Das Schwein von Gaza – lachen gegen den Wahnsinn

Jafaar, einem Fischer im Gazastreifen gerät ein schwarzes Schwein ins Netz. Da er sonst recht wenig fängt, will er das Schwein zu Geld machen. Doch damit gehen die Probleme los. Schweine gelten sowohl bei Moslems als auch bei Juden als unrein. Der Verkauf des geangelten Borstentieres wird also schwierig. Der erste Versuch, das Schwein an einen UN-Beamten, verkörpert von Ulrich Tukur, zu verkaufen scheitert kläglich. Auch der Todesschuss mit der Kalaschnikov misslingt. Und dann wollen auch noch ein paar Israelis nicht das Schwein, sondern nur dessen Sperma kaufen. Jafaar stimmt zu und steigt ins unkoschere Befruchtungsgeschäft ein. Doch er hat die Rechnung ohne die Islamisten aus dem Gazastreifen gemacht. Der Film von Sylvain Estibal „Das Schwein von Gaza“ ist eine Deutsch-französisch-belgische Koproduktion und eigentlich tragisch, aber so brüllend komisch, dass man einfach nur lachen muss. Wir lernen mit lachendem Auge: Selbst verfeindete Nachbarn haben einiges gemeinsam, auch wenn Juden und Muslime kaum mehr als die absurd tiefe Abscheu vor allem Unreinen verbindet. Deutscher Kinostart ist der 2. August.

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Preisgekrönte tragische Komödie mit viel Herz und Verstand

Der vom Pech verfolgte Fischer Jafaar steht in „Das Schwein von Gaza“ stellvertretend für das kleine Volk des Gazastreifens, das im Spannungsfeld zwischen alltäglichen Sorgen des Überlebens, den Zwängen des israelischen Militärs und dem Diktat der  islamischen Fundamentalisten lebt. Mit viel Einfallsreichtum, beißendem Witz und Feingefühl für die brisante Situation schickt der französische Journalist und Schriftsteller Sylvain Estibal in seinem Regiedebüt Jafaar und sein Schwein auf eine ebenso köstliche wie irrwitzige Odyssee durch den Gazastreifen.

Entstanden ist erfrischendes Kino aus dem Nahen Osten, das sich mit Intelligenz und Humor dem ebenso schwierigen wie sensiblen Thema nähert und mit einem Stück Hoffnung auf Frieden endet. In den Hauptrollen sind der großartige Komödiant Sasson Gabay, der 2007 den Europäischen Filmpreis als bester Darsteller für die „Die Band von nebenan“ erhielt, und Baya Belal („Die Frau die singt“, „München“) als seine ruhige, aber resolute Ehefrau zu sehen. „Das Schwein von Gaza“ gewann den französischen Filmpreis „César“ 2012 als bester Debütfilm und wird auf dem Filmfest München seine Deutschlandpremiere feiern.

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Erst hat Jafaar kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu

Jafaar (Sasson Gabay) ist Fischer in Gaza und hat es wirklich nicht leicht, denn Fische gehen ihm selten ins Netz, und wenn, dann nur winzig kleine. Von den übrigen Fischern wird er verlacht, von den Käufern auf dem Markt erntet er ebenfalls nur Spott, und seine kluge Frau durchschaut all seine Flunkereien, wenn er wieder mit leeren Händen heimkehrt. Zu allem Überfluss haben auf  dem Dach seines Hauses auch noch zwei israelische Soldaten ihre Wachposten bezogen. Doch Jafaars Unglück nimmt bald ein  noch größeres Ausmaß an: Denn plötzlich steckt ein großes, quiekendes Hängebauchschwein in seinem Fischernetz. Das Tier war in der letzten stürmischen Nacht von einem fernöstlichen Frachter gefallen. Jafaar ist panisch, fassungslos und hat keine Ahnung, was er mit diesem Fang machen soll. Sein erster Plan ist es, das unreine Tier von Bord zu locken, doch das misslingt. Sein  nächster Plan ist es, das „big“ an den deutschen UN-Beamten Schauerland (Ulrich Tukur) zu verkaufen, doch auch der hat kein Interesse an einem lebendigen Schwein.

Jafaar sucht Rat bei seinem Freund, dem Friseur, der ihm eine Kalaschnikow verspricht, damit er das unglückselige Tier  erschießen kann. Um doch noch aus seiner Misere einen kleinen Gewinn schlagen zu können, versucht der Fischer sein „sehr  schön-hässliches Schwein“ an die Israelis zu verkaufen – aber ein Fischer, der Fleisch und keinen Fisch verkaufen will, wird gar  nicht erst am Grenzposten vorbei gelassen. Bewaffnet kehrt Jafaar am nächsten Tag zurück an Bord. Er fährt hinaus aufs Meer,  um das Tier zu erledigen und von Bord zu werfen, doch seine ersten Schüsse gehen daneben. Als er Auge in Auge vor dem unschuldigen Schwein steht, bringt er es nicht übers Herz, es zu töten.

