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Proteste gegen EU-Saatgut: Kleingärtner und Verbraucher auf den Barrikaden

Laut Plänen der EU-Kommission sollen die Saatgut-Richtlinien in der EU künftig stärker reglementiert werden. Gerade ältere und außergewöhnliche Obst- und Gemüsesorten, die bei Allergikern großen Anklang klingen, sollen verboten werden. Der Anbau dieser Saatgut-Sorten soll sogar im privaten Bereich in Zukunft strafbar sein, heißt es in verschiedenen Medienberichten. Droht jetzt das EU-Einheits-Saatgut? Und werden künftig Hobbygärtner kriminalisiert? Im Netz formiert sich der Protest gegen die EU-Pläne.

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Die EU-Kommission plant offenbar strengere Regelungen für Saatgut. Grundlage hierfür sei ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem vergangenen Jahr. Demnach soll es in Zukunft nur noch gestattet sein, Saatsorten zu verkaufen, die amtlich zugelassen sind. Von den momentan rund 6.500 Saatgut-Sorten wären zwischen 5.000 und 6.000 Getreide-, Obst- und Gemüsesorten von dem Verbot betroffen. Verbraucherschützer und Umweltaktivisten sehen die Pflanzenvielfalt in der EU bedroht, sollte die Neuregelung in der derzeit angedachten Form erfolgen, sagt Iga Niznik vom österreichischen Umweltverband Arche Noah.

Allergiker schwören auf altes Saatgut

Verbraucher mit Lebensmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien sehen beispielsweise in älteren, kaum noch bekannten Apfelsorten die einzige Möglichkeit, beschwerdefrei in den Genuss von Äpfeln zu kommen. Im Internet und auf Pflanzentauschbörsen boomt der Tauschhandel mit Saatgut zu fast vergessenen Obst- und Gemüsesorten. Die Selbstversorgung im Kleingarten erfährt seit einigen Jahren einen regelrechten Boom, gerade weil Sorten angebaut werden, die im Handel nicht erhältlich sind. Geht es nach den Plänen der EU, dürfte es mit dem Privatanbau dieser Obstsorten vorbei sein. Denn selbst das Verschenken solchen Saatguts soll verboten werden, kritisieren die Umweltverbände Arche Noah und Global 2000. Denn die Zulassung einer Saatgutart bei der EU sei äußerst bürokratisch und teuer, heißt es weiter. Hohe Strafen für unerlaubtes Tauschen von nicht zugelassenen Sorten würden das Aus für fast ausgestorbene Fruchtsorten bedeuten.

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Agrar-Lobby unter Verdacht

Bereits seit Jahren fordert die Agrarindustrie eine stärkere Reglementierung des Saatgut-Marktes in der EU. Der Grund liegt auf der Hand: Die Normierung von Saatgut ist ein profitables Geschäft, das vor allem den großen Lebensmittelkonzernen vorbehalten ist. Kritiker vermuten hinter dem EU-Vorstoß eine Initiative des US-Unternehmens Monsanto. Dieses habe schon häufiger kleinere Konkurrenten auf juristischem Wege gezwungen, nur noch deren Saatgut zu beziehen, berichtet das Online-Magazin Deutsche Wirtschafts-Nachrichten.

Online-Petition gegen EU-Saatgut-Pläne

Am 6. Mai wird die EU-Kommission dem EU-Parlament einen Vorschlag zur Saatgut-Novelle vorlegen, die anschließend im EU-Parlament diskutiert werden soll. Engagierte Verbraucher rufen daher auf, auf die Entscheidungsträger in Brüssel Druck auszuüben, damit die Vielfalt der europäischen Saatgut-Sorten nicht weiter eingeschränkt wird. Hierzu wurde eigens die Internet-Seite http://www.saatgutkampagne.org/ ins Leben gerufen. In Kürze wird es auch eine Online-Petition geben, die sich gegen die neuen EU-Pläne richtet.

 

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