Heiter bis wolkig: Viererkette zwischen Komik und Melancholie

Das Thema Krebs in einer deutschen Komödie? Dass tödliche Krankheiten nicht nur in einem Drama filmisch präsentiert werden können, bewies das deutsche Kino bereits in „Knocking on heaven`s door“. Mit „Heiter bis wolkig“ kommt nun ein weiterer Film in die Kinos, der Komödie und Drama verbindet und das gelungen. Die US-amerikanische seichte Vorlage „Kein Mittel gegen Liebe“ bleibt hinter dem deutschen Remake von Regisseur Marco Petry deutlich zurück. „Heiter bis wolkig“ funktioniert und das nicht zuletzt aufgrund der Schauspieler Max Riemelt, Elyas M’Barek, Anna Fischer und Jessica Schwarz, die als gut eingespiekte Viererkette ausgewogen zwischen Melancholie und Komik variieren. Dafür gabs das Prädikat „besonders wertvoll“. Die Premiere war am 21. August im Kölner Mediapark, in die Kinos kommt „Heiter bis wolkig“ am 6.9.2012.

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Miese Anmach-Masche wird zur großen Belastung für die Liebe

Tim (Max Riemelt) und Can (Elyas M’Barek) sind beste Freunde. Und beste Freunde teilen alles – manchmal auch bescheuerte Ideen. So haben sie zum Beispiel eine besondere Masche, um Frauen rumzukriegen: Sie geben sich als unheilbar krank aus. Hat bisher immer super funktioniert. Bis sich Tim in Marie (Anna Fischer) verliebt. Denn Maries Schwester Edda (Jessica Schwarz) ist tatsächlich unheilbar krank. Tim bleibt nichts anderes übrig, als weiter den Kranken zu spielen – auch vor Edda. Die durchschaut natürlich schnell, dass Tim nur simuliert. Anstatt ihn jedoch auffliegen zu lassen, bietet sie ihm einen Deal an: Wenn sich Tim „kooperativ“ zeigt, wird sie das Geheimnis für sich behalten und seiner Liebe zu Marie nicht im Weg stehen. Schnell findet sich Tim in den absurdesten und verrücktesten Situationen wieder.

Die vier sichtlich gereiften ehemaligen Nachwuchs-Schauspieler Jessica Schwarz (Buddenbrooks), Anna Fischer (Wir sind die Nacht), Max Riemelt (Napola) und Elyas M’Barek (Türkisch für Anfänger) beeindrucken unter der Regie von Marco Petry (Schule) durch ihr humorvolles und zugleich berührendes Spiel in einem Film, der die unter­schied­lichsten Facetten des Lebens und der Liebe spiegelt. Ein Film für Romantiker, die gerne lachen.

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Achtung ab hier Spoiler: Das perfekte erste Date

Tim (Max Riemelt) und Can (Elyas M’Barek) schuften in einer Großküche unter dem Regiment von Chef Paul (Dieter Tappert) und fiebern dem Feierabend entgegen. Denn das Duo hat sich eine absolut sichere Methode ausgedacht, um Frauen abzu­schlep­pen: die Mitleidsnummer. Mal hat Tim angeblich einen Gehirntumor, mal hat Can Bauch­speichel­drüsenkrebs und möchte noch einmal mit einer Frau zusammen sein, bevor es zu Ende geht. An diesem Abend soll Tim zum Zug kommen. Can hat an der Bar Marie (Anna Fischer) angequatscht und die reagiert äußerst mitfühlend auf Tims tragisches Schicksal. Schon bald verlassen Marie und Tim gemeinsam die Bar. [sam id=“46″ codes=“true“]

Das perfekte erste Date endet in Maries Bett. Doch das Paar wird unsanft unterbrochen: Marie muss sich um ihre kranke Schwester Edda (JEessica Schwarz) kümmern, mit der sie sich die Wohnung teilt. Schockiert erfährt Tim, dass Edda tatsächlich todkrank ist: Lymphdrüsenkrebs im Endstadium. Marie schickt Tim schweren Herzens nach Hause, hofft aber, ihn schnell wiederzusehen. Zum ersten Mal quält Tim das schlechte Gewissen, aber er kann Marie nicht vergessen. Auch der nächste Partyabend mit Can und zwei Mädels schafft keine Abhilfe, im Gegenteil. Am Tag darauf steht Tim mit Blumen vor Maries Tür.

