meinfernbus-reisebus

Meinfernbus.de im Praxis-Test: ein Erfahrungsbericht

Seitdem das Beförderungsmonopol der Deutschen Bahn gefallen ist, hat sich auf dem Fernbus-Markt in Deutschland einiges getan. Anbieter von Fernbus-Linien sind für die Bahn zur ernsthaften Konkurrenz geworden. Teilweise fahren sie Ziele an, die mit der Bahn nur umständlich zu erreichen sind. Vor allem aber ist die Fahrt mit dem Fernbus unschlagbar billig. Doch wie sieht es mit dem Komfort und dem Service aus? Und wie pünktlich sind Fernbus-Linien überhaupt? Wir wollten es genauer wissen und haben es ausprobiert. Unser Erfahrungsbericht zeigt: Die Fahrt mit dem Fernbus von Meinfernbus.de ist gar nicht schlecht.

Werbung

Einmal Düsseldorf-Mannheim mit Meinfernbus.de

meinfernbus-innenEs ist 11:35 Uhr. Der quietschgrüne moderne Reisebus von Meinfernbus.de steht am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) Düsseldorf nur einen Steinwurf vom Düsseldorfer Hauptbahnhof entfernt. Die Begrüßung durch den Fahrer ist okay, man duzt sich offenbar. Ich habe eine Woche zuvor ein Ticket von Düsseldorf nach Mannheim für 11,- Euro gebucht. Die Buchung war unkompliziert, der Ticketpreis wurde bequem per Lastschriftverfahren von meinem Konto abgebucht. Den Ausdruck mit QR Code und Buchungsbestätigung habe ich mitgenommen, doch beides wird bei meinem Checkin nicht benötigt – Fahrer Rolf hat lediglich meinen Namen mit seinem Smartphone abgeglichen. Passt!

Viel Platz und guter Service im Fernbus

meinfernbus-sitzabstandDas Gepäck kann zwar gesondert abgegeben werden, doch da ich mit leichtem Gepäck reise, entscheide ich mich dafür, meinen kleinen Trolley in den Bus reinzunehmen. Das entpuppt sich als Fehler: Denn für einen Standard-Handgepäckkoffer ist in der Ablage über den Sitzen zu wenig Platz. Doch zum Glück ist der Nachbarsitz frei. Überhaupt ist der Bus ziemlich leer. Bei der Abreise in Düsseldorf ist der Bus gerade einmal zur Hälfte gefüllt, jeder Fahrgast hat somit beim Start zwei Sitzplätze. Das ist bequem. Und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Laut Website von Meinfernbus.de können sogar Fahrräder mitgenommen werden. Und tatsächlich: Für Zweiräder gibt es einen Gepäckträger am Heck und die werden von Busbegleiter Benny anstandslos und sicher am Gepäckträger festgezurrt.

Werbung

Pünktliche Abfahrt in Düsseldorf

Es ist 11:45 Uhr. Wir fahren pünktlich in Düsseldorf los. Die Begrüßung im Bus ist nett, aber es gibt wohl ein Problem mit dem Frischwassertank. Der übliche Busfahrer-Appell, den man auch von unzähligen Klassenfahrten kennt: „Auf dem Bordklo bitte nur das kleine Geschäft!“ Und: „Das Toiletten-Papier bitte in die Mülltonne werfen!“ Naja.

Das Innere des Fernbusses ist modern eingerichtet. Die Sitze erscheinen komfortabel. Unter dem Sitz gibt es Steckdosen: Super! Anschließend folgt eine automatische Ansage mit Infos zum kostenfreien WLan und der Hinweis, dass es auch Snacks und Getränke an Bord gibt. Gut auch die zweisprachigen Sicherheitshinweise auf Deutsch und Englisch. Der Anschnallgurt funktioniert tadellos – es kann losgehen!

meinfernbus-wlan-speedtestAls erstes interessiere ich mich für das kostenlose Wlan. Das Einloggen ins Wlan-Netz des Fernbusses ist unkompliziert aber die Internet-Verbindung ist extrem langsam – trotz zweier Hotspots im Bus. Laut Broschüre ist der Zugriff während der Testphase auf 8 Teilnehmer limitiert, vermutlich versuchen gerade mehrere Fahrgäste, sich einzuloggen. Es dauert gefühlte 10 Minuten bis eine Website wie Spiegel Online geöffnet ist. Der Speedtest bringt es ans Licht: Mit lächerlichen 0,01 kbps macht Wlan keinen Spaß. Ich hebe mir das Internetsurfen für Später auf – schließlich liegen mehr als vier Stunden Fahrt vor mir.

Statt im Internet zu surfen, studiere ich die Snack-Karte. Die liest sich okay. Salziges und Süßes gibt es für je 1€. Die Getränkepreise sind ebenfalls sehr fair: Softdrinks, Bier und Fairtrade-Kaffee gibt für 1,50 Euro, Prosecco für 3,50 Euro.

