Abschaltung von Megaupload: Welle von Abmahnungen gegen User?

Die Abschaltung von Megaupload hat für einen großen Aufschrei in der Internet-Gemeinschaft gesorgt. Während die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechts-Verletzungen (GVU) die Festnahme des Megaupload-Gründers Kim ‚Dotcom‘ Schmitz begrüßt, kritisiert die Piratenpartei das Vorgehen der US-Behörden und befürchtet die Kriminalisierung von Millionen Usern. Viele Verbraucher sind verunsichert: Droht jetzt die große Abmahnwelle? Abzocker nutzen die allgemeine Abmahn-Angst und verschicken mittlerweile Fake-Abmahnungen: Falsche Abmahnungen wegen Megaupload (aktualisiert am 21.03.2012)

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Was haben die User von Megaupload zu befürchten?

Es war die Razzia beim beliebten BitTorrent-Projekt Pirate Bay, die im Jahr 2006 zur Gründung der Piratenpartei führte. Damals wurden bei einer groß angelegten Durchsuchung die Server von Pirate Bay in Schweden beschlagnahmt und drei Jahre später die Betreiber der Plattform zu Haftstrafen und Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt.

Wie sich herausstellte, wurde die Abschaltung der Server auf Druck der USA hin durchgeführt. Die USA hatten zuvor Schweden Handelssanktionen angedroht, falls Pirate Bay nicht geschlossen würde. Die Piratenpartei sieht hier eine deutliche Parallele zu der jüngsten Razzia bei Megaupload in Neuseeland.

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Auch hier wurde im Ausland auf Betreiben der USA hin eine Plattform geschlossen, die zugegebenermaßen von wahrscheinlich etlichen Usern als Tauschbörse für Film- und Musikdateien benutzt worden war. Und ähnlich wie nach der Beschlagnahmung der Pirate-Bay-Server fürchten viele ehemalige User von Megaupload jetzt, dass sie mit Abmahnungen seitens der Film- und Musikindustrie rechnen müssen.

Diese Angst scheint nicht unbegründet, schließlich verschickten damals zahlreiche Kanzleien im Auftrag der Film- und Musik-Industrie nach dem Urteil gegen die Pirate-Bay-Betreiber 2009 in großem Stil Abmahnungen wegen Verletzung des Urherberrechts: Der deutsche Filmproduzent Constantin beispielsweise forderte von den Abgemahnten, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen und im gleichen Zuge zu versichern, keine Inhalte mehr im Internet zu verbreiten. Zudem wurde ein pauschaler Schadensersatz von etwa 800 Euro verlangt. Empfänger, die sich weigerten, mussten mit einer Klage rechnen.

Abmahnungen gegen Uploader laut Experten wahrscheinlich

Im Jahr 2009 waren in erster Linie diejenigen User von der Abmahnwelle betroffen, die urheberrechtlich geschützte Inhalte hochgeladen bzw. zum Download angeboten hatten. Auch im aktuellen Fall von Megaupload seien es die Uploader, die wahrscheinlich mit einer zivil- und strafrechtlichen Verfolgung rechnen müssen, sagt Rechtsanwalt Christian Solmecke gegenüber dem IT-News-Portal Golem.de.

Wer Material hochlädt, das urheberrechtlich geschützt ist, und dazu einen Link auf einer der einschlägigen Linkseiten veröffentlicht, muss mit Schadensersatzforderungen zwischen 1000 und 2000 Euro sowie der Einleitung eines Strafverfahrens rechnen, sagt Solmecke, der sich auf das Thema Filesharing spezialisiert hat. Je nach Ausmaß des Uploadvolumens drohen den Uploadern sogar mehrjährige Haftstrafen, so der Experte.

Downloader könnten mit einem blauen Auge davonkommen

Wer bei Megaupload lediglich Inhalte heruntergeladen hat, könnte Glück haben. Zwar stellt auch der Download von urheberrechtlich geschütztem Material eine Urheberrechtsverletzung dar, die Rückverfolgung der Downloader sei aber kaum möglich, weil die Anbieter hierbei normalerweise keine IP-Adressen speichern.

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Selbst wenn die IP-Adressen gespeichert worden sind, geht der Rechsexperte nicht davon aus, dass die deutschen Behörden diese Nutzer strafrechtlich verfolgen werden, so Solmecke im Bericht von Golem.de:  „Selbst wenn IP-Adressen gespeichert worden sind, sind diese nur innerhalb von sieben Tagen zurückzuverfolgen; das heißt, die Provider dürfen die zu der IP-Adresse gehörenden persönlichen Daten nur sieben Tage speichern. Die Übermittlung der IP-Adressen aus den USA zu den deutschen Behörden wird garantiert deutlich länger dauern.“

Abschaltung von Megaupload trifft auch völlig unbescholtene User

Die Abschaltung von Megaupload betrifft aber noch eine dritte Gruppe, die sich am meisten über die Beschlagnahmung der Server ärgern dürfte: Die User, die den Filehoster tatsächlich nur zur Sicherung von privaten Daten wie etwa Urlaubsfotos genutzt haben und diese Dokumente jetzt unwiderruflich verloren haben.

Die Piratenpartei sieht die Abschaltung von Megaupload auch aus diesem Grund als Skandal an: „Rechtlich gesehen bieten Filehoster etwa die gleiche Dienstleistung wie ein Lagerhallenbetreiber an – es wäre absurd, diesen für das Verhalten seiner Kundschaft verantwortlich zu machen“, sagt der Urheberrechtsexperte der Piratenpartei, Andreas Popp. Rechtsanwalt Solmecke vergleicht das Vorgehen der US-Behörden mit dem von Wild-West-Sheriffs. Offenbar um einem Datenverlust wie bei Megaupload zuvorzukommen, hat nun der Hosting-Dienst Filesonic seine Sharing-Funktion deaktiviert. Die User von Filesonic haben somit nur noch Zugriff auf die Dateien, die sie selbst gehostet haben. Ein Download fremder Inhalte ist bei Filesonic nicht mehr möglich. Wahrscheinlich steht Filesonic unter dem Eindruck der jüngsten Razzia und versucht, eine Abschaltung durch die US-Behörden so zu verhindern. Eine offizielle Stellungnahme steht noch aus.

Ein weiterer One-Click-Hoster ist nun dem Beispiel von Filesonic gefolgt: Fileserve hat die Sharing-Option nun ebenso wie Filesonic abgeschaltet. Dies berichtet das Online-Magazin PC Games. Rapidshare und Mediafire sollen hingegen ihren gewohnten Leistungsumfang beibehalten haben, so das Magazin. (Aktualisierung 25. 1. 2012)

Warum Abmahnschreiben wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung unwirksam sein können:
Filesharing: Abmahnungen sind unwirksam

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