Rekord-Benzinpreise: Kennzeichenklau nimmt zu

Der Kennzeichendiebstahl in Deutschland nimmt zu. Allein in NRW wurden im vergangenen Jahr 11.000 Nummernschilder gestohlen. Die Nummernschilder werden von den dreisten Dieben einfach samt der Halterung abegebrochen, um damit anschließend Verbrechen wie beispielsweise Spritklau zu begehen. In einigen Fällen sind die Diebe hinter der TÜV-Plakette her, die am hinteren Kennzeichen angebracht ist. Wurde nur das vordere Nummernschild gestohlen, wird damit mit großer Wahrscheinlichkeit jedoch Benzin geklaut. Die enorm gestiegenen Benzinpreise treiben auch die Zahl der Tank-Diebstähle in die Höhe. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen meldet für Januar und Februar 2012 rund 60 Prozent mehr Fälle von Benzinklau als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2010 ist der Sprit-Diebstahl sogar um 140 Prozent gestiegen.

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Kennzeichendiebstahl boomt aufgrund hoher Spritpreise

Die hohen Spritpreise machen offenbar kriminell. Es vergeht fast keine Nacht, in der nicht Sprit geklaut wird an der Aral-Tankstelle an einer Düsseldorfer Ausfallstraße. Die Tankstelle wird zwar rund um die Uhr überwacht mit mehreren Videokameras, doch das schreckt die Diebe nicht. Tankwart Rainer Wentzel* kennt die Tricks der Betrüger. „Oft fahren die mit abgeklebten oder gestohlenen Kennzeichen auf den Hof. Die Täter haben meistens irgendwelche Mützen auf, steigen kurz aus, tanken und fahren dann wieder weg“. Die Kameras haben dann zwar ein ungenaues Bild vom Täter sowie das KfZ-Kennzeichen – stellt sich aber später heraus, dass das Nummernschild gestohlen war, bleibt der Tankstellenpächter auf den Kosten sitzen.

CarCredit der Santander Consumer BankDoch der Tankwart ist dabei nicht der einzige Geschädigte. Die Nummernschilder, die für die miese Masche von den Verbrechern verwendet werden, sind zuvor irgendwo gestohlen worden. „Das ist eine riesen Schweinerei“, so Tim Behrens*, der am Wochenende Opfer eines Kennzeichendiebstahls wurde. „Bei mir wurde das vordere Kennzeichen über Nacht vom Auto abgebrochen, samt Halterung“, so der 21-jährige. „Jetzt muss ich von Amt zu Amt rennen. Der ganze Spaß kostet mich fast 100 Euro“. Geld, dass der Student nicht hat und das er sich nun leihen muss. Da die Täter bei ihm nur das vordere Kennzeichen gestohlen haben, darf er zwar mit seinem Auto noch fahren, muss jedoch so schnell wie möglich ein neues Kennzeichen beantragen. Auch die Autonummer ist weg. Tim Behrens* muss sich jetzt eine neue suchen. Das romantische Wunsch-Kennzeichen, das ihn an den Jahrestag mit seiner Freundin erinnert, ist erstmal futsch. Aufgrund der Strafanzeige, die der Student gestellt hat, ist sein altes Kennzeichen nun für 10 Jahre gesperrt. Werden die Täter geschnappt, müssen sie für den Schaden des Studenten aufkommen.

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Bei Kennzeichendiebstahl sofort die Polizei verständigen

Werden die Täter geschnappt, so müssen diese auch für den Schaden von Tim Behrens* aufkommen. Doch die Kennzeichendiebe werden nur selten gefasst. Nach Angaben der Berliner Polizei beträgt die Aufklärungsquote bei solchen Delikten gerade einmal magere vier Prozent. Dennoch rät Polizei-Sprecher Michael Merkle: „Wenn sein Kennzeichen gestohlen worden ist, sollte der betroffene Autofahrer sich sofort bei uns melden“. Denn nur so bekommt der Bestohlene eine Vorgangsnummer, die ihn im Nachhinein vor weiteren unangenehmen Überraschungen schützt. „So kann der Autofahrer natürlich nachweisen, dass nicht er, sondern ein unbekannter Dieb mit dem Kennzeichen Benzin an der Zapfsäule gestohlen hat“, erklärt Polizei-Sprecher Merkle.

Nummernschild gestohlen? Das müssen Sie tun!

Wenn Sie feststellen, dass ein oder beide Nummernschilder an Ihrem Wagen gestohlen wurden, müssen Sie rasch handeln und einige Dinge beachten.

