Kinotipp: Kochen ist Chefsache – ein köstliches Vergnügen aus Frankreich

Jean Reno in einer Komödie – das gabs schon lange nicht mehr. Warum eigentlich, fragt man sich, wenn man die neue französische Kinokomödie „Kochen ist Chefsache“ ansieht. Wie auf Jean Renos Leib geschnitten wirkt die Rolle des schrulligen Kochs, der die Traditionen der französischen Küche und Esskultur gegen Kommerz und Internationalisierung verteidigen will. An seiner Seite der französische Komiker Michaël Youn, der hierzulande bisher noch nicht weiter in Erscheinung getreten ist. Der Film bietet viel ohne platt zu wirken: Ein bisschen Sozialkritik, ein wenig Liebesgeschichte und ganz viel Komödie. Ein absolutes Muss für Freunde des französischen Humors. Fans von „Willkommen bei den Sch’tis“ oder „Brust oder Keule“ kommen hier voll auf ihre Kosten! Kinostart in Deutschland ist der 7.6.2012.

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Jean Reno als Frankreichs berühmtester Sternekoch

Alexandre Lagarde (Jean Reno) ist Frankreichs berühmtester Sternekoch – bewundert, erfolgreich, eine Legende. Seit kurzem muss er sich aber vor allem mit Stanislas (Julien Boisselier) herumschlagen, dem neuen Boss der Finanzgruppe, der sein Gourmetrestaurant angehört. Der will nämlich Alexandre durch einen jüngeren Koch ersetzen, dem allerdings die Edelgastronomie weniger am Herzen liegt als die Molekularküche im Reagenzglas. Nach und nach entlässt Stanislas sämtliche Leute aus Alexandres Küchenbrigade. Dass dem alten Hasen die kulinarischen Ideen ausgehen, ist jedoch fast noch schlimmer. Schließlich muss er ein sagenhaftes neues Menü kreieren, um den Gastro-Kritiker vom „Guide“ zu überzeugen. Da läuft ihm Jacky Bonnot (Michaël Youn) über den Weg – jung und hitzköpfig, aber ein echter Könner am Kochtopf, der sein Talent bisher in lausigen Bistrojobs vergeudet. Es scheint, als hätte Alexandre mit Jacky den idealen Komplizen gefunden. Die Helden am Herd sind zwar ganz groß darin, schnell die Emotionen hochkochen zu lassen, verlieren aber ihr Ziel nicht aus den Augen: Alexandres Widersacher kräftig die Suppe zu versalzen.

[sam id=“11″ codes=“true“]Achtung Spoiler: Ab hier gibts die komplette Handlung!

Jacky Bonnot (Michaël Youn) ist ein begnadeter und sehr leidenschaftlicher Koch – aber leider total dogmatisch. Er flippt aus, wenn er mitansehen soll, wie andere Zutaten benutzt oder Lebensmittel lieblos zubereitet werden. Den letzten Job in einer Brasserie verliert Jacky, weil er den Gästen vorschreiben will, welchen Wein sie zu trinken haben. Als diese nicht gehorchen, nimmt er ihnen das Essen einfach weg. Bei seinem nächsten Vorstellungsgespräch in einem Schnellrestaurant, schwärmt der Küchen-Enthusiast von Köstlichkeiten, die in einem Gourmet-Tempel für Begeisterung gesorgt hätten – leider sind Fernfahrer keine Feinschmecker und Jacky steht wieder auf der Straße. Zum vierten Mal in einem Monat! Das ist für seine hochschwangere Frau Béatrice (Raphaëlle Agogué) zu viel. Sie muss immer noch arbeiten, weil das Konto der Bonnots tief in den roten Zahlen steckt. Zerknirscht schwört Jacky seiner geliebten Frau den erstbesten Job anzunehmen.

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Auch um den berühmten Drei-Sternekoch Alexandre Lagarde – seit Jahrzehnten der Star unter den französischen Köchen – ist es nicht gut bestellt. Stanislas Matter (Julien Bouisselier), der neue, jung-dynamische Geschäftsführer des Lebensmittelkonzerns, zu dem sein Restaurant gehört, will ihn zwingen, endlich auf die trendige Molekular-Küche umzusatteln. Er wittert riesige Umsätze, wenn er die Produkte groß auf den Markt bringt. Ein Gräuel für Alexandre. Weit schlimmer ist jedoch, dass der Gourmetkoch sein absolutes Gespür für die perfekte Zusammenstellung eines Gerichts verloren hat. In wenigen Tagen ist die neue Frühlingskarte fällig und Alexandre ist total blockiert. Das Ganze nimmt ihn so mit, dass er sogar die Verabredung mit seiner Tochter völlig vergisst, die kurz vor ihrem Abschluss steht und vor Wut über so viel Missachtung Cheeseburger und Fritten mit extra Majo bestellt.

