Private Krankenversicherung: So gehts zurück in die Gesetzliche

Wer einmal in die Private Krankenversicherung (PKV) wechselt, der kommt nicht mehr zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). So der Grundsatz. Doch es gibt Ausnahmen und Möglichkeiten zurückzukehren, wenn die Beiträge in der PKV zu sehr steigen. Allerdings muss man sich beeilen: Ab dem Alter von 55 Jahren ist auch der letzte Weg zurück in die Gesetzliche versperrt. Doch auch dann gibt es Möglichkeiten in der Privaten Krankenversicherung Geld zu sparen.

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Beiträge zur Privaten Krankenversicherung steigen stark

Die Beiträge der Privaten Krankenkassen sind zwischen 2001 und 2012 um durchschnittlich 80 Prozent gestiegen. Mittlerweile gibt es nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherer knapp 150.000 Mitglieder, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen oder nicht mehr zahlen können. Gerade ältere Versicherte erwartet eine Kostenexplosion bei den Beiträgen. Viele können da nicht mehr mithalten.

So auch Günther Breuer* aus Wiesbaden. Der 53 Jährige selbstständige Bauingenieur ist vor 23 Jahren in eine Private Krankenversicherung gewechselt. Damals wurde er gelockt von einem äußerst niedrigen Beitragssatz. „Eingestiegen bin damals mit einem monatlichen Beitrag von 190 Mark, heute muss ich jeden Monat 763 Euro auf den Tisch legen“, so Breuer. Kein Einzelfall. Wie ihm geht es vielen der rund 9 Millionen bei einer privaten Versicherten in Deutschland. Und das unabhängig davon, ob sie bei der DKV, der Allianz, der Hanse Merkur, der Central, der Gothaer oder der DEVK versichert sind.

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Doch die hohen Beiträge sind nicht unbedingt alternativlos. Man kann viel Geld sparen, selbst ein Wechsel zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung ist in vielen Fällen möglich. Unsere Tipps:

Tipp 1: Wechsel in eine günstigere Private Krankenversicherung

Die erste Möglichkeit Geld zu sparen ist der Wechsel in eine andere Krankenversicherung. Seriöse Tarifrechner im Netz bieten hier einen guten Überblick über Kosten und Leistungen. Hier wird auch auf das sogenannte „Kleingedruckte“ hingewiesen. Die Rechner bieten etwas Orientierung im Tarifdschungel der derzeit in Deutschland angebotenen rund 4000 verschiedenen Krankenkassentarifen.

Doch ein Wechsel bringt auch Nachteile: In manchen Fällen verlieren nämlich die Versicherten die angesparten Altersrückstellungen. Bei der neuen Krankenversicherung müssen sie daher wieder bei Null anfangen. Dies gilt für alle Verträge, die vor dem 1.1.2009 abgeschlossen wurde. Für diejenigen Versicherten lohnt sich ein Wechsel meist nur in den ersten fünf Jahren. Alle, die ihre private Krankenversicherung nach dem Stichtag 1. Januar 2009 abgeschlossen haben, können problemlos wechseln und ihre Altersrückstellungen mit zur neuen Versicherung nehmen.

Tipp 2: Wechsel in einen günstigeren Tarif der Privaten Kasse

Eine weitere Möglichkeit Geld zu sparen ist der Wechsel in einen günstigeren Tarif der eigenen Versicherung. Laut §204 des Versicherungsvertragsgesetzes ist dies sogar zu gleichen Konditionen und ohne neuerliche Gesundheitsprüfung und Risikozuschlag möglich. Auch die Altersrückstellungen werden mitangerechnet, egal ob man vor oder nach dem Stichtag 1.1.2009 seine private Krankenversicherung abgeschlossen hat.

Das Problem hierbei: Die Krankenversicherungen haben kein Interesse daran ihren Versicherten einen günstigeren Vertrag mit ähnlichen oder gleichen Konditionen zu bieten. Daher versuchen die meisten Kassen ihren Versicherten einen wechsel möglichst schwer zu machen. Das führt sogar soweit, dass Informationen vorenthalten, falsche Angaben zu Tarifen gemacht werden und sogar Vertragswechsel nicht gestattet werden, so VP-Versicherungsexperte Tristan von Berg. „Die Kassen verhalten sich hier oft nicht gerade kundenfreundlich. Sie wollen die sensible Versicherungsmathematik nicht gefährden, die nun mal einkalkuliert, dass im Alter die Beiträge exorbitant steigen“, so von Berg. Daher rät der Experte nur schriftlich mit der Krankenkasse zu kommunizieren, damit man im Zweifelsfall Beweise in der Hand hat.