Geschmacklose Lüge wird zur Belastung

Marie muss zur Arbeit und bittet Tim, Edda Gesellschaft zu leisten: Es wäre doch schön, wenn die zwei sich besser kennenlernen, da sie doch „so viel gemeinsam haben“. Tim windet sich. Aber er weiß: Wenn er seine geschmacklose Lüge jetzt gesteht, ist er Marie los. Die pampige Edda hat keine Lust, im Bett zu liegen und überredet Tim zu einer Spritztour. Als ihm klar wird, was sie vorhat, hat sie ihn bereits zu ihrem Komplizen gemacht. Edda ist auf dem Kriegspfad. Sie halten vor dem Blumenladen, in dem Edda als Floristin gearbeitet hat – bis ihre Chefin ihr eiskalt kündigte, als Eddas Krankheit ausbrach. Kurzerhand schlägt Edda die Scheibe ein: Sie wird ihrer Ex-Chefin ein Andenken hinterlassen, das sie nicht so schnell vergisst.

Tim ist die unberechenbare Edda nicht geheuer. Aber ihm ist klar, dass es Marie nur im Doppelpack mit ihrer geliebten großen Schwester gibt. Selbstverständlich bringt Marie also Edda mit, als Tim sie zum Essen zu sich einlädt – selbstgekocht. Als WG-Kumpel Can nach Hause kommt, verdrückt er sich sofort in sein Zimmer: Er hat keine Lust, den „Krebstanten“ Theater vorzuspielen. Erschöpft hat Edda sich kurz hingelegt. Als sie aufwacht, beobachtet sie durchs Fenster Marie mit Tim auf der Dachterrasse: Die beiden wirken vertraut und sehr glücklich. Sofort will Edda gehen – aber morgen unbedingt wieder „was Schönes mit Tim unternehmen“.

Mit Sprengsatz-Attrappe in die Bank

Und Edda macht ihre Drohung wahr. Am nächsten Morgen taucht sie unangekündigt bei Tim auf – und wundert sich, dass er „mit seiner Krankheit“ überhaupt noch arbeiten gehen will. Die Ausrede zieht also nicht, Tim hat mittlerweile das Gefühl Edda habe ihn in der Hand. Der heutige Ausflug führt in eine Bank: Angeblich will Edda einen Kredit beantragen. Doch das ist nur Vorwand für eine weitere, noch viel krassere Racheaktion. Banker Thomas (Stephan Luca) entpuppt sich als Eddas Ex: Er hat sie verlassen, weil er mit ihrer Krankheit über­fordert war. In seinem Büro reißt Edda ihren Parka auf: Sie hat eine Bombe umgeschnallt und droht, den ganzen Laden in die Luft zu sprengen. Natürlich ist der Sprengsatz nur eine Attrappe, aber Edda genießt sichtlich, wie Thomas um sein Leben zittert. Nach dem ersten Schock ertappt sich Tim dabei, dass es ihm genauso geht. Er bewundert Edda für ihren Mumm.

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Tims nächstes Erlebnis mit Edda verändert die Situation schlagartig: Nach einer Kamikaze-Fahrt mit 200 Sachen erleidet sie einen Zusammenbruch. Bevor Marie im Krankenhaus eintrifft, lässt Edda Tim wissen, dass sie ihn längst durchschaut hat. Wenn Tim allerdings weiterhin alles tut, was sie will, lässt sie seine Lüge nicht auffliegen. Tim fügt sich zähne­knirschend. Edda erholt sich schnell. Und sie wird Tim noch öfter in heikle Situationen bringen, ohne Rücksicht auf Verluste…

Happy end im Lügen-Dickicht

Ironischerweise geht die ahnungslose Marie trotzdem auf Abstand zu Tim: Seine „Krankheit“ belastet sie schwer, sie will nicht gleich zwei geliebte Menschen verlieren. Marie ist sogar ein bisschen eifersüchtig: Während Edda ihre fürsorgliche kleine Schwester ruppig und ab­weisend behandelt, verbringt sie umso mehr Zeit mit ihrem neuen besten Freund Tim, zu dem sie offenbar größeres Vertrauen hat. Tim sitzt in der Falle. Auch sein Kumpel Can, den er kaum noch sieht, seit Edda das Kommando hat, ist ihm keine Hilfe: Can hat null Ver­ständnis für den hoffnungslos verliebten Tim und seine Zwangslage – selber schuld! Und er hält auch nichts von Tims Plan, ein eigenes Restaurant zu eröffnen.

Schließlich hat ausgerechnet Drahtzieherin Edda eine geniale Idee, wie sie Tim aus seiner ausweglosen Situation erlösen und doch noch mit Marie zusammenbringen kann. Sie greift zu einer weiteren Notlüge. Und natürlich kommt es zum Happy end.

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