  • Suchen Sie zunächst die Umgebung Ihres Autos ab. Manchmal handelt es sich beim Kennzeichen-Klau nur um einen Dumme-Jungen-Streich oder eine Mutprobe und das Nummernschild liegt im nächstgelegenen Gebüsch oder Vorgarten.
  • Wenn das erfolglos war, muss der Diebstahl angezeigt werden. Das geht nur persönlich auf der zuständigen Polizeiwache. Hierfür benötigen Sie die Zulassungsbescheinigung Teil 1 (früher: Fahrzeugschein), sowie den Pass oder Personalausweis. Können Sie nicht selbst zur Polizei, braucht die von Ihnen beauftragte Person eine Vollmacht von Ihnen.
  • Die Polizei nimmt eine Anzeige gegen Unbekannt auf. Das Delikt ist „einfacher Diebstahl an Kraftfahrzeugen“ nach § 242 StGB. Für die Anzeige ist es wichtig, dass Sie wissen, wo das Auto zum Zeitpunkt des Kennzeichendiebstahls abgestellt war und wann vermutlich der Diebstahl passiert ist. Wichtig: Wurde nur ein Kennzeichen gestohlen, dürfen Sie mit ihrem Auto noch fahren. Sind beide Nummernschilder weg, darf das Auto nicht mehr im öffentlichen Raum bewegt werden!
  • Die Polizei händigt daraufhin eine sogenannte Bescheinigung über die Erstattung einer Anzeige aus. Diese ist kostenlos und wird benötigft, um vom Straßenverkehrsamt anschließend eine neue Zulassung zu bekommen.
  • Danach sollten Sie unbedingt auch ihre KfZ-Versicherung informieren. Wenn mit den gestohlenen Kennzeichen durch die Diebe ein Unfall verursacht wird, so würde dieser über Ihre Autoversicherung abgerechnet. Ist das gestohlene Kennzeichen bei der Versicherung gesperrt, kann dies nicht mehr passieren.
  • Der nächste Gang führt Sie zur Zulassungsstelle. Dort benötigen Sie die Bescheinigung der Polizei, dass Ihr Nummernschild oder Ihre Nummernschilder als gestohlen gemeldet wurden, Ihren Ausweis, den TÜV-Prüfbericht (HU-Bericht), die Zulassungsbescheinigung Teil I/Fahrzeugschein, die Zulassungsbescheinigung Teil II/Fahrzeugbrief, sowie im Fall, dass nur ein Kennzeichen gestohlen wurde, das andere Kennzeichen.
  • Die Kosten sind unterschiedlich. Die Prägung neuer Kennzeichen kostet derzeit rund 35 Euro. Hinzu kommen noch Verwaltungsgebühren von knapp 30 Euro sowie bei notwendigem Tausch der alten in neue Papiere rund 35 Euro. Für ein Wunschkennzeichen werden nochmal 10 Euro fällig. Insgesamt kommen also Kosten von über 100 Euro auf einen zu. Theoretisch übernimmt die Teilkasko die Kosten für die neuen Nummernschilder, allerdings abzüglich einer in der Regel vereinbarten Selbstbeteiligung. In der Praxis bleibt man also auf den Kosten sitzen bis der Täter geschnappt ist.

Die Polizei empfiehlt übrigens, die Nummernschilder fest mit der Karosserie zu verschrauben. Die Plastikhalterungen sind oft kein Hindernis für Diebe und können schnell aufgebrochen werden. Allein die Tatsache, dass ein Nummernschild verschraubt ist, schreckt viele Diebe ab und hilft so zumindest, den Kennzeichendiebstahl am eigenen Auto zu verhindern.

*) Namen von der Redaktion geändert

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Ein Kommentar

  1. Hallo,
    auch mir wurden vor ca. 2 Jahren meine Wunschkennzeichen vom Fahrzeug geklaut ,( die Kennzeichen werden 5Jahre gesperrt ).
    Ich kann euch flüstern, wie ein Verbrecher wurde ich verhört.
    Diese Aktion hatte mich bewegt eine Lösung für dieses Problem zu finden.
    Kennzeichenklau ist keine Seltenheit in Deutschland , hohe Kraftstoffpreise , Plakettenklau und welche Verbrechen auch immer.
    In manchen Bundesgebieten haben sich die Diebstähle verdreifacht ,Tendenz steigend. Es gibt eine Kennzeichen Diebstahlsicherung ,schaut euch unter http://WWW.Kenn-Fix.de meine Lösung an.

    Schutz für ein Kennzeichen für 27,95€. Incl. TÜV-Gutachten , und Montageanleitung.

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