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Airline verklagen ohne Risiko: Fluggast-Portale können Passagieren helfen

Flug verschoben, verspätet oder sogar annulliert? Schätzungsweise 1,8 Millionen Fluggäste in Deutschland haben in solchen Fällen Anspruch auf Entschädigung. Ein großer Teil der Passagiere weiß allerdings nicht, dass die Fluglinie in vielen Fällen verpflichtet ist, eine Entschädigung zu zahlen. Oder aber: Die Fluggäste scheuen den Konflikt mit den Airlines – schließlich lassen diese sich immer wieder fadenscheinige Erklärungen einfallen, um die Entschädigung nicht zahlen zu müssen. Dafür gibt es Fluggastrechteportale wie EUclaim, flightright oder fairplane. Sie versprechen den Passagieren in solchen Fällen Hilfe ohne finanzielles Risiko.

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[sam id=“33″ codes=“true“]Dank der EG-Verordnung 261/2004 haben EU-Bürger bei Flugreisen gute Karten: Verspätet sich ein Flieger oder fällt gar ein Flug aus, steht den Passagieren neben einer Erstattung von eventuellen Übernachtungs- und Verpflegungskosten auch eine Entschädigungszahlung zu. Und diese kann bei einem Langstreckenflug mit mehr als vier Stunden Verspätung gut und gerne 600 Euro ausmachen – und das unabhängig davon, ob der Flug 300 oder 3000 Euro gekostet hat. Doch leider lassen sich viele Fluglinien immer wieder Ausreden einfallen, um sich vor der Entschädigungs-Zahlung zu drücken.

Oftmals gehen Passagiere, die Anspruch auf eine Entschädigung hätten, leer aus. Wird eine Airline aufgefordert, für die Verspätung eine Entschädigungsleistung zu zahlen, erhält der Fluggast in der Regel ein Schreiben, in dem sich die Fluggesellschaft auf „höhere Gewalt“ oder „außergewöhnliche Umstände“ beruft. Da viele Verbraucher einen Rechtsstreit mit den Airlines scheuen, kommen die Fluggesellschaften mit dieser Taktik in vielen Fällen durch, sagen Verbraucherschützer.

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Rechtliche Unterstützung gegen 30 Prozent Provision

Anders sieht es aus, wenn eine Airline auf Entschädigung verklagt wird. Gemäß den Erfahrungen von Rechtsanwälten werden die Fluggesellschaften in solchen Fällen durchaus kooperativer. Und genau an dieser Stelle setzen Fluggast-Portale wie EUclaim, flightright oder fairplane an. Diese bieten ihren Kunden die Abwicklung der Entschädigungs-Ansprüche an und kassieren für diesen Service eine Provision. Vorteil für die Passagiere: Sie ersparen sich den bürokratischen Briefverkehr und den teuren Weg zum Anwalt. Kommt es zu keiner Entschädigungs-Zahlung, riskiert der Fluggast – anders als beim Anwalt – keine Kosten. Vorteil für die Portale: Sie können Entschädigungs-Ansprüche bündeln und diese gesammelt bei den Airlines geltend machen und kassieren jeweils knapp ein Drittel der Entschädigungssumme als Provision.

Das Geschäftsmodell der Passagierrechtsportale hat Potenzial: Immerhin gibt es in Deutschland im Durchschnitt täglich rund 5.000 Fluggäste, die Anspruch auf eine Entschädigung hätten, so Branchenkenner und Geschäftsführer von EUclaim Robert Weist. Auf den Websites der Portale können betroffene Fluggäste vorab prüfen, ob ihre Entschädigungs-Forderung überhaupt aussichtsreich ist und nicht etwa ein Sturm oder andere tatsächliche höhere Gewalt für die Verspätung verantwortlich war. In solchen Fällen gibt es nämlich keinen Anspruch auf Entschädigung.

Ist diese Frage geklärt und die Chancen auf eine Entschädigung stehen gut, kommt es zur Auftragsvergabe an das Portal. Der Schriftverkehr mit der Airline erfolgt dann über die Mitarbeiter des Fluggast-Rechte-Portals. Zunächst versuchen diese, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Erst wenn sich die Fluggesellschaft stur stellt, wird der Fall über einen Anwalt des Portals weiterverfolgt und landet unter Umständen vor Gericht.

Erfolgsquote bei Fluggast-Entschädigungen bei 75 Prozent

Wenn man den Zahlen der Fluggastrechte-Portale Glauben schenken darf, ist die Erfolgsbilanz der Fluggast-Portale nicht schlecht. Nach eigenen Angaben liegt beispielsweise die Erfolgsquote von EUclaim.de bei 75 Prozent. Die Chancen, bei Verspätung oder Annullierung zu seiner Entschädigung zu kommen, stehen insofern recht gut. Gerade für Passagiere, die keine Lust auf aufwändigen Schriftverkehr oder gar einen Rechtsstreit mit ihrer Airline haben, kann sich der Weg über ein Fluggastrechte-Portal lohnen. Auch wenn ein Teil der Entschädigung beim Portal landet, erhält man mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit Geld, das man auf eigene Faust wahrscheinlich nur mit großem Zeitaufwand oder – im Falle einer Klage – mit einem finanziellen Risiko bekommen hätte.

Fluggastrechteportale können also eine Erleichterung für Flugreisende sein. Gerade, wenn man schnell wissen möchte, ob eine Kompensationspauschale überhaupt in Frage kommt, bieten die Portale einen guten Service. Allerdings: Im Falle von Gepäckschäden oder eines Rechtsstreits um die Kostenerstattung einer ungeplanten Hotelübernachtung helfen die Portale nicht. Außerdem sind die Anwälte der Portale bei einigen Airlines machtlos: So zeigt sich laut Medienberichten vor allem die Billig-Airline Ryanair beim Thema Flugausfälle oder Verspätungen oft stur. Das gilt auch für manches Gericht. Laut Robert Weist von EUclaim ist die Rechtssprechung der Gerichte gerade an den Ryanair-Standorten nicht gerade verbraucherfreundlich. Aus diesem Grund nimmt EUclaim aktuell auch keine Fälle von Ryanair-Passagieren mehr an.

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Internet-Adressen der bekanntesten Fluggastrechteportale

www.euclaim.de
www.flightright.de
www.fairplane.de

 

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