Strand-Urlaub-verbraucherpapst

Smartphone im Ausland: Der EU-Tarif und seine Tücken

Das Handy im Ausland hat vielen Verbrauchern in den letzten Jahren hohe Telefonrechnungen beschert. Dank der EU-Roamingverordnung soll das ab dem 1.7.2013 anders werden: Telefongespräche, Surfen und SMS sollen in der EU künftig billiger werden. Aber die Mobilfunkanbieter haben ihre Strategien, um weiterhin beim Roaming in EU-Ländern weiterhin ordentlich mitzuverdienen.

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EU-Roaming-Tarif ab Juli 2013

In den letzten Jahren ist das Telefonieren im EU-Ausland deutlich billiger geworden. Und ab dem 1.7.2013 sollen Gespräche, SMSen und das mobile Internet EU-weit nochmals günstiger werden, so der Wille der EU. Doch die Mobilfunkanbieter nutzen eine Lücke in der EU-Verordnung, um weiterhin ihre Kunden abzukassieren: Sogenannte Urlaubstarife gaukeln den Kunden vor, im EU-Ausland zu sparen. Dabei sind einige dieser Tarife gar nicht so günstig wie die EU-Verordnung eigentlich verlangt. Der Trick der Mobilfunkanbieter basiert auf einer Lücke in der Verordnung: Mobilfunk-Nutzer können auf die Gebühren-Deckelung des sogenannten EU-Tarifs verzichten, wenn sie einen anderen Auslands-Tarif buchen. Und der lohnt sich längst nicht für jeden.

Was kostet das Telefonieren im Ausland ab Juli 2013?

Ab dem 1.7.2013 dürfen Handygespräche von EU-Kunden maximal 28 Cent (inkl. Mehrwertsteuer) pro Minute zu Buche schlagen, so will es die EU-Roaming-Verordnung. Angenommene Handy-Gespräche dürfen höchstens 8 Cent kosten. Für SMS dürfen die Mobilfunkanbieter ab dem 1.7. maximal 9 Cent berechnen. Der Empfang von SMS ist im EU-Ausland in Zukunft kostenlos. Diese Deckelung der SMS-Gebühren führt zu der seltsamen Situation, dass SMS aus dem Ausland sogar günstiger sein können als im Inlandstarif. Doch Achtung: In der Schweiz oder in der Türkei gilt die Deckelung der Mobilfunkgebühren nicht. Dort muss man mit wesentlich höheren Gebühren rechnen als beispielsweise in Spanien, Portugal oder Kroatien. Im jüngsten aller EU-Länder gilt die Gebührenverordnung für Handygespräche nämlich auch.

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Lohnt sich der Auslandstarif meines Netzanbieters?

Kunden mit einem Mobilfunkvertrag bekommen von ihrem Mobilfunkanbieter bereits seit mehreren Wochen die Option, einen speziellen Auslands- oder Urlaubstarif zu buchen. Damit, so versprechen die Mobilfunkanbieter, sei das Surfen, Telefonieren und SMSen im Ausland besonders günstig. Allerdings warnen Verbraucherschützer davor, einen solchen Tarif abzuschließen, ohne sich vorher genau die Konditionen angeschaut zu haben. Denn die Gebühren-Deckelung des offiziellen EU-Tarifs wird durch den Abschluss eines solchen Tarifs in der Regel ausgehoben. Meist lohnen sich die speziellen Auslandstarife der Mobilfunkanbieter nur, wenn man sehr lange Handygespräche aus dem EU-Ausland führt. Quasselstrippen und Vielsurfer sollten sich aber ohnehin überlegen, ob sie sich nicht besser eine Prepaid-Karte im Urlaubsland zulegen.

In welchen EU-Ländern gibt es problemlos Prepaid-Karten?

Die Regelungen für Prepaid-Karten sind EU-weit nicht einheitlich. Während man etwa in Polen an jedem Kiosk eine Prepaidkarte schon ab knapp einem Euro bekommt, sind die Bestimmungen in Spanien hierfür deutlich restriktiver. Die spanischen Anti-Terrorgesetze verlangen beispielsweise einen ständigen Wohnsitz in Spanien, wenn man sich dort eine Prepaidkarte kaufen möchte. Manch ein Handyshop-Besitzer lässt aber durchaus mit sich reden und registriert die Prepaid-Karte einfach auf die Adresse des Shops. Legal ist das allerdings nicht!

Wie teuer ist das Internet-Surfen im EU-Ausland?

Seit dem Siegeszug der Smartphones und Tablets haben sich immer mehr Verbraucher daran gewöhnt, auch unterwegs ins Internet zu gehen. Wegen der bislang horrenden Kosten für das Daten-Roaming rieten Verbraucherschützer bislang immer davon ab, im Ausland mit dem Handy zu surfen. Ab dem 1.7. gilt auch für das Datenroaming eine Deckelungsgrenze in Höhe von 53 Cent pro Mb Datentransfer. Wer nur ein paar Text-E-Mails im EU-Ausland lesen möchte, kommt damit noch recht günstig weg. Teuer wird der Spaß allerdings, wenn man große Urlaubsfotos verschickt oder aber auch größere Anhänge aus dem E-Mail-Postfach herunterlädt. Auch das Anschauen von Youtube-Videos sollte wohl überlegt sein: 10 Megabyte pro Video sind durchaus üblich, was wiederum Handygebühren von mehr als 5,- Euro ausmacht. Da kann ein WLAN-Code im Hotel deutlich günstiger sein. Wer sich für einen Auslandstarif seines Mobilfunkanbieters entscheidet, sollte darauf achten, dass mindestens 100 Mb Surfvolumen pro Woche mit drin sind. Das dürfte für ein bisschen Surfen und E-Mails-Lesen reichen.

Wie viel kosten MMS im EU-Ausland?

Die MMS ist trotz vieler Unkenrufe nicht totzukriegen. Viel zu verführerisch ist der Gedanke, seine Freunde aus dem Urlaub mit einem Neidfoto vom Pool oder Strand zu überraschen. Doch auch dieser Spaß kann teuer werden. Der Grund: Die Kosten für das Versenden von MMS sind davon abhängig, wie groß der Anhang ist. Außerdem verlangen die Anbieter hier weiterhin sehr unterschiedlich Gebühren. Die Preise pro MMS rangieren ab dem 1.7. je nach Anbieter und Volumen zwischen 59 Cent und 3,54. Da ist eine Postkarte oft deutlich günstiger. Und: Auch der Empfang von MMS darf in der EU weiterhin kostenpflichtig bleiben. Allein deshalb schon sollte man um dieses Relikt aus den 2000er-Jahren einen großen Bogen machen.

Weitere Infos zur EU-Roamingverordnung auf der Seite des Verbraucherschutzministeriums BMELV.de

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