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Tipp 3: Die Rückkehr in die Gesetzliche Krankenversicherung

Einmal privat versichert, immer privat versichert. Dieser Spruch klingt vielen PKV-Versicherten in den Ohren und tatsächlich sieht der Gesetzgeber kein Rückkehrrecht vor, es sei denn man nutzt ein paar Schlupflöcher. Allein im letzten Jahr sind laut Branchenverband rund 160.000 privat Versicherte zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung gewechselt. Doch nicht jeder kann wechseln, man muss folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Man ist unter 30 Jahre alt und noch in Ausbildung
  • Man wird arbeitslos
  • Man fällt mit seinem Jahresbruttoeinkommen unter die derzeit geltende Versicherungspflichtgrenze von 50.850 Euro

Um unter die Versicherungspflichgrenze zu kommen, genügt meist schon ein Deal mit dem Arbeitgeber. Ein Vierteljahr unbezahlter Urlaub, ein vorrübergehend vereinbartes geringeres Gehalt oder die Verringerung der Arbeitstunden für ein paar Monate reichen meist schon aus, um das Jahresbrutto unter die Versicherungspflichgrenze zu drücken. Danach ist ein Wechsel in die GKV kein Problem mehr. Doch aufgepasst: Dieser Trick funktioniert nur bis zum 55. Lebensjahr. Danach ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr möglich!

Tipp 4: Vereinbarung einer Selbstbeteiligung

Eine weitere und sehr einfache Möglichkeit Geld zu sparen ist die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung, bzw. eines Selbstbehalts für den bestehenden Versicherungstarif. Hier ist rechnen angesagt. Lohnt sich der Sebstbehalt im Vergleich zur Ersparnis bei den monatlichen Beiträgen oder wird es am Ende sogar teurer? Und wenn Selbstbehalt, wie hoch sollte dieser sein?Hier sollte man in einem seriösen Krankenkassenrechner die Ersparnis ausrechnen. In den meisten Fällen lohnt sich ein Selbstbehalt, da die Versicherer damit kalkulieren, dass die Kunden mit Selbstbehalt deutlich seltener zum Arzt gehen und dadurch die Tarife kostentechnisch entlastet werden.

Ein Nachteil hat die Selbstbeteiligung: Der Arbeitgeber spart zwar mit am günstigeren Monatsbeitrag, beteiligt sich aber nicht am Selbstbehalt. Den muss der Versicherte alleine tragen. Das sollte man unbedingt in die Rechnung miteinbeziehen.

Tipp 5: Wechsel in den Basistarif der PKV

Last and least gibt es die Möglichkeit in den Basistarif der privaten Krankenversicherung zu wechseln. Um es gleich vorweg zu sagen: Diese Möglichkeit bei der Privaten Krankenversicherung Geld zu sparen, ist die denkbar schlechteste. Der Tarif ist zwar auf maximal 592,88 Euro Beitrag pro Monat dedeckelt, das ist aber ziemlich teuer bedenkt man den äußerst schlechten Leistungskatalog der meisten Basistarife.

Die Leistungen liegen vielfach deutlich unter denen der gesetzlichen Krankenversicherungen und auch die behandelnden Ärzte bekommen nur vergleichsweise wenig Geld für die Behandlung. Daher weigern sich viele, Patienten zu behandeln, die in einem Basistarif der PKV versichert sind. Und dazu haben sie sogar das Recht. Etwas besser ist der sogenannte „Standardtarif“ den die privaten Krankenversicherer anbieten. Der ist zwar in der Regel etwas teurer, dafür bekommt man aber deutlich bessere Leistungen und ist nicht Patient dritter Klasse.

Tarifrechner PKV: >> Hier geht’s zum kostenlosen Tarifrechner von check24.de

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