Gebäude-Wärmedämmung-lohnt-nicht

Wärmedämmung: Wird bald jeder zu Sanierung gezwungen?

Unglaublich, aber wohl wahr: Obwohl Altbauten nachgewiesenermaßen oft eine deutlich bessere Energiebilanz haben als neugebaute Einfamilienhäuser, sollen demnächst auch Altbauten energetisch saniert werden. Und das nicht freiwillig. Die Besitzer von Altbauten und Altbauwohnungen, sogenannten „Bestandsimmobilien“, sollen dazu per Gesetz verpflichtet werden. Hinzu kommt noch, dass gerade bei Altbauten eine Wärmedämmung in vielen Fällen zu großen Schäden an der Bausubstanz führt. Grünlich-schimmelige Beläge an der Fassade können derzeit in vielen Städten bei jüngst sanierten Altbauten besichtigt werden. Sie zeugen davon, dass eine energetische Sanierung mit den heutigen technischen Möglichkeiten nicht bei jedem Gebäude ratsam ist.

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Energiewende wird bisher von privaten Eigentümern boykottiert

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) soll reformiert werden. Danach sollen nach und nach alle Besitzer von Wohnimmobilien über Gesetzeskniffe dazu verpflichtet werden, ihre Immobilien energetisch zu sanieren, sprich eine umfangreiche und äußerst kostspielige Wärmedämmung durchzuführen. Die momentan noch gültige EnEV trat im Oktober 2009 in Kraft. Danach mussten nur Neubauten und öffentliche Gebäude energetisch saniert werden. Besitzer von Bestandsimmobilien wie Altbau-Häuser oder Altbauwohnungen blieben davon verschont. Deshalb wurden bislang nur Altbauten in großen Wohnkomplexen, die in staatlicher Trägerschaft sind, wärmegedämmt. Der große Teil der Altbau-Häuser und -Wohnungen in privatem Besitz hingegen nicht. Die von der Bundesregierung gewünschte Energiewende wurde trotz einigermaßen günstiger Kredite der KfW-Bank von den Eigentümern schlichtweg ignoriert. Es lohnt sich einfach nicht.

Energetische Sanierung lohnt sich nicht

Viele Hausbesitzer und Mieter beschweren sich, dass nach der teuren Sanierung der Häuser und horrenden Mehrkosten bei den Mieten, die Heizkosten nur minimal sinken. Dies wurde bisher von der Bundesregierung und den Ökoverbänden immer nur als subjektiver Eindruck abgetan, der obendrein falsch sei. Dass dieser gar nicht so falsch ist wie behauptet, zeigt eine aktuelle Studie der Berliner Wohnungsgesellschaft GSW. „Danach fallen im Schnitt Sanierungskosten von 325 Euro pro Quadratmeter an, um die Vorgaben der EnEV 2009 zu erfüllen“, so GSW-Vorstand Jörg Schwagenscheidt. Zwei Drittel der Kosten würden auf die Mieter umgelegt. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung müsste die Monatsmiete hiernach um 106,19 Euro steigen. Demgegenüber stünden aber nur geringe Einsparungen für die Mieter bei den Heizkosten. „Die Mieter würden bei den Nebenkosten nur 31,71 Euro pro Monat sparen“, so Jörg Schwagenscheidt. Unter dem Strich zahlt der Mieter also kräftig drauf. Beim Beispiel der 70-Quadratmeter-Wohnung in Berlin pro Monat 74,48 Euro, im Jahr sind das satte 893,76 Euro. Geld, das gerade Rentner oder sozial schwache Mieter nur schwerlich aufbringen können.

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Bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt

Nach diesem Motto aus Goethes Erlkönig will nun offensichtlich die Bundesregierung verfahren. Nach einem Bericht der BILD-Zeitung sollen die Auflagen bei der Dämmung von Wänden, Dächern und Fenstern, die bisher nur für Neubauten und öffentliche Gebäude gelten, auf ältere Privathäuser ausgeweitet werden. Dies allerdings nicht sofort, sondern erst wenn der Besitzer „größere Renovierungsarbeiten“ vornehmen will. Nach und nach könnten so alle Immobilienbesitzer zu weitreichenden und kostspieligen Dämmungsmaßnahmen verpflichtet werden. Und das obwohl neue Studien belegen, dass Altbauten zumindest aus der Zeit vor 1918 im unsanierten Zustand eine deutlich bessere Energiebilanz haben als Häuser, die bis 1974 errichtet wurden.

Des Weiteren wird erwogen, auch die Abgasnormen schrittweise zu erhöhen. Dadurch müssten viele Eigenheimbesitzer und Wohneigentümergemeinschaften (WEG) ihre alten Heizungsanlagen, Heizkessel und Brenner austauschen. Dies würde dann als „größere Renovierung“ gelten und der Besitzer oder die WEG könnten dann noch genötigt werden, Teile des Hauses oder sogar das ganze Haus zu dämmen. Zehntausende Euro, die auf einen Schlag investiert werden müssten. Außerdem könnten an den Austausch der Heizungsanlagen noch weitere Zwangs-Bedingungen gekoppelt werden. Hausbesitzer und WEG sollen bei zentralen Wärmeerzeugungssystemen, also zum Beispiel einer Zentralheizung im Keller, verpflichtet werden, zehn Prozent ihres Wärmeenergiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken. Dadurch kämen weitere Kosten auf Besitzer und auch Mieter zu.

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