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Beitragsexplosion: Wird die private Krankenversicherung bald abgeschafft?

Werden sich die Privaten Krankenkasen (PKV) bald selbst abschaffen? Dieser Ansicht ist jedenfalls der Bundesverband der Verbraucherzentralen Deutschlands. Aufgrund der teilweise „dramatischen Beitragssteigerungen“, hätten die Privaten Krankenkassen keine Überlebenschance, so der Verband. Privatkassen erhöhten teilweise massiv die Beiträge und erschwerten einen Wechsel in kostengünstigere Tarife. So lautet der Vorwurf der deutschen Verbraucherzentralen nach einer bundesweiten Auswertung der Beschwerden von Privatversicherten. Die Privaten Krankenversicherer halten dagegen. Unabhängige Branchen-Analysedienste hätten festgestellt, dass in fast der Hälfte der Tarife in diesem Jahr überhaupt keine Beitragssteigerungen stattgefunden hätten und durchschnittlich die Tarife auch nur um zwei Prozent gestiegen seien.

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Beitragssteigerungen bei Privaten Krankenkassen in der Kritik

Angesichts der Preissteigerungen bei den Privaten Krankenversicherungen (PKV) sehen die Verbraucherschützer keine Zukunft mehr für die Branche. „Sie wird sich selbst abschaffen“, sagte der Vorstand des Verbraucherschutz-Bundesverbands, Gerd Billen, heute in Berlin. „Es gibt eine eklatante Zahl von Fällen, wo es Beitragssteigerungen von bis zu 30 Prozent von einem Jahr aufs andere gegeben hat“, sagte Billen weiter. Er forderte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf, den Tarifdschungel der Privaten Krankenversicherer im Interesse der Verbraucher endlich zu lichten und kundenfreundliche Reformen auf den Weg zu bringen. Die Möglichkeit, innerhalb der PKV in günstigere Tarife zu wechseln, müsse einfacher werden, so der Chef-Verbraucherschützer.

Außerdem sei mehr Qualitätssicherung notwendig. Gerade weil Privatpatienten von Ärzten immer öfter ausgenommen werden durch übermäßig viele medizinische Untersuchungen. Der Verband forderte eine Pflicht zur Beitragsrückzahlung im Fall von Erhöhungen durch zu riskantes Wirtschaften. Bahr solle vor allem geschlossene Tarife genau prüfen, in die keine jüngeren Kunden nachrücken könnten. Ältere Versicherte trügen nämlich hier besondere Beitragsrisiken und sind im Alter mit drastischen Beitragserhöhungen konfrontiert.

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Von 144 Kunden-Beschwerden der vergangenen Monate hätten 65 die Central, 25 die Gothaer und 19 die DKV betroffen, erläuterte Michael Wortberg die studie der Verbraucherzentralen. Vor allem ältere Kunden der Privaten Krankenversicherungen seien wegen riskanter Tarifberechnungen zugunsten von jüngeren Kunden vor Tarifsprüngen nicht geschützt. Eine 59-Jährige habe einen Monatsbeitrag von 1095 Euro bezahlt. Bei einer anderen Privatversicherten seien 76 Prozent der Rente für die Prämie draufgegangen.

Verbraucherzentralen fordern umfassende Reformen im Sinne der Verbraucher

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert nun von der Bundespolitik rasche Reformen. Der Forderungskatalog umfasst drei große Eckpunkte: Die Einführung des Sachleistungsprinzips, die Angleichung der Gebühren für die PKV, sowie eine Einkommenskomponente bei der Prämienkalkulation. Das bedeutet im einzelnen:

  • Die Einführung des Sachleistungsprinzips: Die Abrechnung erfolgt nur noch zwischen Leistungserbringer und Versicherungsunternehmen. Der Verbraucher erhält eine Kopie der Abrechnung. Für den Verbraucher hat dies den Vorteil, dass er sich nicht mehr mit seinem Versicherer über die Erstattung der Kosten streiten muss. Die Versicherer können durch spezielle Verträge mit den Leistungserbringern einerseits ihre Aufwendungen senken, andererseits direkt kontrollieren, wann welche Leistungen erbracht wurden und ob diese auch medizinisch notwendig waren.
  • Die Angleichung der Gebühren: Für Leistungen, die dem Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen entsprechen, dürfen die Leistungserbringer auch nur die Gebühren der GKV abrechnen. Dies würde eine Angleichung des Angebots und Service bei der medizinischen Versorgung unabhängig vom Versichertenstatus des Patienten ermöglichen und die tendenzielle Überversorgung der Privatversicherten eindämmen.
  • Eine Einkommenskomponente bei der Prämienkalkulation: Die Beiträge sollen nicht ausschließlich anhand des Risikos berechnet werden. Zusätzlich soll ähnlich wie beim Basistarif eine Kostendeckelung greifen, wenn die Beiträge die finanzielle Leistungsfähigkeit der Verbraucher übersteigen. Soziale Härten müssen dann über einen „Härtefall“-Fonds ausgeglichen werden, der innerhalb des PKV-Systems etabliert und durch PKV-Versicherte finanziert wird.

Die Privaten Krankenversicherer wehren sich gegen unseriöse Panikmache

Der Verbandsdirektor der Privaten Krankenversicherer Deutschlands, Volker Leienbach hält die Kritik der Verbraucherzentralen für unseriös. „Mehrere unabhängige Branchen-Analysedienste haben aktuell einen Beitragsanstieg in der PKV von durchschnittlich nur rund 2 Prozent festgestellt“, so Leienbach. Das Analysehaus „Morgen & Morgen“ zeige, dass es für 45 Prozent der Tarife keine Beitragserhöhungen gäbe. Die Experten der Deutschen Aktuarvereinigung hätten zudem die langfristige Beitragsentwicklung von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung seit 1997 analysiert. Demnach betrögen die jährlichen Steigerungen im Schnitt in der PKV knapp 3,3 Prozent und rund 3,1 Prozent in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Das zeige, dass die steigenden Gesundheitskosten beide Versicherungssysteme gleichermaßen beträfen, wobei die PKV mit ihren kapitalgedeckten Alterungsrückstellungen weitaus besser darauf vorbereitet sei, so der Chef des PKV-Verbandes. Jeder könne zudem in einen anderen Tarif seines Versicherers wechseln. Deutschland habe auch dank der PKV eine hervorragende Gesundheitsversorgung für alle, sagte Debeka-Chef Uwe Laue der „Rhein-Zeitung“.

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