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Netto-Kohlenhydrate: Polyole und Netcarbs in der Low Carb Ernährung

Low Carb Ernährung ist voll im Trend. Wer eben mal schnell ein paar Pfunde abspecken will, dem hilft oft ein zeitweiser (Schlank im Schlaf) oder kompletter Verzicht (Atkins Diät) auf Kohlenhydrate. Auch die Industrie hat sich diesem Trend angepasst. Immer mehr Low Carb und No Carb Produkte finden sich in unseren Regalen. Dabei kann man durchaus Kohlenhydrate zu sich nehmen, sogenannte „Netto-Kohlenhydrate“ oder Netcarbs.

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Zuckerfreie Süßigkeiten: Polyole und Netcarbs

In einigen Supermärkten und im Internet gibt es seit kurzem Low Carb Süßigkeiten, die mit den Begriffen Netto-Kohlenhydrate oder Netcarbs zu kaufen sind. So zum Beispiel Schokolade, Energieriegel oder auch zuckerfreie Gummibärchen. Schaut man auf die Inhaltsstoffe, so fällt auf, dass bei den zuckerfreien Gummibärchen Maltitsirup verwendet wird. Dieser wird mit einem Kohlenhydrat-Gehalt von rund 75 Prozent ausgewiesen, sprich 100 Gramm der zuckerfreien Gummibärchen haben 75 Gramm Kohlenhydrate. Viel zu viel für eine Low Carb oder No Carb Ernährung sollte man meinen.

Was sind Netto-Kohlenhydrate?

Netto-Kohlenhydrate, sogenannte Netcarbs, sind diejenigen Kohlenhydrate, die vom Körper verwertet werden können. Denn es gibt auch Kohlenhydrate, die für den Körper kaum oder gar nicht verwertbar sind. Diese werden vom Körper aufgenommen, sondern zu großen Teilen ausgeschieden. Ernährungswissenschaftler gehen daher davon aus, dass diese schwer- oder nichtverdaulichen Kohlenhydrate auch ohne große Insulinausschüttung des Körpers verstoffwechselt werden. Damit sind sie Kohlenhydrate, die man auch in der Low Carb Ernährung, wie zum Beispiel Atkins oder Schlank im Schlaf, zu sich nehmen kann, ohne den Diäteffekt zu sabotieren.

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Polyole und Netcarbs in der Low Carb Ernährung

In Produkten, wo Netto-Kohlenhydrate oder Netcarbs ausgewiesen sind, sind Zuckeraustauschstoffe enthalten. Chemisch handelt es sich um mehrwertige Alkohole, um sogenannte Zuckeralkohole oder auch Polyalkohole oder Polyole. Meistens handelt es sich in zuckerfreien Lebensmitteln um Polyole, die auf pflanzlicher Basis, also mit Pflanzenöl hergestellt sind, wie Maltrid, Sorbit, Mannit oder auch Xylit.

Produkte, die mit Polyolen gesüßt sind, haben einen niedrigen glykämischen Index und lösen damit eine geringe Insulinausschüttung aus. Wenn kaum oder kein Insulin ausgeschüttet wird, dann bleibt der Blutzuckerspiegel stabil und es kommt nicht zum Hungergefühl oder zu Fetteinlagerungen durch den Körper.

Hinzu kommt noch, dass Polyole schwer verdaulich sind und der Körperstoffwechsel dafür mehr Energie verbraucht, also mehr Kalorien verbrennen muss.

Netcarbs und Glykämischer Index

Der glykämische Index ist ein neues Kriterium um Kohlenhydrate einzuteilen. Anhand dieser Einteilung können die richtigen Kohlenhydrate ausgewählt werden, die der Gewichtszunahme vorbeugen oder das Gewicht reduzieren. Je weniger Netto-Kohlenhydrate, also vom Körper verwertbare Kohlenhydrate wir zu uns nehmen, desto weniger steigt wie oben erwähnt der Insulinspiegel und desto weniger bekommen wir Hungerattacken und der Körper lagert auch kein Fett in den Zellen ein.

Berechnung von Polyolen und Netcarbs

Eine Berechnung des Anteils der Netto-Kohlenhydrate oder Netcarbs ist schwierig. Man muss in jedem Fall den Nährwert des verwendeten Zuckeraustauschstoffe, als zum Beispiel der Polyole kennen. Die Berechnung der Netto-Kohlenhydate erfolgt nach einer Formel proportional zum Kaloriengehalt. Von dem Gesamtwert der Kohlenhydrate in einem Produkt werden die Polyole, also die Zuckeraustauschstoffe, eventuell zugesetzte Polydextrose und resistente Stärke abgezogen, da allesamt vom Körper schlecht verwertbar sind. Der dann errechnete Wert sind Netto-Kohlenhydrate.

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Viele Selbstversuche im Urintest mit sogenannten Keto-Sticks, die man in den diversen Low Carb Internetforen nachlesen kann, scheinen diese These zu bestätigen. Die Einnahme der Zucherersatzstoffe in zuckerfreien Gummibärchen oder Schokolade gesüßt mit Polyol, verursachte keine nennenswerte Veränderung des Blutzuckerspiegels oder gar den Austritt aus der Ketose, der Phase der Fettverbrennung des Körpers.

Müssen Zuckeraustauschstoffe doch angerechnet werden?

Es gibt allerdings auch Ernährungswissenschaftler, die davon ausgehen, dass Zuckeraustauschstoffe wie Polyole durchaus bei den Netto-Kohlenhydraten angerechnet werden müssen. Im Fall des weitverbreiteten Maltit findet man Werte von bis zu 75 Prozent. Das bedeutet, dass man nur 25 Prozent von der Gesamt-Kohlenhydratzahl abziehen könnte. Andere wiederum gehen davon aus, dass Kohlenhydrate in Sorbit, Malit und Mannit mit geschätzten 50 Prozent anzurechnen sind.

Verträglichkeit von Polyolen

In diversen Internetforen ist häufig zu lesen, dass es nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit Zuckerersatzstoffen zu Blähungen oder Durchfällen kommt. Dies kann mit einer Unverträglichkeit mit dem jeweiligen Zuckerersatzstoff zusammenhängen. Im Fall des weitverbreiteten Maltits gilt zum Beispiel: „Bei Tagesdosen von mehr als 30-50 g (Erwachsene) oder 20 g (Kinder) können Durchfälle oder Blähungen auftreten. Deshalb wird vom täglichen Verzehr von über 30 g bzw. 20 g bei Kindern abgeraten“.

Auch bei Sorbit kann es zu Unverträglichkeiten kommen: „In seltenen Fällen kommt es zu einer Sorbitunverträglichkeit. Bei dieser Erkrankung ist die Verwertung von Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise unmöglich. Menschen mit Fruktoseintoleranz dürfen Sorbit nicht verwenden, da Sorbit im Körper wie Fruktose (Fruchtzucker) abgebaut wird. Ist eine Sorbitunverträglichkeit bzw. eine Fruktoseintoleranz diagnostiziert, sollte man Produkte, deren Hauptanteil aus dem Zuckeraustauschstoff Sorbit besteht, insbesondere Diabetikernahrungsmittel und Diät-/Lightprodukte meiden. Besonders ist hier darauf zu achten, dass in fast allen herkömmlichen Zahnpflegemitteln, zahnpflegenden Kaugummis und Lutschpastillen Sorbit enthalten ist.“

Eine gute Übersicht über die verschiedenen Polyolen gibt es hier.

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