Meisterkoch malt im Altenheim

Jacky tritt wie versprochen einen neuen Job an. Er arbeitet als Maler in einem Altersheim und muss unzählige Fenster und Türen streichen. Dabei fällt sein Blick auch in die Küche, wo die Köche Titi (Serge Lariviere), Moussa (Issa Doumbia) und Chang (Bun Hay Mean) gerade ein Kabeljau-Gericht verhunzen. Ihre müde Verteidigung „Die Alten wollen ihr Essen immer auf die gleiche Art“ lässt Jacky nicht gelten. Unter seiner Anleitung wird in Windeseile eine neue, sehr feine Kabeljau-Kreation gezaubert, die Jacky voller Stolz den Bewohnern präsentiert – und erst einmal auf wütende Ablehnung stößt. Am nächsten Tag verlangen die Alten jedoch lautstark, dass Jacky wieder kochen soll.

Währenddessen zieht Matter Jr. die Daumenschrauben an. Kurz vor Beginn seiner live gesendeten Koch-Show erfährt Alexandre, dass seine beiden besten Köche von Matter abgeworben wurden. Ein Skandal. Auf dem Großmarkt ergeht es ihm nicht viel besser. Großabnehmer Matter erpresst die Händler, dass sie Alexandre keine Ware mehr verkaufen dürfen, sonst storniert er seine Aufträge. Nur ein langjähriger Verkäufer verspricht weiter zu liefern. In seiner Not wendet sich Alexandre an seinen alten Freund, den Senior-Chef des Unternehmens. Paul Matter (Pierre Vernier) lebt mittlerweile just in dem Altenheim, dass Jacky seit neuestem bekocht. Während Lagarde vor sich hin lamentiert, versucht Paul seinen Freund zu überreden, sein Essen zu kosten. Schließlich nimmt Alexandre einen Löffel und stellt verzückt fest, dass es sein Rezept von 1996 ist, als er noch auf dem Höhepunkt seines Schaffens war – ein Gedicht. Aber von einem Maler gekocht? Völlig aufgeregt läuft er in den Hof und will Jacky vom Fleck weg als Sous-Chef engagieren – allerdings mit einer zweiwöchigen unbezahlten Probezeit. Nicht nur muss er sich von seinem glühenden Fan Jacky anhören, dass das Rezept von 1997 stammt und welche Zutaten tatsächlich verwendet wurden, der begnadete Autodidakt gibt ihm tatsächlich einen Korb. Er will Béatrice nicht enttäuschen! Erst im letzten Moment knickt Jacky ein und sagt doch zu.

Live-Kochen im Fernsehen birgt Probleme

Am Abend versucht der Unglücksrabe seiner Frau zu erklären, dass er im Traditionsrestaurant „Le cargo Lagarde“ anfangen wird. Er bringt es jedoch nicht übers Herz und schwindelt sie an, dass er immer noch im Altersheim arbeitet, mittlerweile jedoch als Koch. Seinen ersten Test als Sous-Chef im Drei-Sterne-Restaurant besteht er mit Bravour. Er muss vor dem versammelten Küchenpersonal die Zutaten eines Gerichts nur mir der Nase bestimmen und landet bis ins letzte Detail einen Volltreffer. Endlich ist Jacky in seinem Element. Das Essen geht perfekt angerichtet aus der Küche und zur Not springt er sogar als Koch ein. Hatte Lagarde anfangs noch gedacht, dass der Anfänger den ersten Tag nicht überstehen wird, nimmt er ihn am Ende der Woche sogar mit in seine Live-Sendung! Eine Katastrophe für den armen Jacky. Wenn Béatrice nun die Sendung sieht? Er kann unmöglich im Fernsehen auftreten. Doch Alexandre kennt kein Pardon. Schließlich taucht Jacky getarnt mit einer dunklen Sonnenbrille beim Dreh auf und verlangt, dass er Brian genannt wird. Sein Temperament macht ihm aber auch hier einen Strich durch die Rechnung. Als der große Lagarde, allen Ernstes ein falsches Gewürz an das Gericht geben will, kommt es zum lautstarken Streit zwischen den beiden. Alexandre ist fassungslos – die Fernsehleute begeistert.

[sam id=“13″ codes=“true“]Molekularküche als Todesstoß?

