Spotify mitschneiden: Ist das Rippen von Online-Musik erlaubt oder illegal?

Gratis Musik hören ist dank Streaming-Diensten wie Spotify, Simfy oder Grooveshark mittlerweile kein Problem. Doch manchen Usern reicht das nicht aus: Sie schneiden die Songs mittels spezieller Software mit. Vor dem Internet-Zeitalter musste schnell die Recordtaste am Kassettenrecorder gedrückt werden, sobald im Radio ein guter Song lief. In Zeiten von Internet-Radio und Streaming-Seiten kann man mit Hilfe von PC-Programmen Musik in digitaler Qualität mitschneiden. Doch ist das überhaupt legal?

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Die Musikindustrie kommt im Web 2.0 an

Eigentlich hat sich die Musikindustrie auf Streaming-Seiten wie Spotify oder Simfy deshalb eingelassen, weil sie das illegale Kopieren und Downloaden von Musiktiteln im Internet eindämmen wollten. Für eine pauschale Gebühr können Musiktitel beliebig oft abgespielt werden, sodass Rechteinhaber und Musikverlage vom Online-Musik-Boom mit profitieren. Sogar das kostenlose Anhören scheint sich für die Online-Anbieter zu rentieren, der Hörer muss dann nur gelegentliche Werbeeinblendungen in Kauf nehmen. Der positive Nebeneffekt aus Sicht der Musikindustrie: Die illegalen Downloads von Tauschbörsen wie Filesonic, Filepost oder Fileserve usw. verlieren an Attraktivität. Gleichzeitig werden per Facebook oder andere soziale Netzwerke die angehörten Titel popularisiert.

Musikliebhaber sind oft Sammler

Eigentlich klingen Musikportale wie Spotify, Simfy oder Grooveshark wie das Musik-Paradies in den Ohren von Musikliebhabern. Allerdings kommt in dieser Win-Win-Rechnung die Sammel-Leidenschaft vieler Musikliebhaber nicht zum Tragen. Denn viele Musikfans wollen die Titel nicht nur hören – sie wollen sie besitzen und abspielen, wann immer sie wollen. Ob nun mit Internetverbindung oder ohne. Was nützt einem Spotify-Abonnenten eine Musik-Flatrate, wenn er im Urlaub in der Toskana seine Jazz-Titel nur gegen hohe Roaming-Gebühren online anhören kann? Hierbei helfen diverse im Internet erhältliche Programme, die es dem User erlauben, die gestreamte Musik mitzuschneiden, in mp3-Dateien umzuwandeln und als solche zu speichern. Erst so werden Musiktitel jederzeit auf dem mp3-Player verfügbar – ob nun eine Internetverbindung besteht oder nicht. Die Frage ist nur: Ist das legal? Laut einem Focus-Bericht ist dies eine rechtliche Grauzone. Die Frage der Legalität ist nicht eindeutig zu beantworten.

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Musik mitschneiden aus Internet-Radios

Laut Urheberrechts-Experten des Portals irights.info sind Musik-Mitschnitte von legal betriebenen Web-Radios legal, heißt es im Focus-Bericht. Es sei sogar rechtlich gestattet, die aufgenommene Musik auf CD zu brennen – allerdings nur für den Privatgebrauch. Hier scheint eine Analogie zum Record-Knopf des guten alten Kassetten-Recorders zu bestehen. Sobald man die gespeicherten mp3-Files allerdings öffentlich zugänglich macht, etwa über eine Tauschbörse oder einen Fileserver wie Filejungle oder oron.com, wird die Sache aus juristischer Sicht kritisch. Die Aufnahme von Songs mittels Software ist bislang nicht verboten, heißt es in dem Bericht. Die Weiterverbreitung, womöglich sogar gegen Bezahlung, hingegen schon.

Laut Nutzungsbedingungen von Online-Musikdiensten wie Last.fm oder Spotify ist das Kopieren oder Mitschneiden bzw. Rippen von Musik verboten. Das umfasst sowohl die Musiktitel selbst als auch Albumcover oder Songtexte.

Ist Streaming mit Kopierschutz gleichzusetzen?

Es gibt Rechts-Experten, die der Auffassung sind, dass das Mitschneiden von Musik auf Plattformen wie Spotify, Simfy, Last.fm oder Grooveshark legal ist, berichtet Focus online. Zitiert wird hierbei der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs: „Ich würde das mal als einen Graubereich bezeichnen, denn Spotify ist keine eindeutig illegale Quelle, sondern im Gegenteil ein legales Angebot.“ Der Experte in Sachen Medienrecht und Urheberrecht ist laut Focus der Meinung, dass das Streaming von Musik über Spotify oder ähnliche Dienste keinen Kopierschutz an sich darstellt. Rein rechtlich ist eine Aufnahme aber erst dann illegal, wenn hierfür ein bestehender Kopierschutz ausgehebelt wird. Insofern sei der Mitschnitt von Spotify-Songs urheberrechtlich legal, so heißt es in dem Bericht weiter.

Aber auch dann darf die Musikdatei lediglich für die private Nutzung verwendet werden, so der Experte. Auch das Brennen der Musikdateien auf einer CD fiele unter das Recht auf eine Privatkopie, sagt Wachs gegenüber Focus online. Wird der User allerdings beim Mitschneiden der Songs vom betreffenden Portal in irgendeiner Form erwischt, kann dies dazu führen, dass der User sein Nutzerkonto verliert und sogar für Schadensersatzansprüche seitens des Betreibers aufkommen muss. Es gibt aber auch Gegenmeinungen, die besagen, dass die besagen, dass die Nutzungsbedingungen von Spotify & Co. an sich bereits einen Kopierschutz darstellen und das Mitschneiden somit illegal sei. Laut Focus gibt es zu dieser Frage noch keine Gerichtsurteile.

Spotify-Songs offline legal anhören

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann Spotify-Songs – und davon gibt es mehr als 16 Millionen! – auch offline hören. Für 9,99 Euro pro Monat gibt es Musik von Spotify auch offline – allerdings nicht als mp3-Dateien. Hierbei werden temporäre Dateien auf PC oder Smartphone gespeichert. Sobald man sich aber von Spotify abmeldet, sind diese Musikdateien nicht mehr nutzbar.

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Ein Kommentar

  1. Genau man kann die digitale Aufnahme von Musik auf Spotify meiner Meinung nach sehr gut mit Kasette plus Rekorder vergleichen. Von daher ist das zwar möglicherweise eine Grauzone, ich kann mir aber beim besten Willen keine rechtlichen Probleme irgendeiner Art vorstellen. Zudem ist es unmöglich so etwas zu unterbinden, es wird ja nur aufgenommen was am PC abgespielt wird.

    Mit einer Kombination aus Spotify Unlimited (5€ im Monat) und einem Rekorder wie Audials Tunebite (20€ einmalig) bin ich als Vielhörer rundum glücklich und meine private Musiksammlung für unterwegs wächst und wächst.

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