Der Shekel rollt mit Schweine-Sperma

Zurück bei seinem Freund erfährt Jafaar, dass die Israelis Schweine züchten, auf Holzbrettern, damit die unreinen Tiere nicht  den heiligen Boden betreten. Schon kommt Jafaar eine neue Idee, was er mit dem Schwein anstellen könnte. Er fährt zu einer  israelischen Siedlung, doch von offizieller Seite gibt es auch hier keine Abnehmer. Jafaar gibt nicht auf und sucht ein Loch im  Zaun, wo er auf Yelena, eine russisch-jüdische Siedlerin, trifft, die Schweine züchtet und tatsächlich ein männliches Schwein gebrauchen kann. Das trifft zwar auf Jafaars Fang zu, doch das Tier als solches möchte die Israelin auch nicht haben – sondern  nur sein Sperma. Aber wie soll er das bloß dem Tier entlocken, ohne sich zu versündigen?

Sein erster Versuch gelingt nicht, und  der Fischer hilft selber aus. Den Lohn bekommt er trotzdem von Yelena, die jedoch etwas misstrauisch das Sperma und seine traurige Menge beäugt. Jafaar wittert einen florierenden neuen Geschäftszweig, den er ausbauen möchte. Daher besorgt er von  dem ersten Geld Viagra. Dem Schwein hat er eine kleine Pin-up-Galerie von appetitlichen Schweinedamen aufgehängt und nun  kommt er dank seiner Hilfsmittel endlich zum Erfolg und kann Yelena echtes Schweine-Sperma bringen, das erneut gut entlohnt  wird. Glückselig über den unverhofften Geldsegen macht Jafaar seiner Frau eine Freude und beschenkt sie mit einem neuen Kleid  und Parfüm. Auch seine Schulden kann er endlich zahlen. Alles scheint für Jafaar ein glückliches Ende zu nehmen.

Schweinebefruchtung mit Sprengstoffgürtel

Doch dann erfährt er von Yelena, dass die Befruchtung irgendwie nicht funktioniert hat: Jafaar muss das Schwein selbst bringen.  Um das Tier unbemerkt transportieren zu können, baut er aus einer alten Waschmaschine einen Karren, mit dem er es zu Yelena  bringt. Von nun an versucht Jafaar, das Schwein bei sich zu Hause in der Badewanne zu beherbergen – das kann nicht lange gut  gehen und schon bald findet seine Frau mit großem Geschrei das Tier. Von ihr erfährt der Fischer nach dem ersten Schreck  allerdings eine sehr unschöne Wahrheit: Die Israelis züchten die Schweine nur, damit diese Sprengstoff aufspüren. Sie dienen also nur ihrem eigenen Schutz, und Jafaar und seine Frau könnten nun auch noch für Verräter gehalten werden. Kurz darauf bekommen die Islamisten mit, dass Jafaar ein Schwein hat. Sie nehmen ihn gefangen, und verhören ihn. Jafaar rettet sich mit einer Notlüge: Er sei kein Verräter, vielmehr habe er geplant, das Schwein mit Sprengstoff auf die israelische Seite zu schmuggeln.

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Nun muss er den in seiner Panik erfundenen Plan umsetzen und mimt in einem Bekennervideo den Selbstmordattentäter. Tags darauf wird er mit Sprengstoffgürtel und dem verkleideten Schwein im Schafspelz auf seine tödliche  Mission geschickt. Bei der Siedlung trifft er auf Yelena, doch er schafft es nicht mehr ihr zu sagen, was passiert ist, bis plötzlich  das Schwein in die Siedlung rennt – bewaffnet mit dem Sprengstoffgürtel. Yelena läuft ihm nichtsahnend hinterher, Jafaars  Warnungen hört sie nicht mehr. In der Siedlung gibt es eine Explosion und Jafaar überquert die Grenze, um nach Yelena zu  suchen. Glücklicherweise hat sie überlebt, doch Jafaar, der nun für einen Terroristen gehalten wird, muss fliehen. Das  Bekennervideo läuft bereits auf allen Kanälen. Jafaars Frau wird von den israelischen Soldaten aus ihrem Heim vertrieben.

Zum Totlachen: Selbst das Schwein überlebt den Dschihad

Nicht nur Jafaar hat das Attentat überlebt, auch das Schwein lebt noch und wird von Yelena vor den Soldaten gerettet. Dass Jafaar nicht gestorben ist, passt den radikalen Muslimen gar nicht – so sieht kein echter Dschihad aus! Er sei ein miserables Beispiel für die Jugend. Jafaar soll sich selbst erschießen, um diesen Fehler wieder wettzumachen. In letzter Sekunde gelingt es ihm zu entkommen. Jetzt sind alle auf der Flucht: Yelena flieht mit dem Schwein vor den Soldaten, Jafaars Frau flieht mit ihrem letzten Hab und Gut aus dem Dorf und Jafaar selbst ist vor den Islamisten auf der Flucht. Mit Glück finden sie alle wieder zusammen und haben nun ein gemeinsames Ziel: das Meer. Nach einer langen Nacht, die sie in einem kleinen Boot auf dem Meer verbringen, stranden sie schließlich in einem Land, das ihnen ganz wunderbar und verheißungsvoll erscheint.

„Das Schwein von Gaza“ ist ein köstlich komischer Film, nicht nur für Akademiker oder Cineasten. Jeder, der über Juden, Muslime und Christen lachen will und kann, ist hier richtig – absolut empfehlenswert!

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