Verbraucherschützer warnen vor Inkasso-Abzocke

Inkasso-Firmen genießen bei Verbrauchern nicht den besten Ruf: unberechtigte Forderungen, unverschämt hohe Gebühren, einschüchternde Drohungen – so lauten zahlreiche Verbraucher-Beschwerden, wenn es um die Geldeintreiber-Branche geht. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hat 4000 dieser Beschwerden jetzt untersucht und kam zu einem erschütternden Ergebnis: Lediglich ein(!) mickriges Prozent der untersuchten Inkasso-Forderungen sind tatsächlich berechtigt – beim überwältigenden Rest war die Hauptforderung unberechtigt (84 Prozent) oder ließ sich nicht einmal feststellen (15%). Gerd Billen, Vorstandsvorsitzender des VZBV fordert daher: „Unseriöses Inkasso ist eine bedrohliche Plage. Abzocke und Einschüchterung müssen endlich gestoppt werden.“

Werbung

Petra H.* trifft es wie der Schlag, als sie den Brief eines bekannten dubiosen Inkasso-Unternehmens in der Hand hält: Darin wird sie aufgefordert, unverzüglich fast 160,- Euro  für eine Routenplanung zu bezahlen, die sie Wochen vorher im Internet vorgenommen hat. Ansonsten  drohe ihr ein Vollstreckungsverfahren sowie ein Schufa-Eintrag. In ihrem Spam-Ordner findet sie daraufhin die Email eines dubiosen Internet-Anbieters, in der es heißt, sie habe ein einjähriges Routenplanungs-Abo abgeschlossen – für stolze 96,- Euro im Jahr. „Das hätte ich doch nicht ahnen können“, sagt die 28-jährige Journalistin: „In Zeiten von Google Maps kommt man doch nicht drauf, dass man für eine Routenplanung fast 100 Euro bezahlen muss!“

Bei Post vom Inkasso-Büro sofort zur Verbraucherzentrale!

Die Hannoveranerin wendet sich sofort an die Verbraucherzentrale Niedersachsen, da sie im Kollegenkreis bereits von ähnlichen Abzock-Maschen gehört hat. Der Ratschlag: Schriftlich per Musterbrief widersprechen und auf gar keinen Fall bezahlen! Im Fall von Petra H. ist die Geschichte damit vorbei.

Werbung

Doch es gibt tausende anderer Fälle, in denen die Verbraucher am Ende zahlen: Entweder, weil sie sich durch falsche Formulierungen im Widerspruch angreifbar gemacht haben oder weil sie nach monatelangem Hin und Her den Spuk beenden wollten. „Viele Betroffene zahlen aus Unkenntnis und Angst selbst unberechtigte Forderungen“, sagt Olaf Weinel, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Niedersachen.

Methoden an der Grenze zur Nötigung

Wer Post von einem Inkasso-Unternehmen bekommt, ist zunächst meist wie gelähmt. Oft ist das Schreiben gespickt mit einschüchternden Formulierungen: Vom negativen Schufa-Eintrag, über das Einschalten eines Detektivs bis hin zu angedrohten Hausbesuchen ziehen die unseriösen Inkasso-Unternehmen alle Register.

Gerd Billen vom VZBV sieht diese Methoden „an der Grenze der Nötigung.“ Zumal die allermeisten Forderungen unbegründet sind. Viele der beanstandeten Inkasso-Forderungen stehen nämlich in Verbindung mit unerlaubter Telefonwerbung oder Abo-Abzock-Fallen im Internet, so die Studie des VZBV. Die Verträge seien in den meisten Fällen nichtig, die Forderungen unberechtigt.

Es gibt auch seriöses Inkasso – aber bitte fair!

Dennoch warnt Gerd Billen davor, die Branche unter Generalverdacht zu stellen: „Seriöses Inkasso ist legitim und sinnvoll“, sagt er, fügt aber hinzu, dass auch seriöse Inkassofirmen nicht ohne Regeln arbeiten dürften. Vielfach sorgen – selbst bei berechtigen Forderungen – extrem hohe Gebühren für eine Kostenexplosion der Gesamtrechnung. So verlangten Inkassounternehmen in etwa der Hälfte der ausgewerteten Fälle Gebühren, Auslagen oder Zinsen, die für die Verbraucherschützer nicht nachvollziehbar waren:

So wachsen Bagatellforderungen zu Beträgen von mehreren Hundert oder gar tausend Euro an. Ein Beispiel: Die Hauptforderung belief sich auf 20,84 Euro, am Ende wurde die Zahlung von 1.200 Euro verlangt. Fachleute nennen das „angeschwollene Bagatellforderung“.

Werbung

In der vorliegenden Untersuchung des VZBV bezogen sich die mit weitem Abstand meisten Beschwerden auf die Deutsche Zentral Inkasso GmbH. Auf sie entfielen 40 Prozent der Verbraucherbeschwerden. 15 Prozent der Beschwerden betrafen nicht registrierte Inkassounternehmen. Insgesamt waren 116 Inkassounternehmen beteiligt.

 

*Name von der Redaktion geändert

Check Also

Sicheres Fahrradschloss

Fahrradschlösser-Test: Stiftung Warentest findet nur vier gute

Fahrradschlösser sind wichtig. Sie sollten sicher sein und nicht einfach geknackt werden können. Doch leider …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.