Verspätung Bahn

Wie pünktlich war die Deutsche Bahn 2011?

Verbraucher schimpfen immer wieder über die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn. Wahrnehmung und Zahlen scheinen in diesem Punkt weit auseinander zu klaffen. Denn wenn es nach der Statistik der Stiftung Warentest geht, fuhren 2011 vier von fünf Fernzügen pünktlich. Laut Stiftung Warentest gibt es allerdings große Unterschiede in Sachen Pünktlichkeit: Ausschlaggebend sind die Art des Zuges sowie die Region. Im vergangenen Jahr 2011 hat die Stiftung Warentest an 20 wichtigen Bahnhöfen mehr als 2 Millionen Ankunftszeiten von Zügen überprüft. Spitzenreiter waren Stralsund und Freiburg. Die meisten Verspätung hat der Hauptbahnhof Hamburg aufzuweisen.

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Stralsund, Freiburg und Leipzig hatten 2011 die pünktlichsten Züge

Man muss schon weit im Norden oder wahlweise weit im Süden mit der Deutschen Bahn unterwegs sein, um halbwegs pünktlich anzukommen, so das Fazit der Tester. In Stralsund kamen demnach durchschnittlich 85 Prozent der Fernzüge pünktlich oder mit wenigen Minuten Verspätung an. Die Intercity-Züge, die in Stralsund ankamen, hatten lediglich zu 15 Prozent eine Verspätung von mehr als 6 Minuten. Für die Tester durchaus gute Werte, wenn man bedenkt, dass sich die Strecken nach Stralsund zum Teil über einige hundert Kilometer durchs Land ziehen.

Ebenfalls gut abgeschnitten hat der Zugverkehr in den Südwesten. Die Intercity-Züge mit dem Ziel Freiburg im Breisgau erreichten überdurchschnittlich oft pünktlich den Bahnhof: Lediglich 18 Prozent der Fernzüge kamen laut Stiftung Warentest hier mit einer nennenswerten Verspätung an.

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Immerhin noch auf Platz 3 kommt in der Pünktlichkeits-Statistik der Tester die Messestadt Leipzig. Die Verspätungsquote im Fernverkehr liegt hier zwar ebenso niedrig wie in Freiburg (18 Prozent), allerdings hinkt der Regionalverkehr in Leipzig den Freiburgern hinterher: 10 Prozent der Regionalzüge kamen 2011 in Leipzig unpünktlich an, in Freiburg waren es nur 8 Prozent.

Milder Winter – pünktliche Züge

In einigen Fällen – wie beispielsweise Leipzig – hat sich die Pünktlichkeit der Züge im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Nach Ansicht der Stiftung Warentest lag das auch am vergleichsweise milden Winter. Vor allem der Verkehr im Dezember sei so pünktlich wie schon lange nicht mehr gewesen. Zwischen Weihnachten und Silvester lag die Pünktlichkeitsquote der Fernzüge an allen 20 getesten Bahnhöfen bei über 90 Prozent. Am pünktlichsten kamen die Züge im Jahr 2011 am 26.12.2011, also am ersten Weihnachtsfeiertag. Im sehr kalten und verschneiten Winter 2010 war die Pünktlichkeitsquote an Weihnachten bei Weitem nicht so gut – damals verspätete sich wochenlang fast jeder zweite Fernzug deutlich.
Das große Vorbild in Sachen Bahnverkehr ist nach wie vor die Schweiz – und diesem Musterbeispiel konnte 2011 die Deutsche Bahn recht gut nacheifern. Bei günstigen Witterungsbedingungen rollt der Bahnverkehr hierzulande fast so gut wie bei den Eidgenossen. Bahnvorstand Homburg erwähnte bei der Vorstellung der Zahlen die „wesentlich höhere Verfügbarkeit des Schienennetzes“ im vergangenen Jahr. Es habe wenige Baustellen gegeben und eine geringere Anzahl von Güterzügen 2011. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Gut ausgebautes Schienennetz = pünktliche Züge!

Streckenausbau lässt immer noch zu wünschen übrig

Tatsächlich fehlt für einige notwendige Streckenbauprojekte bei der Bahn das Geld- und das obwohl die Deutsche Bahn erst kürzlich die Ticketpreise erhöht hat (Verbraucher-Papst berichtete). Viele Experten kritisieren, dass zu wenig in Streckenneubau und Streckensanierung investiert werde. Engpässe an Knotenpunkten, eingleisige Streckenabschnitte und technische Störungen der unterschiedlichsten Art bremsen den Zugverkehr immer wieder.

Eine schlechte Nachricht gibt es daher auch: Die Bahn wird in den kommenden Monaten wahrscheinlich nicht mehr so pünktlich sein können wie zuletzt im Dezember. Das deutet zumindest eine aktuelle Presseerklärung der Deutschen Bahn an: Die Anzahl der Baustellen und der Güterverkehr würden demnächst wieder deutlich steigen. Das führt wiederum zu einer höheren Auslastung des Streckennetzes und wahrscheinlich auch wieder zu mehr Verspätungen.

Pünktlichkeits-Statistiken der Deutschen Bahn klingen besser

Während die Stiftung Warentest im Jahresdurchschnitt 2011 für Fernzüge an 20 Bahnhöfen eine Verspätungsquote von etwa 24 Prozent ermittelte, kam die Deutsche Bahn für das Gesamtnetz in ihrer eigenen Jahresstatistik auf nur 20 Prozent. Dieser Unterschied sei laut Stiftung Warentest ein Indiz für die häufige Überlastung der wichtigen Knotenpunkte.

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Für Bahnkunden sind die Pünktlichkeitswerte der verschiedenen Zugarten besonders spannend. In älteren Untersuchungen schnitt ausgerechnet das Flagschiff der Deutschen Bahn, also der ICE besonders schlecht ab. Anders im letzten Quartal des Jahres 2011: Hier erreichte der InterCityExpress ähnliche Pünktlichkeitswerte wie IC- und EC-Züge. Die absoluten Schlusslichter unter den Fernzügen waren die City-Nightline-Nachtzüge.

Am pünktlichsten fahren die Regionalbahnen: Im Sommer wie im Winter kamen sie immerhin zu 93 Prozent pünktlich an oder verspäteten sich höchstens um einige Minuten. Lediglich 7 Prozent der Regionalbahnen waren 6 Minuten oder mehr verspätet. Die Regionalexpresszüge legen relativ weite Wege zurück. Dafür waren sie aber etwas unpünktlicher. Der Durchschnittswert für alle Regionalverkehrszüge an den 20 getesten Bahnhöfen: 12 Prozent mit deutlichen Verspätungen. Recht pünktlich war der Nahverkehr vor allem im Südwesten, in Saarbrücken, Mannheim und Freiburg.

Bahnpünktlichkeit im Jahr 2011

BahnhofVerspätung Fernverkehr in %Verspätung Regional-
verkehr in %
Durchschnitts-Wert aller Ankünfte 2412
Stralsund1510
Freiburg188
Leipzig1810
Magdeburg2012
Nürnberg2013
Stuttgart2210
München2211
Frankfurt Flughafen 2215
Hannover2313
Frankfurt / Main 2314
Mannheim249
Erfurt2412
Bremen2511
Köln2511
Dresden2513
Saarbrücken266
Dortmund2613
Kassel-Wilhelmshöhe2712
Berlin2715
Hamburg3115
20 wichtige Bahnhöfe im Vergleich - Quelle: Stiftung Warentest

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