So richtig überspannt der erfindungsreiche Sous-Chef den Bogen, als er in Lagardes Abwesenheit ein Rezept verändert. Ausgerechnet als es heißt, dass zwei Kritiker im Haus sind. Alexandre rast zurück ins Lokal, um das Schlimmste zu verhindern und trifft auf zwei höchst zufriedene und sehr gut informierte Gäste. Sie verraten ihm, dass die Michelin-Kritiker, die am ersten Tag der neuen Frühlingskarte kommen werden begeisterte Anhänger der Molekular-Küche sind. Das ist der Todesstoß! Aber erst einmal muss Alexandre seinen Sous-Chef runterputzen, denn seine Rezepte sind heilig. Es prasselt nur so Beschimpfungen, aber so schnell lässt sich Jacky nicht einschüchtern. Er kontert, dass Alexandre seit der Trennung von seiner Frau nichts Aufregendes mehr kreiert hat und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Das ist zu viel – Jacky fliegt raus! Geknickt gibt er seine Arbeitskleidung zurück und will schon gehen, da holt Alexandre ihn überraschend zurück. Die Angst vor dem Verlust seines dritten Sterns quält den Altmeister zu sehr, insbesondere seit er weiß, dass Matter in seinem lebenslangen Vertrag eine Lücke gefunden hat. Verliert der Sternekoch auch nur einen Stern, ist er sein geliebtes Restaurant los. Also stellt der Verzweifelte den überglücklichen Jacky wieder ein. Alles wieder gut? Keineswegs. Jacky hat seine Frau in dem Glauben gelassen, immer noch im Altersheim zu arbeiten. Mit den Köchen ist er von Lagardes Küche aus per Skype verbunden, damit die alten Herrschaften auch weiterhin so herrliches Essen bekommen. Nun plant die ahnungslose Béatrice vorbeizukommen, um Jacky ein paar Babysachen zu zeigen. Seine Freunde warnen ihn. Doch während Jacky noch versucht Béatrice anzurufen, um ihr zu sagen, dass er im Verkehr feststeckt und sie nicht vorbeikommen soll, steht sie schon in der Küche und erlebt unbemerkt von ihrem Schwindler-Gatten die ganze Szene mit. Stocksauer verlässt Beatricé ihren Mann, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.

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Französischer Rotwein und Sprengstoff

Lagarde holt einen seiner besten Rotweine aus dem Keller, um Jacky zu trösten. Es bleibt nicht bei einer Flasche und in kürzester Zeit schmieden sie wilde Pläne. Jacky kennt Juan (Santiago Segura), ein berühmter Molekular-Koch aus Spanien, den er sofort nach Paris zitiert. Und schließlich hat Jacky auch eine Idee, wo seine Frau sein könnte. Bei ihren Eltern auf dem Land! Alexandre bietet an, ihn dorthin zu begleiten und die Aufgebrachte zu beschwichtigen. Beide Vorhaben gehen gründlich daneben. Béatrice ist unversöhnlich und der Molekular-Koch, der heimlich in Lagardes Privatküche arbeitet, ist ein totaler Flopp. Er zaubert Würfelchen, die statt nach Ente nach Fisch schmecken und sprengt schließlich fast die Küche in die Luft. Auch das lustige, aber etwas unterbelichtete Trio aus dem Altersheim, das Jacky als Hilfsköche engagiert hatte, treibt Alexandre zur Verzweiflung. In ihrer Not entschließen sich Alexandre und Jacky als Chinesen verkleidet ein bisschen Gourmet-Spionage bei einem trendigen Molekular-Koch zu machen. Geisha Jacky stibitzt wichtige Zutaten, während Samurai Alexandre nur unter größten Mühen eine Schlägerei mit dem unverschämten Wichtigtuer, vermeiden kann.

In der Nacht vor dem alles entscheidenden Tag folgt Alexandre zum ersten Mal seit Jahren wieder seinem Herzen. Er backt köstliche Kuchen und vor allem Brioche, die seine Tochter früher so geliebt hat, um sie gestärkt in die mündliche Prüfung zu schicken. Endlich spürt der Meisterkoch wieder, wie wunderbar es ist, aus Liebe zu kochen. Und er geht noch weiter. Um bei der Prüfung anwesend zu sein, schickt er kurzerhand Jacky mit Titi, Moussa und Chang allein ins Restaurant. Sie werden es schon richten. Doch als sie im Restaurant ankommen, sind alle Kühlschränke leer und das Team steht untätig herum. Matter hat seine Drohung wahr gemacht und stolziert triumphierend durch die Räume. Siegesgewiss macht der skrupellose Chef Jacky ganz mies zur Schnecke, der am Boden zerstört aufgeben will. Doch da erreicht ihn ein ganz unerwarteter Anruf, der seine Kochleidenschaft in ungeahnte Höhen treibt!

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