Vorsicht Abzocke: Abofalle Gratis-App

Wann fährt die nächste U-Bahn? Wie wird morgen das Wetter? Und wie steht es gerade um meine Aktien? Für fast jede Lebenslage eines Verbrauchers gibt es mittlerweile ein kleines Programm fürs Handy, eine App. Vom einfachen Sudoku-Spiel bis zur anspruchsvollen Navigations-Software finden sich auf den Verkaufsplattformen der großen Anbieter Hunderttausende mehr oder weniger nützliche Programme, die das Smartphone noch besser machen sollen. Viele davon sind gratis. Doch für manch einen Verbraucher können gerade diese Gratis-Apps zu einem teuren Spaß werden!

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Eine kurze Berührung genügt und schon steckt man in der Abo-Falle

Der Stuttgarter Thomas S. lädt sich Anfang September im App-Store ein kleines Gratis-Spiel herunter. Die wechselnden Werbe-Einblendungen am unteren Bildschirmrand nimmt er dafür gerne in Kauf, schließlich stört ihn das beim Spielen nicht und die werbefreie Version der App ist ihm mit 1,59 Euro zu teuer. Was er jedoch nicht ahnt: Am Ende des Monats soll ihn ausgerechnet die Gratis-Version noch sehr viel mehr kosten.

15,96 Euro im Monat für Klingelton-Abo

Als Thoms S. sich wie jeden Monat die Mobilfunk-Rechnung auf seinen PC herunterlädt, staunt er nicht schlecht: Unter dem Punkt „Andere Leistungen“ erscheint zusätzlich zu den normalen Handygebühren eine Summe von 15,96 Euro, die bereits vom Konto abgebucht ist. „Ich habe sofort bei meinem Anbieter angerufen und um Aufklärung gebeten“, sagt der 32-Jährige.

Beim Telefonat mit der Service-Hotline findet Thomas S. heraus, dass er wohl ein kostenpflichtiges Abo bei einem Klingelton-Anbieter abgeschlossen habe. Kostenpunkt: 3,99 Euro pro Woche! Nach einer kurzen Recherche in einem Internetforum erfährt er, dass man in solchen Fällen die Mobilfunk-Rechnung von der Bank zurückbuchen lassen sollte und anschließend nur die Handygebühren abzüglich der sogenannten „anderen Leistungen“ an den Anbieter überweist.

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Der Mobilfunk-Anbieter verdient mit

Wenige Tage spättert flattert vom Mobilfunk-Anbieter eine Mahnung in den Briefkasten von Thomas S. : Er solle die Drittanbieter-Kosten zuzüglich Mahngebühren innerhalb von 7 Tagen überweisen. „Ich war total sauer auf meinen Anbieter“, sagt Thomas S., „schließlich bin ich seit 12 Jahren Kunde bei denen!“

Erst in einem Gespräch mit der Verbraucher-Zentrale erfährt Thomas, dass er sein Geld wahrscheinlich nicht zurück bekommt. Der Grund: Sein Mobilfunk-Anbieter hat ein sogenanntes WAP-Billing-Abkommen mit dem Abofallen-Betreiber.

Somit führt der Mobilfunk-Anbieter lediglich das Inkasso für den sogenannten Mehrwehrt-Dienst aus – für beide Seiten ist das ein lukratives Geschäft, denn die Netzbetreiber erhalten für die Inkasso-Leistung Provisionen. Nur der Verbraucher schaut am Ende in die Röhre.

Verbraucher-Tipp: Drittanbieter sperren lassen

Immerhin hat die Verbraucherzentrale noch einen nützlichen Rat für Thomas S.: Bei einigen Netzbetreibern kann man die sogenannten Drittanbieter-Dienste sperren lassen. Das hat der 32-Jährige dann auch sofort telefonisch veranlasst. Leider ist das in Deutschland nicht bei allen Mobilfunk-Anbietern möglich.

Weitere Verbraucher-Tipps gegen die App-Zocke

Laut dem Vergleichsportal verivox bieten derzeit folgende Netzbetreiber die Möglichkeit an, sogenannte Mehrwert-Dienste sperren zu lassen: Bei der Telekom, Vodafone und O2 reicht hierzu ein Anruf bei der Service-Hotline. E-Plus bietet seinen Kunden lediglich an, einzelne Drittanbieter zu sperren. Für Prepaid-Kunden gelten oft gesonderte Regeln, die beim jeweiligen Anbieter erfragt werden sollten.

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Das Computer-Magazin c’t (Heft 24/11) berichtet, dass es derzeit keine belastbaren Gerichtsurteile zum WAP-Billing gibt. Daher sei es nicht empfehlenswert, die Gebühren für die Mehrwert-Dienste von der Bank zurückbuchen zu lassen. Denn im schlimmsten Fall kann der Netzbetreiber die SIM-Karte sperren lassen. Der Verbraucher sollte stattdessen das vermeintliche Abo sofort beim Anbieter sowie beim Netzbetreiber widerrufen.

Das RTL-Magazin stern-TV testete in einer Stichprobe 100 Apps und kam dabei zu dem Ergebnis, dass jede fünfte Gratis-App betroffen sei. Die Tester erwähnten dabei die Werbeeinblendungen der Anbieter Jamba, Selfisch SAS und Joker Quiz. Betroffen seien die beliebten Apps Talking Tom (angebliches Gratis-Logo), Vier Gewinnt (Liebesbarometer für 4,99 Euro/Monat), Froggy Jump sowie eine Bier-App.

Boombranche Smartphone-Apps

Spätestens seit der Einführung des iPhone 4s und dem anschließenden Hype um den neuen Apple-Bestseller ist klar: Die Smartphone-Branche boomt! Der Branchenverband Bitkom prognostiziert, dass die Verkaufszahlen in Deutschland noch im laufenden Jahr 2011 die 10-Millionen-Grenze durchbrechen werden. Somit wäre jedes dritte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone – Tendenz steigend. Gleichzeitig explodiert die Anzahl der angebotenen Apps, die bei den jeweiligen Anbietern heruntergeladen werden können: Der Android-Market hat mittlerweile 510.000 Apps im Angebot, in Apples App-Store waren es im Sommer immerhin 450.000 Apps.

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