.
    Für die Zufuhr von Eisen bestätigt die EFSA, dass Eisen zur normalen Formation roter
    Blutkörperchen und zu einem normalen Sauerstofftransport im Körper sowie zu einer
    normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Darüber hinaus unterstützt Eisen
    sogar die normalen kognitiven Funktionen des Körpers.
    Für den Mineralstoff Magnesium bestätigt die Europäische Behörde für
    Lebensmittelsicherheit ausdrücklich, dass die Zufuhr von Magnesium unter
    anderem zur Elektrolytebalance und zu einem normalen Energiestoffwechsel sowie
    zur Aufrechterhaltung gesunder Knochen und Zähne beiträgt.
    In diesem Zusammenhang hat die EFSA lediglich die Wirkungsauslobungen
    akzeptiert, die durch wissenschaftliche Studien valide belegt waren.
    Es ist somit eine grob täuschende Darstellung des Spiegel-Artikels, dass alle
    Vitaminpräparate gesundheitsschädlich seien und keinen Nutzen aufweisen. Dies
    entspricht weder den aktuellen wissenschaftlichen Überprüfungen durch die
    zuständige europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, noch der aktuellen
    Rechtslage.
    6. Falsch ist in diesem Zusammenhang auch, wenn in dem Artikel von Frau Rubin vom
    BfR behauptet wird, dass die Hersteller im Unterschied zu Arzneimitteln nicht die
    Unbedenklichkeit ihrer Präparate nachweisen müssten, sondern die Pillen einfach
    registrieren lassen. Das Inverkehrbringen nicht sicherer Lebensmittel ist gemäß
    Artikel 14 Abs. 1 der Verordnung 178/2002/EG verboten. Jede
    Überwachungsbehörde kann mit einem Sofortvollzug den weiteren Vertrieb eines
    unsicheren Produktes sofort stoppen. Auch eine irreführende Bewerbung des
    Produktes ist nach aktueller Rechtslage gemäß § 11 Abs.1 Nr. 2 LFGB, Artikel 5, 6
    der Verordnung Nr. 1924/2006/EG verboten und kann jederzeit von den
    Überwachungsbehörden untersagt werden. Auch diesbezüglich sind somit die
    Ausführungen von Frau Rupin in dem Spiegel-Artikel falsch.
    Soweit in dem Artikel Herr Windeler ein Zulassungsverfahren fordert, ist festzustellen,
    dass eine Vielzahl der in dem Spiegel-Artikel kritisierten Dosierungen von Vitaminen
    ohnehin Arzneimitteldosierungen betreffen und nicht frei verkehrsfähige
    Nahrungsergänzungsmittel. Eine Warnung vor Vitaminpillen, wie sie von Herrn
    Windeler oder auch Herrn Lauterbach in dem Spiegel-Artikel gefordert wird, ist
    unbegründet, da die in Deutschland erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel und
    angereicherten Lebensmittel verkehrsfähig sind, gesundheitlich unbedenklich und
    in der weit überwiegenden Mehrzahl auch mit wissenschaftlich hinreichend
    gesicherter Werbung in den Verkehr gebracht und beworben werden.
    Kritisch zu bewerten sein mag, dass insbesondere durch Briefkastenfirmen aus dem
    Ausland unseriöse Präparate zum Teil über das Internet nach Deutschland
    kommen, in unsicheren Dosierungen und mit nicht verkehrsfähigen
    Zusammensetzungen oder teilweise schlecht gefälschten Präparaten unbekannter
    Herkunft. Hier würde es sicherlich Sinn machen, eine strengere Kontrolle zu fordern.
    Eine generelle in dem Artikel jedoch suggerierte Gefährlichkeit aller
    Vitaminpräparate ist schlicht Unsinn und stellt vielmehr eine Verbrauchertäuschung
    und Panikmache durch den verantwortlichen Redakteur des Spiegels dar, die
    einer seriösen Berichterstattung nicht genügt.
    Dr. Thomas Büttner Manfred Scheffler
    Rechtsanwalt und Präsident NEM e.V.
    Lebensmittelrechtlicher Beirat NEM e.V.

  2. Ich gebe Herrn recht,
    seit geraumer Zeit werden alle NEM in einem Topf geschmissen und gleichgestellt, aber es gibt da einige Unterschiede! Ich selbst nehme jetzt 20 Monate jeden Tag früh eine halbe Stunde einen Saftkonzentrat ein was sich NEM schimpfen muss und was zu 100 % aus Naturstoffen besteht, dass sind 95 % Aroniasaft und dazu kommen 39 heimische Kräuter nach Hildegard von Bingen! Und mir geht es verdammt gut seit ich das nehme! Ich gebe Allen recht das synthetische NEM nicht gut für Uns sind und sage auch, um so billiger so ein “ Vitaminpressling“ ist um so mehr Chemie ist mit drin, da sag ich auch das es sehr gefährlich ist dies zu nehmen aber natürliche NEM haben nicht diese Nebenwirkungen! Es gibt auch eine Studie aus der USA, wo auf einen Toden durch NEM (USA hat sehr viele synthetische NEM) über 42.000 Tode durch Medikamente kommen, ich betone Medikamente die uns der Arzt verschreibt, wie erklärt uns das der Med. Prof. P. Jüni

    BG Frank

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