Vorsicht Verbraucher-Abzocke: Analoges Kabelfernsehen bleibt!

Im Fernsehen laufen im Moment viele Werbespots, die die Analogabschaltung, also die Abschaltung des analogen Fernsehsignals für Ende April 2012 ankündigen. Gemeint ist das analoge Satellitensignal. Alle Verbraucher, die über einen Astra- oder Eutelsat-Satelliten ihr TV-Programm empfangen, müssen bis dahin auf digitalen Empfang umgestellt haben. Das analoge Kabelfernsehen wird jedoch nicht umgestellt. Die Verwirrung darüber nutzen windige Vertreter von Kabelfirmen, um Verbrauchern das teurere digitale Kabelfernsehen anzudrehen.

Werbung

„Entweder Sie unterschreiben sofort oder ich klemme ab“

Mit diesen Worten wurde Martina N.* vom Vertreter Akgün Ö.* der Kabelfirma eines Abends an der Tür begrüßt. Der Vetreter hielt Martina N. einen zur Unterschrift vorbereiteten digitalen Kabelvertrag unter die Nase. Der Vertreter erklärte der verdutzten Hausfrau, dass er im Auftrag des Kabelbetreibers heute das gesamte Mietshaus auf digitales Kabelfernsehen umstellen muss. Das analoge Kabelfernsehen würde ohnehin im Mai in ganz Deutschland abgeschaltet und daher müssten die Arbeiten nun schnell Haus für Haus durchgeführt werden. Der analoge Anschluss würde heute noch abgeklemmt. Martina N. hätte dann kein Fernsehen mehr und es würde aufgrund der hohen Arbeitsbelastung dauern, bis ein anderer Installateur das Fernsehen wieder feischalten würde, so der windige Vertreter.

Martina N. bat um Bedenkzeit und wollte den Vertrag zum Durchlesen behalten. Der Vertreter lehnte dies ab und teilte ihr mit, dass sie noch eine halbe Stunde Zeit hätte. Danach würde ihr analoger TV-Anschluss stillgelegt. Zwischenzeitlich kam der Ehemann von Martina N.*, Torsten N*. von der Arbeit nach Hause und schaltete sich ein. Ohne den Vertrag in aller Ruhe geprüft zu haben, wollte natürlich auch er nicht unterschreiben. Der Vetreter Akgün Ö.* wurde nun ausfallend. Es hätten bereits alle anderen Parteien im Haus unterschrieben und er drohte nun massiv damit, das Kabelfernsehen direkt zu sperren, obwohl Familie N. über die Nebenkosten für das Kabelfernsehen zahlte. Torsten und Martina N.* blieben standhaft und unterschrieben nicht. Leider machte auch der Vertreter Akgün Ö.* seine Drohung wahr und klemmte die beiden den Kabelanschluss ab.

Werbung

„Freie Vermittler“ im Einsatz – Kabelfirma entschuldigt sich

Familie N.* informierte sofort den Vermieter. Danach klingelten die beiden bei den ebenfalls betroffenen Nachbarn. Es stellte sich heraus, dass im Haus tatsächlich alle bis auf eine weitere Partei die neuen, teureren Verträge unterschrieben hatten. Die meisten Mieter im Haus sind weit über 70 Jahre alt und die Drohung, auf lange Sicht kein Fernsehen empfangen zu können, schüchterte sie ein. Torsten N.* rief daraufhin die Kabelfirma an, die sich den Vorfall nicht erklären konnte. Es müsse sich um einen „freien Vermittler“ handeln, der nicht im Auftrag der Firma unterwegs sei. Glücklicherweise hatte sich Torsten N.* die Visitenkarte des Vertreters geben lassen und konnte nun der Mitarbeiterin der Kabelfirma die Daten des „inoffiziellen“ Mitarbeiters auf der offiziellen Visitenkarte des Kabelbetreibers durchgeben. Die Kabelfirma entschuldigte sich bei Familie N.* und noch am selben Abend wurde das analoge Kabelfernsehen wieder angeklemmt.

Analoges Kabelfernsehen bleibt

Der Vorfall zeigt: Die Verwirrung um die Analogabschaltung ist groß in Deutschland. Dabei ist es ganz einfach: Nur das analoge Satellitenfernsehen wird zum 1. Mai 2012 abgestellt, das analoge Kabelfernsehen bleibt aber weiter „On-Air“. Zum 1. 5. 2012 wird also niemand, der in Deutschland an seinem alten analogen Kabelfernseh-Anschluss festhält, vor einer dunklen Mattscheibe sitzen. Also Finger weg von entsprechenden Angeboten, die unter dem Hinweis, das analoge Kabel würde abgestellt, angepriesen werden.

Selbstverständlich kann man sein analoges Kabelfernsehen auf digitales Kabelfernsehen umstellen, muss dies aber nicht tun. Für Kabelfernseh-Kunden ändert sich also im Mai 2012 erst einmal gar nichts. Wenn überhaupt, so soll das analoge Kabelfernsehen der großen Anbieter frühestens 2014, wahrscheinlich aber eher deutlich später, abgeschaltet werden.

Satelliten-TV jetzt schnell umstellen

Ab dem 1. 5. 2012 gibt es in Deutschland nur noch digitales Satellitenfernsehen. Bis dahin müssen alle Satellitenanalagen umgerüstet oder erneuert sein, sonst sitzt man vor der schwarzen Mattscheibe. Alle, die noch eine alte Schüssel mit altem Signalübersetzer haben, sollten diese schleunigst austauschen. Viele haben zwar bereits umgerüstet, Experten gehen aber davon aus, dass aktuell noch rund 2,5 Millionen Deutsche ihre analogen SAT-Anlagen auf dem Dach noch immer nicht umgerüstet haben. Dafür haben sie nun noch gut fünf Monate Zeit.

Eine Umrüstung kann unproblematisch sein, jedoch manchmal auch schwierig. Das hängt hauptsächlich daran, wie alt die Fernseh-Verteil-Anlage im Haus ist. In jedem Fall müssen folgende Komponenten ausgetauscht werden:

Werbung
  • Der Signalübersetzer, also das LNB (Low Noice Block) oder das LNC (Low Noise Converter) vorne an der Schüssel.
  • Der Multischalter (falls vorhanden), der das Signal von der Schüssel auf mehrere Fernsehbuchsen verteilt.
  • Der Satelliten-Receiver (SAT-Receiver), der im Wohnzimmer auf oder unter dem Fernsehgerät steht.

Im Großen und Ganzen ist eine Umrüstung kein großes Problem. Ein Fernsehinstallateur oder Elektriker erledigt die Arbeiten in der Regel in einer Stunde. Auch ein geübter Laie kann die notwendigen Arbeiten durchführen. Die Kosten sind bei der Do-it-yourself-Variante überschaubar: Ab 10 Euro gibt es bereits digitale Signalübersetzer (LNB/LNC) im Handel zu kaufen. Beauftragt man einen Fachbetrieb, ist man ab 80 Euro dabei.

(*Namen von der Redaktion geändert)

Check Also

Sicheres Fahrradschloss

Fahrradschlösser-Test: Stiftung Warentest findet nur vier gute

Fahrradschlösser sind wichtig. Sie sollten sicher sein und nicht einfach geknackt werden können. Doch leider …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.