Zink-Präparate doch nicht so gesund?

Anfang des Jahres titelten die großen Zeitungen „Zink hilft gegen Erkältungen“. Hintergrund war eine Studie von indischen Wissenschaftlern. Selbst diese kamen aber damals zu dem Schluss, dass die Daten nicht ausreichen, um den Verbrauchern eine allgemeine Empfehlung zur Anwendung von Zink bei Erkältungserkrankungen auszusprechen. Die Schlussfolgerung der deutschen Presse war daher etwas voreilig. Denn wer sich die Studien zu den Zink-Präparaten genauer anschaut, stellt fest, dass die tatsächlichen gesundheitlichen Effekte äußerst gering sind, so Ökotest in seiner heute erscheinenden Ausgabe.

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Insgesamt 25 Nahrungsergänzungsmittel mit Zink getestet

Um zu sehen, was Zink/Vitamin C – Kombipräparate tatsächlich taugen, hat Ökotest 25 auf dem deutschen Markt erhältliche Produkte eingekauft. Gepüft wurde zunächst, wieviel Zink und Vitamin C sich in den verkauften Präparaten befindet. Auch die Fragen „Was verspricht der Hersteller?“ und „wem nutzt die Einnahme der Präparate?“ sollten beantwortet werden. Die Präparate wurden allesamt in Drogerien, in Apotheken, Reformhäusern und bei Discountern gekauft.Es wurden nur Zink und Vitamin C berücksichtigt, andere Zusatzstoffe nicht.

Kein Mittel „gut“ oder „sehr gut“

Keines der getesteten Produkte kam über die Note „befriedigend“ hinaus. Schlimmer noch: Die meistern der Zink-Vitamin-C-Präparate erhielten die Noten „mangelhaft“ und „ungenügend“. Der Hauptgrund war der fehlende Beleg der Wirksamkeit. Zwei Drittel der Präparate enthielten laut Ökotest zudem eine zu hohe Zink-Konzentration, ein Drittel einen zu hohen Anteil an Vitamin C. Da es allerdings keine gesetzlichen Regelungen oder Höchstgrenzen gibt, beruft sich Ökotest hierbei auf die Empfehlungen des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR), das Zink in die höchste Risikoklasse unter den Nährstoffen einordnet, da Zink bei erhöhter Einnahme zu Kupfermangel und damit zu Unregelmäßigkeiten im Blutbild führen kann. Die empfohlene Höchstdosis pro Tag für Zink laut BfR liegt bei 2,25 mg. In einigen der getesteten Produkte lag sie bei bis zu 10 mg.

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Produkte nicht wirkungsvoll

Die untersuchten Werbeversprechungen der Anbieter, dienen laut Ökotest lediglich dem Marketing und haben keinerlei Wirkung. Aussagen wie „zur Unterstützung der Abwehrkräfte“ oder „besonders wichtig bei nasskalter Witterung“ sind reine Werbesprüche und können nicht wissenschaftlich belegt werden. Weder schütze die Einnahme von Zink und Vitamin C vor Erkältungen, noch verkürze sie deren Dauer, so Ökotest.

Auch die sogenannten Depot- oder Langzeitkapseln, mit denen für eine angeblich über den Tag gleichmäßige Zink- und Vitamin C-Versorgung im Körper geworben wird, seien nicht wirkungsvoll. Laut Ökotest bringen die „Zeitperlen“ oder ähnliche Produkte dem Verbraucher keinerlei Vorteile.

Ökotest rät zu Zurückhaltung

Für eine vorbeugende Wirkung von Zinkpräparaten bei etwaigen Erkältungserkrankungen gibt es laut Ökotest keine eindeutigen Belegen – die vorliegenden Studien reichten dafür nicht aus. Wer sich gesund und ausgewogen ernähre, der brauche die getesteten Zink+C-Produkte nicht.

Zink ist vor allem in Fleisch enthalten. Vegetarier können sich über Eier, Milch und Käse ausreichend mit Zink versorgen. Vitamin C extrahiert der Körper vor allem aus Obst und Gemüse. Besonders reich an Vitamin C sind Hagebutten und Sanddorn, aber auch die schwarze Johannisbeere und Erdbeeren verfügen über sehr viel Vitamin C.

Einen Zinkmangel kann nur ein Arzt feststellen. Menschen mit Darmerkrankungen, Neurodermitis und Diabetiker sind häufig betroffen. In solchen Fällen werden dann aber eher hochdosierte Zink-Präparate aus der Apotheke zur Behandlung eingesetzt.

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