Verbraucherschützer warnen: Telefon-Abzocke mit Gingko-Pillen

Viele Verbraucher kennen das: Eine unbekannte Nummer erscheint im Telefon-Display, man ist neugierig und geht ran und schon hat man einen aufdringlichen Menschen an der Strippe, der wahlweise Zeitschriften-Abos oder Versicherungen verkauft oder sogar behauptet, man habe den Hauptgewinn in einer Lotterie gezogen: „Ich bräuchte nur noch kurz Ihre Bankverbindung …“, heißt es dann und schon steckt man in der Abzock-Falle. Vor einer neuartigen Abo-Masche warnen seit einigen Monaten die Verbraucherzentralen: Arzneimittel-Abos per Telefon! Bevorzugte Opfer sollen Medienberichten zufolge vor allem Senioren sein. Die Wirkstoffe der chinesischen Gingko-Pflanze werden als Wundermittel gegen Altersdemenz angepriesen.

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Pillen für „bessere Durchblutung“ und „bessere Konzentration“

Die Anrufer der Pillen-Anbieter gehen bei ihrer Telefonakquise folgendermaßen vor: Zunächst werden die Vorzüge eines angeblichen Wundermittels angepriesen, das für mehr Mobilität, geistige Fitness und eine bessere Durchblutung sorgen soll. Dann wird ein günstig klingender Preis für die Probe-Monatspackung von knapp 10 Euro genannt. Was den Angerufenen jedoch oft nicht bewusst ist: Die Produkte sind für eine dauerhafte Anwendung entwickelt und auf eine langfristige Belieferung ausgerichtet. Und diese Lieferungen werden nach dem Probemonat deutlich teurer: Zwischen 50 und 100 Euro monatlich verlangen die Anbieter der angeblichen Wunderpillen im Anschluss an den ersten Probemonat. Nach Informationen der Verbraucherzentralen Thüringen und Sachsen-Anhalt sind sich die Angerufenen dessen aber überhaupt nicht bewusst. Nach Angaben der Verbraucherschützer handelt es sich um Anbieter wie Medivatis, Vitaciti, Medi-Pharm oder Helvetia vital.

Einen Monat später kommt das böse Erwachen

Nach Ablauf des kostengünstigen Probe-Monats kommt die nächste Lieferung mit einer entsprechend hohen Rechnung. Wer sich daraufhin beim Anbieter beschwert, weil er zu diesen Konditionen überhaupt keinen Vertrag abgeschlossen haben will, lernt die zuvor so freundlichen Mitarbeiter von ihrer anderen Seite kennen. Dann wird nämlich beispielsweise behauptet, den Vertragsabschluss mit einem aufgezeichneten Telefonat belegen zu können. Oder es flattern direkt Mahnschreiben und Inkassoforderungen ins Haus, wenn man sich weigert, die Anschlusslieferungen anzunehmen bzw. zu bezahlen.www.docmorris.com

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„Auch am Telefon abgeschlossene Verträge können gültig sein“, warnen die Verbraucherschützer. Allerdings muss während des Vertragsabschlusses per Telefon klar und deutlich gemacht werden, in welchem Umfang, zu welchen Kosten und mit welcher Laufzeit dieser Vertrag abgeschlossen wird. Dies zu beweisen, ist nicht ganz einfach.

Gerade ältere und einsame Menschen lassen sich auf das Gespräch mit den freundlich wirkenden Mitarbeitern von der Telefonakquise ein und sind dabei oftmals viel zu gutgläubig, so die Verbraucherzentrale und rät „dringend darauf zu achten, wofür Sie am Telefon ihre Einwilligung geben und wann sie einer Aufzeichnung dieses Gespräches zustimmen.“

Wer auf die Wirkung von Gingko-Präparaten dennoch vertraut: Internet-Apotheken bieten diverse Gingko-Präparate zu günstigen Preisen an.

Vertrag möglichst schnell widerrufen

Wer sich weiteren Ärger ersparen möchte, sollte handeln und mit Zusendung der Probelieferung sofort, möglichst nachweisbar dem angeblichen Vertragsschluss für weitere Lieferungen widersprechen und vorsorglich widerrufen. Laut Fernabsatzrecht können am Telefon abgeschlossene Verträge innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. Die Frist beginnt mit der Lieferung der bestellten Waren. Am sichersten ist der Widerruf per Einschreiben mit Rückschein, die persönliche Übergabe vor Zeugen oder gegen Empfangsbestätigung.

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