Zwischenstopp in Köln: Fernbus-Toiletten sind nur was für dünne Passagiere

Um 12:30 Uhr Zwischenstopp in Köln-Deutz. Etwa 15 weitere Passagiere steigen ein. Da es an der Haltestelle keine öffentliche Toilette gibt, entscheide ich mich fürs Bord-WC im Fernbus. Die Bus-Toilette ist auf den ersten Blick sauber, aber wahnsinnig klein. Fahrgäste mit starkem Übergewicht dürften Probleme haben, überhaupt ins Bord-WC hineinzukommen. Außerdem fehlt die Seife – schade! Immerhin funktioniert die Spülung. Tatsächlich würde ich das Bus-WC allenfalls als Not-Klo bezeichnen. Der Zwischenstopp in Köln dauert bis 12:45 Uhr. Danach erfolgt die pünktliche Weiterfahrt Richtung Mannheim.

Werbung

meinfernbus-wcDie Fahrer haben sich offenbar abgewechselt. Es gibt einen kurzen Kontrollgang, ob auch alles sauber ist – sauber! Ich frage nach, wo genau die Snackbar ist, da ich sie während des letzten Zwischenstopps nicht finden konnte. Die freunliche Antwort: Einfach unten beim Fahrer nachschauen. Vielleicht werde ich nachher mal vorbeischauen. Es ist an der Zeit, mein Smartphone aufzuladen, die Steckdose unterm Sitz funktioniert – hurra! Das Wlan lahmt aber immer noch. Ich entscheide mich schließlich für das UMTS-Netz meines eigenen Handyanbieters.

Pause auf dem Autobahnrasthof

Um 14:30 Uhr machen wir Pause an der Autobahnraststätte Medenbach West. Laut Busfahrer Rolf liegen wir gut in der Zeit. Also haben alle Fahrgäste eine halbe Stunde Zeit für Kaffee, Kippe, Klo. Dem freundlichen aber unmissverständlichen Hinweis des Fahrers „Benutzen Sie bitte das Raststättenklo“ kommen offenbar viele Fahrgäste nach.

Eine halbe Stunde später um 15:00 Uhr fahren wir pünktlich weiter Richtung Mannheim. Ich hoffe, dass ich in Mannheim die S-Bahn nach Neustadt erreiche. 11 Minuten Umstiegszeit, um vom ZOB ans Gleis zu kommen, erscheinen mir sportlich. Vorsorglich buche ich ein Online-S-Bahn-Ticket, falls die Zeit knapp werden sollte. Es stellt sich heraus, dass das gar nicht nötig gewesen wäre.

Pünktliche Ankunft 10 Minuten vor der Zeit

meinfernbus-zob-mannheimDenn um 16:05 Uhr kommen wir 10 Minuten früher als geplant am ZOB Mannheim an. Der Busbahnhof ist über ein gemeinsames Dach mit dem Hbf verbunden. Man kommt also sogar bei starkem Regen trockenen Fußes ans Gleis. Ich erreiche um 16:26 locker die S-Bahn in Richtung Kaiserslautern. Prima!

Fazit: Für 11,- Euro bin ich erstaunlich billig von Düsseldorf nach Mannheim gekommen. Die Sitze erschienen mir nach der vier Stunden Fahrt zwar doch etwas hart, dafür war der Sitzabstand komfortabel. Die Klimaanlage lief moderat, konnte aber die Gerüche der Mitreisenden nicht wirklich filtern. Nach einiger Zeit roch es etwas nach ungewaschenem Mann, aber für die Körperhygiene der Mitreisenden kann der Busfahrer ja nichts. Die Reisezeit war mit 4:20 Stunden akzeptabel. Meinfernbus.de ist somit eine sehr günstige und durchaus gute Alternative zur Bahn. Der ICE hätte für die Strecke zwar nur knapp 2 Stunden gebraucht, wäre mit 87 Euro Ticketpreis ohne Bahncard aber fast 8 mal so teuer gewesen. In zwei Stunden und zwanzig Minuten habe ich also 76,- Euro gespart – auf den Stundenlohn muss man erstmal kommen. Weitere Tests gibts auf testnachrichten.de.

Check Also

Sicheres Fahrradschloss

Fahrradschlösser-Test: Stiftung Warentest findet nur vier gute

Fahrradschlösser sind wichtig. Sie sollten sicher sein und nicht einfach geknackt werden können. Doch leider …

2 Kommentare

  1. Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

  2. Netter Bericht, ich möchte mal wieder nach Berlin und Dresden sowie Prag. Bin die ganze Zeit am Überlegen ob ich mit dem Auto fahren soll oder wirklich mal diesen Flexbus b.z.w Fernbus testen soll.

    22€ für nach Dresden sind ein Unschlagbarer Preis, auch wenn die nächste Bushaltestelle 50 km von meinem Wohnort entfernt ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.