Goldener Windbeutel 2012: Verbraucher sollen über frechste Werbelüge abstimmen

Zuckerbomben für Kleinkinder, ‚alkoholfreies‘ Bier, das sehr wohl Alkohol enthält oder ‚fettarmes‘ Hackfleisch, das lediglich mit Wasser gestreckt wurde. Die Verbraucherorganisation Foodwatch lässt die Verbraucher abstimmen, welche Werbelüge der Lebensmittelindustrie am frechsten ist. Laut Medienberichten reagieren die Nahrungs-Konzerne zunehmend nervös auf die zweifelhafte Auszeichnung „Goldener Windbeutel“, den Foodwatch für die unverschämteste Werbelüge vergibt.

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 Jedes Jahr im Frühjahr lassen die Verbraucherschützer von Foodwatch die Verbraucher darüber abstimmen, wer den „Goldenen Windbeutel“ verdient hat. Eine Auszeichnung, mit der Foodwatch die dreisteste Werbelüge der Nahrungsmittelindustrie brandmarkt. Fünf Kandidaten stehen zur Auswahl: Sie alle werben mit Versprechen, die nach Recherchen von Foodwatch nicht erfüllt werden. Kunden würden von den Lebensmittelherstellern systematisch hinters Licht geführt, so Foodwatch.

Goldener Windbeutel 2011 ging an die „Milch-Schnitte“

Laut Foodwatch beteiligen sich von Jahr zu Jahr immer mehr Verbraucher an den Online-Abstimmungen zum „Goldenen Windbeutel“. 2011 stimmten knapp 120.000 User ab und kürten die „Milch-Schnitte“ von Ferrero zur dreistesten Werbelüge des Jahres. In den Jahren zuvor wurden der „Monte Drink“ von Zott und „Actimel“ von Danone mit dem „Goldenen Windbeutel“ bestraft.

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Hersteller werden zunehmend nervös

Die Produzenten der nominierten Produkte reagieren auf die Online-Abstimmung zunehmend nervös, heißt in der Online-Ausgabe des Spiegels. Schließlich hätten die Veröffentlichungen von Foodwatch für Umsatzeinbußen bei den betroffenen Nahrungsmitteln gesorgt. Einige Preisträger hätten sogar Besserung gelobt, beispielsweise, indem Sie die Werbeaussage oder sogar die Rezeptur der gekürten Produkte änderten. Öffentlich zeigen sich die betroffenen Unternehmen jedoch zugeknöpft und scheuen die Auseinandersetzung mit dem unbeliebten Preis.

Kontakt mit Foodwatch wird gemieden

[sam id=“13″ codes=“true“]Am liebsten würde Foodwatch den „Goldenen Windbeutel“ direkt den Herstellern übergeben, aber die Produzenten zeigten sich in der Vergangenheit demgegenüber verschlossen. Daher melden die Verbraucherschützer jedes Jahr eine Demonstration am Firmensitz der jeweiligen Firma an. Die Hersteller versuchen dies zu verhindern. So etwa im vergangenen Jahr, als der Wursthersteller Stockmeyer mit den „Ferdi Fuchs Mini-Würstchen“ nominiert war. Laut Spiegel online habe die Firma vorsorglich per Fax angekündigt, den Preis nicht entgegen nehmen zu wollen. Stellungnahmen wurden abgelehnt. Foodwatch rechnet auch in diesem Jahr nicht damit, den „Goldenen Windbeutel“ persönlich übergeben zu können.

Welche Produkte sind 2012 für den „Goldenen Windbeutel“ nominiert?

Ab sofort können Verbraucher bis zum 18. Juni 2012 auf der Internetseite von Foodwatch darüber abstimmen, welches Produkt den „Goldenen Windbeutel 2012“ verdient hat. Zur Auswahl stehen folgende fünf Produkte:

Viva Vital Hackfleisch von Netto

Die Discounterkette Netto wirbt für ihr abgepacktes „Viva Vital Hackfleisch“ mit dem Aufdruck „30 Prozent weniger fett“. Foodwatch sieht darin eine Werbelüge, weil der geringere Fettgehalt lediglich dadurch erreicht werde, weil das Produkt 30 Prozent weniger Fleisch enthält und stattdessen mit Weizen und Wasser gestreckt wird. Gleichzeitig sei der Preis gegenüber herkömmlichem Hackfleisch 30 Prozent höher.

Clausthaler Classic von Radeberger

Kandidat Nummer zwei ist das „alkoholfreie“ Bier Clausthaler Classic von Radeberger. Das Bier enthält Foodwatch zufolge 0,45 Vol.-Prozent Alkohol. In anderen Ländern sei es daher als „alkoholarmes“ Bier gekennzeichnet. In Deutschland steht auf dem Etikett hingegen „alkoholfrei“. Ein Grund für Foodwatch, Clausthaler Classic für den „Goldenen Windbeutel“ zu nominieren. Allerdings enthalten fast alle „alkoholfreien“ Biere in Deutschland bis zu 0,5 Prozent Alkohol.

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Becel pro-activ von Unilever

Die Margarine „Becel pro-activ“ aus dem Hause Unilever enthält hochkonzentrierte Pflanzensterine, die den Cholesterinspiegel senken. Laut Hersteller gebe es bei der Margarine „aus wissenschaftlicher Sicht keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen. Foodwatch sieht das anders: Pflanzensterine stehen laut Foodwatch im Verdacht, das Risiko für Herzkrankheiten zu erhöhen. Die Verbraucherschützer haben Unilever sogar bereits deswegen verklagt und fordert eine Rezept- und Apothekenpflicht für die Margarine.

Kindertee von Hipp

Immer wieder schaffen es auch Lebensmittel für Kinder in die Top 5 für den „Goldenen Windbeutel“. Diesmal sind es zwei Instant-Früchtetees aus dem Hause Hipp: Laut Foodwatch basieren die Teegetränke für Kleinkinder auf Zuckergranulat. 200 ml des Getränks enthielten laut Foodwatch umgerechnet zweieinhalb Stücke Würfelzucker. Die Verbraucherschützer fügen hinzu „verantwortliches Marketing sieht anders aus.“

Landlust Mirabelle & Birne von Teekanne

Auch die Firma Teekanne soll laut Foodwatch bei ihren Werbeaussagen schummeln. Der Tee „Landlust Mirabelle & Birne“ wird mit der Aussage „wie aus dem eigenen Garten“ beworben. Die Verbraucherschützer sehen darin aber in Wirklichkeit einen industriellen Früchtetee, der teuer verkauft werde. Die auf der Packung abgebildeten Mirabellen seien im Teebeutel überhaupt nich zu finden, so Foodwatch.

Laut Spiegel Online weisen die Hersteller der nominierten Produkte die Vorwürfe von Foodwatch zurück. Die Kennzeichnungen entsprächen den Vorschriften, eine Täuschung der Verbraucher läge nicht vor. Auch Foodwatch stellt fest, dass die monierten Werbeaussagen nicht illegal sind. Dennoch verwirrten sie die Verbraucher nachhaltig.

Hier können Sie über die dreisteste Werbelüge 2012 abstimmen:

 

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Ein Kommentar

  1. Hier fehlt noch Nutella. Auch die arbeiten mit ziemlichen Taschenspielertricks:
    http://www.wer-zu-wem.de/handelsmarken/rechentricks.html

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